April 20, 2021
Von SchwarzerPfeil
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UrsprĂŒnglich veröffentlicht auf Indigenous Action. Der Beitrag hat zwar seinen Fokus auf die USA, aber die Hauptaussage, nĂ€mlich dass WĂ€hlen keine Schadensbegrenzung ist, gilt ĂŒberall.

Wenn verkĂŒndet wird, dass „WĂ€hlen Schadensreduzierung ist“, ist es nie klar, wie weniger Schaden tatsĂ€chlich berechnet wird. Vergleichen wir, wie viele Millionen undokumentierte Indigene abgeschoben wurden? ZĂ€hlen wir zusammen, welche politische Partei mehr Drohnenangriffe durchgefĂŒhrt hat? Oder wer das höchste MilitĂ€rbudget hatte? BerĂŒcksichtigen wir Pipelines, Minen, DĂ€mme, SchĂ€ndung heiliger StĂ€tten? Bilanzieren wir die Inhaftierungsraten? Vergleichen wir die Statistiken ĂŒber sexuelle Gewalt? Liegt es in den massiven Budgets der Politiker_innen, die hunderte von Millionen Dollar ausgeben, um um Stimmen zu werben?

Obwohl es einige politische Unterschiede zwischen den beiden prominenten Parteien in den sogenannten USA gibt, schwören sie alle der gleichen Flagge die Treue. Ob rot oder blau, es sind immer noch Streifen auf einem Tuch, das ĂŒber gestohlenem Land weht, das aus einem Land besteht, das durch gestohlene Leben aufgebaut wurde.

Wir leugnen nicht die RealitĂ€t, dass im Ausmaß der kolonialen Gewalt der US-Siedler_innen selbst der kleinste Schaden Leben oder Tod fĂŒr die SchwĂ€chsten bedeuten kann. Was wir hier behaupten, ist, dass die gesamte Vorstellung von „WĂ€hlen als Schadensbegrenzung“ die siedler-koloniale Gewalt verschleiert und verewigt, es gibt nichts „weniger SchĂ€dliches“ an ihr und es gibt effektivere Wege, um in ihre Gewalt einzugreifen.

Irgendwann hat die Linke in den sogenannten USA erkannt, dass es eine aussichtslose Strategie ist, Menschen davon zu ĂŒberzeugen, sich hinter einem „kleineren Übel“ zu versammeln. Der Begriff „Schadensbegrenzung“ wurde angeeignet, um die BemĂŒhungen zu reframen, ihre Beteiligung zu rechtfertigen und andere zu zwingen, sich am Theater dessen zu beteiligen, was in den USA „Demokratie“ genannt wird.

Schadensreduzierung wurde in den 1980er Jahren als eine Strategie des öffentlichen Gesundheitswesens fĂŒr Menschen etabliert, die sich mit Problemen des Substanzkonsums auseinandersetzen und mit der Abstinenz kĂ€mpfen. Laut der Harm Reduction Coalition (HRC) legen die Prinzipien der Schadensreduzierung fest, dass das identifizierte Verhalten „Teil des Lebens“ ist, so dass sie „sich dafĂŒr entscheiden, schĂ€dliche Auswirkungen nicht zu ignorieren oder zu verurteilen, sondern zu minimieren“ und darauf hinarbeiten, soziale Stigmata in Richtung „sichereren Gebrauch“ zu brechen. Die HRC stellt auch fest, dass „es keine universelle Definition oder Formel fĂŒr die Umsetzung von Schadensminderung gibt.“ Insgesamt konzentriert sich die Schadensminimierung auf die Reduzierung der schĂ€dlichen Auswirkungen, die mit schĂ€dlichen Verhaltensweisen verbunden sind.

