November 9, 2020
Von Indymedia
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In Köln ist am Freitag das Buch „Soziologie der Freiheit“ von Abdullah Öcalan vorgestellt worden. Bei dem Werk handelt es sich um den im FrĂŒhjahr in deutscher Übersetzung im Unrast-Verlag erschienenen dritten Band aus Öcalans „Manifest der demokratischen Zivilisation“. Die Vorstellung war Teil einer deutschlandweiten Lesereihe von Reimar Heider, der das Buch ĂŒbersetzt hat und Sprecher der internationalen Initiative „Freiheit fĂŒr Öcalan, Frieden in Kurdistan“ ist. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Internationalistischen Komitee HelĂźn.

Aufgrund der Corona-Regeln in Nordrhein-Westfalen wurde die BuchprĂ€sentation im kleinen Rahmen und mit einem Corona-Hygienekonzept abgehalten. Es gab eine Live-Übertragung auf dem YouTube-Kanal vom Berliner Verein Civaka Azad e.V. Insgesamt schauten etwa 50 Interessierte zu.

Reimar Heider erzĂ€hlte zuerst von der Person Abdullah Öcalan und seiner politischen Praxis. Im Anschluss erlĂ€uterte er Öcalans Gesellschaftsanalyse mit Fokus auf die „Soziologie der Freiheit“, die der kurdische Vordenker im Jahr 2009 auf der GefĂ€ngnisinsel Imrali geschrieben hat, auf der er nach wie vor isoliert wird. Danach entstand eine rege Diskussion ĂŒber den Ursprung von Vorurteilen ĂŒber die kurdische Bewegung in Deutschland. Deutsche Geschichte und das langjĂ€hrige positive VerhĂ€ltnis zwischen Deutschland und der TĂŒrkei wurden als Grund fĂŒr intensive Repressionspolitik der Bundesregierung gegenĂŒber Öcalan und der PKK bewertet. In diesem Zusammenhang wurden auch die Problematiken der heutigen deutschen Linken thematisiert.

Als die Frage aufkam, wieso Öcalan als Mann die Frauenbefreiung als Basis fĂŒr eine befreite Gesellschaft erachtet, erklĂ€rte Heider, dass der kurdische Denker eine mĂ€nnliche Dominanz bei sich erkannt hat und das System hinter dieser Dominanz, das Patriachat, problematisiert. „Öcalan analysiert das Patriarchat historisch als die Ă€lteste UnterdrĂŒckungsform, auf der jegliche andere UnterdrĂŒckungsform aufbaut. Die Frauenbefreiung, sowie die VerĂ€nderung des Mannes erachtet er als notwendige Bedingung fĂŒr ein freies Leben fĂŒr alle“, erklĂ€rt Heider.

Der Vortrag und die daran anschließende Diskussion ĂŒberzeugte die Besucher*innen, dass Öcalans Perspektive des demokratischen Konföderalismus großes Lösungspotenzial fĂŒr viele politische Fragen auch hier in Deutschland hat. Öcalans tiefgrĂŒndige und hoffnungsvolle Herangehensweise an gesellschaftliche VerĂ€nderung motivierte die Besucher*innen zu einer tiefgreifenden Auseinandersetzung mit der kurdischen Freiheitsbewegung. Als kreativen Abschluss gestalteten alle anwesenden Personen eine Leinwand mit Bildern, SprĂŒchen und Zitaten, die sie mit Abdullah Öcalan verbinden.




Quelle: De.indymedia.org