Mai 2, 2021
Von Indymedia
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Mit der Auftaktkundgebung am Bahnhof begann die diesjĂ€hrige 1.Mai Demonstration in Schwenningen. Zu der Demo, unter dem Aufruf „die Krise heißt Kapitalismus“ die von einem BĂŒndnis antifaschistischer, linker und revolutionĂ€rer Gruppen organisiert wurde, versammelten sich um 11 Uhr ĂŒber 100 Menschen auf dem Bahnhofsvorplatz.

>> Website der Initiative fĂŒr einen kĂ€mpferischen 1.Mai in VS
>> Aufruf der Linken Aktion VS zum 1.Mai 2021

Den inhaltlichen Beginn machte die Rednerin der „Initiative fĂŒr einen kĂ€mpferischen 1.Mai in VS“: In der Rede wurde darauf eingegangen, dass ein Jahr zuvor, noch zu Beginn der Pandemie, am 1.Mai genau das thematisiert wurde was sich jetzt immer klarer abzeichnet: Die Herrschenden versuchen die Folgen der Krise auf die LohnabhĂ€ngigen abzuwĂ€lzen. WĂ€hrend Corona fĂŒr die kriselnde Wirtschaft zum passenden Zeitpunkt kam, das Kapital die Situation nutzt um Einsparungsmaßnahmen durchzuziehen und den Druck auf die Arbeiter:innen erhöht, profitierten die Konzerne von den Milliarden Rettungsprogrammen der Regierung. Wer die Rechnung dafĂŒr bezahlen soll, ist mittlerweile klar. Auch ist, von Seite der Herrschenden, der Applaus, das GeschwĂ€tzt von SolidaritĂ€t und Held:innen lĂ€ngst verstummt. Den Weg die VerhĂ€ltnisse umzukrempeln, zeichnete die Rednerin dabei klar: KĂ€mpfen, organisieren, die Lösung heißt Sozialismus.

Weitere RedebeitrĂ€ge folgten. Unter anderem zur Situation in der TĂŒrkei wo die Kriminalisierung der HDP durch das Erdogan-Regime auch mit der Verurteilung ihres vorsitzenden Dermitas zu 15.000 Jahren Haft weiterlĂ€uft und das tĂŒrkische MilitĂ€r aktuell eine neue offensive gegen die PKK im kurdischen Nord-Irak gestartet hat. Das alles auch mit RĂŒckendeckung und UnterstĂŒtzung des NATO-Partners BRD

Die 1.Mai Demonstration war von Beginn an mit den Versuchen von Polizei und Ordnungsbehörde konfrontiert ein selbstbestimmten und ausdrucksstarkes Auftreten mit allen Mitteln zu verhindern. Mit dem Verweis auf die Corona-Verordnung drohten die Bullen von Anfang an mit der Auflösung der Demo. Obwohl alle Teilnehmer:innen Masken, in großen Teilen FFP2 trugen, beharrten diese auf grĂ¶ĂŸere AbstĂ€nden und stellten immer weiter absurde Forderungen.

Als sich die Demonstration nach weiterem Hin und Her in Bewegung setzte, musste sie nur wenige Meter spĂ€ter wieder stoppen. Versuche der Demo-Orga mit der Einsatzleitung zu sprechen, waren wenig erfolgreich, ein kooperativer Umgang mit den Bullen war nicht möglich. Die Verweise auf Corona-Schutz und AbstĂ€nde dienten schlicht als BegrĂŒndung um die Demonstration behindern zu können und zu schikanieren.

Und dennoch zogen die Teilnehmer:innen lautstark und entschlossen weiter und zeigten auch mit Pyrotechnik ihren Entschluss, sich die Demonstration an diesem 1.Mai nicht nehmen zu lassen. Mit dem weiteren Verlauf zeichnete sich immer mehr ab, dass die Bullen die Demonstration nicht zu Ende laufen lassen wĂŒrden und diese positionierten sich zunehmend im vorderen Bereich.

Bei der Zwischenkundgebung auf der HĂ€lfte Route wurde schwerpunktmĂ€ĂŸig die besondere Situation von Frauen* in der kapitalistischen Gesellschaft und die patriarchale UnterdrĂŒckung von Frauen* thematisiert. In einem kurzen Schwenk ging die Rednerin auf das Schwenninger „Elferwiible“ ein welches nach der Demonstration am 8.MĂ€rz mit stolz noch immer ihr Frauen*kampf-Halstuch trĂ€gt.

Danach sollte Schluss sein. Die Bullerei erklĂ€rte die Versammlung fĂŒr aufgelöst und forderte ein Ende. DarĂŒber hinweg setzte sich die Demonstration wieder in Bewegung, wurde jedoch nach einigen Metern durch die Polizei gestoppt. Schon zuvor war klar, dass ein selbstbestimmtes Weiterlaufen nicht mehr möglich sein wĂŒrde. WĂ€hrend die Behörden die sofortige Auflösung forderten begann der Vorgezogene Abschluss der Demonstration. Im Anschluss an das Grußwort der „Perspektive-Kommunismus“ sollte noch einmal die 1.Mai Initiative sprechen. Doch hier eskalierte die Polizei endgĂŒltig, griff die Demo an und beendete die Rede mit Gewalt. Im weiteren Verlauf daran entwickelte sich eine kurze Auseinandersetzung in dem auch ein Polizeihund raus gelassen wurde. Vier Personen wurden dabei kurzzeitig in Gewahrsam genommen.

Aus SolidaritÀt warteten die Teilnehmer:innen der Demonstration bis klar war, dass drei der Verhafteten wieder gehen konnten. Eine Person wurde von der Polizei auf die Wache in Schwenningen gebracht und dort einige Zeit spÀter von mehreren Genoss:innen, die laut die Freilassung gefordert hatten, in Empfang genommen.

Die Demonstration heute konnte nicht wie geplant zu Ende gefĂŒhrt werden. Und trotzdem war der 1.Mai 2021 ein Erfolg: Eine starke Mobilisierung hat die Wochen zuvor das Stadtbild geprĂ€gt. Über 100 Menschen die den Aufrufen zur Demo gefolgt sind. Und eine Demonstration die so weit es ging selbstbestimmt und kĂ€mpferisch gestaltet wurde. Ein besseres Leben wird uns nicht geschenkt, eine revolutionĂ€re Perspektive erkĂ€mpfen wir uns, im großen und im kleinen.




Quelle: De.indymedia.org