Die Behauptung der „Schadensreduzierung“ im Zusammenhang mit Abstimmungen bedeutet etwas ganz anderes als die, die sich organisieren, um Probleme des Substanzkonsums anzugehen. Die Behauptung lautet: „Da dieses politische System nicht verschwindet, werden wir Politiker_innen und Gesetze unterstĂŒtzen, die weniger Schaden anrichten können.“

Die Vorstellung, dass eine Wahl den Schaden in einem System, das in kolonialer Herrschaft und Ausbeutung, weißer Vorherrschaft, Hetero-Patriarchat und Kapitalismus wurzelt, verringern kann, ist eine außerordentliche Übertreibung. Es gibt keine Person, deren Leben nicht jeden Tag von diesen UnterdrĂŒckungssystemen beeinflusst wird, aber anstelle von kodiertem Reformismus und zwanghaften „get out the vote“-Kampagnen fĂŒr eine „sicherere“ Form des Siedlerkolonialismus, fragen wir: „Was ist der wirkliche und tragische Schaden und die Gefahr, die mit der Aufrechterhaltung der kolonialen Macht verbunden ist und was kann getan werden, um sie zu beenden?“

WĂ€hlen, wie es in der US-„Demokratie“ praktiziert wird, ist der Prozess, mit dem Menschen (mit Ausnahme von Jugendlichen unter 18 Jahren, verurteilten StraftĂ€ter_innen, solchen, die der Staat fĂŒr „geistig unzurechnungsfĂ€hig“ hĂ€lt, und Menschen ohne Papiere, einschließlich Menschen mit dauerhaftem Aufenthalt) gezwungen werden, eng vorgeschriebene Regeln und Machthabende zu wĂ€hlen. Das anarchistische Kollektiv Crimethinc stellt fest: „WĂ€hlen konsolidiert die Macht einer ganzen Gesellschaft in den HĂ€nden von wenigen Politiker_innen.“ Wenn dieser Prozess unter kolonialer AutoritĂ€t durchgefĂŒhrt wird, gibt es keine andere Option als den politischen Tod fĂŒr indigene Völker. Mit anderen Worten: WĂ€hlen kann unter kolonialer Herrschaft niemals eine Überlebensstrategie sein. Es ist eine Strategie der Niederlage und des Opferseins, die das Leiden und den historischen Schaden, der durch den anhaltenden Siedlerkolonialismus verursacht wird, verlĂ€ngert. Und obwohl das GefĂŒhl der Schadensbegrenzung aufrichtig sein mag, können selbst hart erkĂ€mpfte marginale Reformen, die durch die UnterstĂŒtzung der Bevölkerung erreicht wurden, genauso leicht durch den Federstrich eines Politikers_einer Politikerin wieder rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden. Wenn WĂ€hlen die demokratische Beteiligung an unserer eigenen UnterdrĂŒckung ist, ist WĂ€hlen als Schadensbegrenzung eine Politik, die uns von der Gnade unserer UnterdrĂŒckenden abhĂ€ngig macht.

WĂ€hrend so viele Linke – einschließlich einiger indigener Radikaler – sich um die Konsolidierung der Macht in faschistischen HĂ€nden sorgen, verkennen sie, wie koloniale Macht bereits konsolidiert ist. Es gibt nichts Intersektionales daran, sich an einem genozidalen politischen System zu beteiligen und es aufrechtzuerhalten. Es gibt keine sinnvolle SolidaritĂ€t in einer Politik, die uns dazu drĂ€ngt, unsere UnterdrĂŒcker_innen dort zu treffen, wo sie sich befinden. WĂ€hlen als Schadensbegrenzung erzwingt eine falsche SolidaritĂ€t mit denjenigen, die am verletzlichsten gegenĂŒber schĂ€dlichen politischen Maßnahmen und Aktionen sind. In der Praxis spielt es sich als paternalistische IdentitĂ€tspolitik ab, wenn Liberale daran arbeiten, die am wenigsten gefĂ€hrlichen Kandidat__innen zu identifizieren und sich zur UnterstĂŒtzung ihrer Kampagnen zu versammeln. Die Logik des WĂ€hlens als Schadensbegrenzung behauptet, dass derjenige, der am meisten Schaden erleidet, den meisten Schutz durch den am wenigsten gefĂ€hrlichen Nenner in einem gewalttĂ€tigen autoritĂ€ren System erhĂ€lt. Diese siedler-koloniale NaivitĂ€t bringt mehr Menschen, nicht-menschliche Wesen und Land in Gefahr als sonst. Typischerweise sind es dieselben liberalen Aktivist_innen, die behaupten, WĂ€hlen sei Schadensbegrenzung, die militante direkte Aktionen und Sabotage als Handlungen anprangern und zu unterdrĂŒcken versuchen, die „nur unserer Bewegung schaden“. „WĂ€hlen als Schadensbegrenzung“ ist die beschwichtigende Sprache derer, die Bewegungen kontrollieren.
WĂ€hlen als Schadensbegrenzung ist die von der Regierung ausgegebene Decke der demokratischen Partei, in der wir entweder schlafen oder sterben werden.

Sich aus einer Position heraus zu organisieren, in der das WĂ€hlen ein Akt der Schadensbegrenzung ist, verwischt die Linien des Schadens, den der Siedler- und Ressourcenkolonialismus auferlegt.
Unter kolonialer Besatzung funktioniert alle Macht durch Gewalt. Es gibt absolut nichts „weniger SchĂ€dliches“ daran, sich an der politischen Macht der Besatzer_innen zu beteiligen und diese aufrechtzuerhalten. WĂ€hlen wird den Siedlerkolonialismus, die weiße Vorherrschaft, das Hetero-Patriarchat oder den Kapitalismus nicht ungeschehen machen. WĂ€hlen ist keine Strategie zur Dekolonisierung. Der gesamte Prozess, der zum „Stimmrecht der Native People“ fĂŒhrte, war eine Auferlegung der politischen IdentitĂ€t der USA auf indigene Völker, die durch weiße Vorherrschaft angeheizt und durch den Kapitalismus ermöglicht wurde.

Das „Stimmrecht der Native People“: Eine Strategie der kolonialen Herrschaft

Vor der kolonialen Invasion durch die Siedler_innen unterhielten die indigenen Völker vielfĂ€ltige und komplexe kulturelle Organisationen, die fĂŒr die europĂ€ischen Eindringlinge kaum zu erkennen waren. Von Anfang an erkannten die USA an, dass indigene Völker eigenstĂ€ndige souverĂ€ne Nationen darstellten. Die Projektion des Nations-Status erfolgte zu den Bedingungen der Kolonisator_innen, die politische Einheiten brauchten, mit denen sie VertrĂ€ge schließen konnten (vor allem fĂŒr Krieg und wirtschaftliche Zwecke). Infolgedessen sahen sich die sozialen Organisationen der indigenen Völker extremer politischer Manipulation ausgesetzt, da die Rollen des Matriarchats und der Two-Spirits entweder komplett missachtet oder regelrecht angegriffen wurden. Der Imperativ des US-amerikanischen Siedlerkolonialprojekts war schon immer, die indigene SouverĂ€nitĂ€t zu untergraben und zu zerstören. Dies ist die heimtĂŒckische Unnatur des Kolonialismus.

Im Jahr 1493 wurde die PĂ€pstliche Bulle „Inter Caetera“ von Papst Alexander VI. erlassen. Das Dokument etablierte die „Doktrin der Entdeckung“ und war zentral fĂŒr Spaniens Christianisierungsstrategie, um das „exklusive Recht“ auf die versklavten indigenen Völker und das Land, das Kolumbus im Jahr zuvor erobert hatte, zu sichern. Dieses Dekret machte auch die Drohung des Papstes deutlich, die indigenen Völker gewaltsam dem Katholizismus zu assimilieren, um das „christliche Reich“ zu stĂ€rken. Diese Doktrin fĂŒhrte zu aufeinanderfolgenden Generationen von genozidalen und ökozidalen Kriegen, die von europĂ€ischen Siedler_innen gegen das Leben, das Land, den Geist und die Lebenswelt der indigenen Völker gefĂŒhrt wurden. Im Jahr 1823 wurde die „Doctrine of Discovery“ im Supreme Court Fall Johnson v. McIntosh in das US-Gesetz geschrieben, um den indigenen Völkern ihre Landrechte zu verweigern. In einer einstimmigen Entscheidung schrieb der Oberste Richter John Marshall, dass christliche europĂ€ische Nationen wĂ€hrend des „Zeitalters der Entdeckung“ die vollstĂ€ndige Kontrolle ĂŒber das Land „Amerika“ ĂŒbernommen hatten. Und bei der ErklĂ€rung der „UnabhĂ€ngigkeit“ von der Krone Englands im Jahr 1776 stellte er fest, dass die USA faktisch und somit per Gesetz die AutoritĂ€t ĂŒber diese LĂ€nder von Großbritannien geerbt hatten, „ungeachtet der Besetzung durch die Native People, die Heid_innen waren
“ Laut dem Urteil hatten die indigenen Völker keine Rechte als unabhĂ€ngige Nationen, sondern nur als PĂ€chter_innen oder Bewohner_innen der USA auf ihrem eigenen Land. Bis heute ist die „Doctrine of Discovery“ nicht verworfen und Johnson v. McIntosh nicht aufgehoben worden.

Die Genealogie des Stimmrechts der Native People ist verbunden mit Internaten, christlicher Indoktrination, Zuteilungsprogrammen und globalen Kriegen, die den US-Imperialismus begrĂŒndeten. Die US-Assimilationspolitik war nicht als wohlwollende Form der Schadensbegrenzung gedacht, sie war eine Erweiterung einer militĂ€rischen Strategie, die ihre genozidalen Programme nicht erfĂŒllen konnte. Die StaatsbĂŒrgerschaft wurde den indigenen Völkern als Teil der kolonialen Strategie aufgezwungen um „den Indigenen zu töten und den Mensch zu retten“.

Es gab eine Zeit, in der indigene Völker nichts mit der US-StaatsbĂŒrgerschaft und dem Wahlrecht zu tun haben wollten.

Katherine Osborn, Ethnohistorikerin an der Arizona State University, erklĂ€rt: „[Indigene] Verfassungen stehen in einer Regierung-zu-Regierung-Beziehung mit den Vereinigten Staaten. Daher ist ihr politischer Status einzigartig, und das bedeutet, dass sie nicht nur eine weitere Minderheitengruppe sind, die auf eine Aufnahme in die politische Ordnung der USA hofft. FĂŒr indigene Gemeinschaften ist der Schutz ihrer SouverĂ€nitĂ€t als Stammesnation das wichtigste politische Anliegen.“

Als die US-Verfassung ursprĂŒnglich geschaffen wurde, konnte jeder Staat nach eigenem Ermessen bestimmen, wer StaatsbĂŒrger_in werden konnte. Einige Staaten gewĂ€hrten nur selten die StaatsbĂŒrgerschaft und verliehen damit den Status an ausgewĂ€hlte indigene Völker, aber nur, wenn sie ihre Stammesbeziehungen auflösten und „zivilisiert“ wurden. Dies bedeutete in der Regel, dass sie ihre Stammeszugehörigkeit aufgaben, Steuern zahlten und sich vollstĂ€ndig in die weiße Gesellschaft assimilierten. Alexandra Witkin schreibt in To Silence a Drum: The Imposition of United States Citizenship on Native Peoples: „Die frĂŒhe StaatsbĂŒrgerschaftspolitik beruhte auf der Annahme, dass die Zugehörigkeit nur zu einer Nation gegeben werden konnte; daher konnten Völker mit einer Zugehörigkeit zu einer indigenen Nation nicht BĂŒrger_innen der Vereinigten Staaten werden.“ Die PrĂ€ferenz lag jedoch nicht darin, die SouverĂ€nitĂ€t der Native People zu respektieren und aufrechtzuerhalten, sondern sie als „unzivilisiert“ zu verurteilen und sie durch extreme Taktiken der Zwangsassimilation zu untergraben.

Als der 14. Zusatzartikel zur US-Verfassung 1868 ratifiziert wurde, gewĂ€hrte er die StaatsbĂŒrgerschaft nur MĂ€nnern, die in den USA geboren oder eingebĂŒrgert worden waren, dies schloss ehemalige Sklaven ein, wurde aber so interpretiert, dass es nicht fĂŒr indigene Völker galt, außer fĂŒr diejenigen, die sich assimilierten und Steuern zahlten. Der 15. Zusatzartikel wurde 1870 verabschiedet, um das Wahlrecht der US-BĂŒrger_innen ohne Diskriminierung aufgrund von „Race, Hautfarbe oder frĂŒherer Leibeigenschaft“ zu gewĂ€hrleisten, wurde aber immer noch so interpretiert, dass indigene Völker, die sich nicht assimiliert hatten, ausgeschlossen waren. In gewisser Weise war dies ein Akt der Entrechtung, aber noch deutlicher war es eine Bedingung, die den indigenen Völkern auferlegt wurde, die sich mit verbrannten Böden und der Drohung von Massen-TodesmĂ€rschen in Konzentrationslager konfrontiert sahen. Die Botschaft war klar: „Assimiliert euch oder geht unter“.

Im Jahr 1887 verabschiedete der US-Kongress den General Allotment Act, besser bekannt als Dawes Act, der dazu diente, die koloniale Invasion zu beschleunigen, den Abbau von Ressourcen zu erleichtern und die indigenen Völker weiter in die koloniale Gesellschaftsordnung einzugliedern. Der Dawes Act markierte einen Wechsel von einer militĂ€rischen zu einer wirtschaftlichen und politischen Strategie, bei der Reservate in einzelne Parzellen aufgeteilt wurden, wobei nur mĂ€nnliche „HaushaltsvorstĂ€nde“ 160 Morgen (eine alte FlĂ€cheneinheit, entspricht etwa 400.000 qm2) erhielten und das restliche Land zum Verkauf an weiße Invasor_innen angeboten wurde, die in Scharen herbeiströmten, um ihr „offenkundiges Schicksal“ zu erben. Indigene Völker, die die Zuteilungen akzeptierten, konnten die US-StaatsbĂŒrgerschaft erhalten, und obwohl dies das erste Kongressgesetz war, das diesen Status vorsah, ging dies auf Kosten der kulturellen und politischen IdentitĂ€t der indigenen Völker, insbesondere durch die weitere Zersplitterung der indigenen matriarchalen Gesellschaften. Unter dem Dawes Act wurde das indigene Land von 138 Millionen auf 52 Millionen Morgen reduziert. Im Jahr 1890 wurde die gesamte indigene Bevölkerung von mehreren Millionen zur Zeit der ersten europĂ€ischen Invasion auf etwa 250.000 reduziert. Im Gegensatz dazu war die Bevölkerung der Kolonisator_innen in den USA im selben Jahr auf 62.622.250 gestiegen.

Die rechtliche Zerstörung indigener souverĂ€ner Nationen wurde in Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs durch den Richter John Marshall vollzogen, der 1831 schrieb, dass die Cherokee Nation keine fremde Nation sei, sondern dass „sie, vielleicht richtiger, als inlĂ€ndische abhĂ€ngige Nationen bezeichnet werden können
 Ihre Beziehung zu den Vereinigten Staaten Ă€hnelt der eines MĂŒndels zu seinem Vormund.“

Die genozidalen MilitĂ€rkampagnen der USA, die unter dem Namen „Indianerkriege“ bekannt sind, endeten angeblich im Jahr 1924. Im selben Jahr verabschiedete der US-Kongress den Indian Citizenship Act (ICA), der den indigenen Völkern die StaatsbĂŒrgerschaft zusprach, es den Staaten aber immer noch erlaubte, zu bestimmen, ob sie wĂ€hlen dĂŒrfen. Das fĂŒhrte dazu, dass einige Staaten das Wahlrecht fĂŒr indigene Völker bis 1957 ausschlossen. Bis zur Verabschiedung des ICA, das ohne Anhörungen genehmigt wurde, wurden indigene Völker als „einheimische Untertan_innen“ der US-Regierung betrachtet.

Die Haudeneshonee Konföderation lehnte die Verleihung der US-StaatsbĂŒrgerschaft durch das IAC vollstĂ€ndig ab und bezeichnete es als einen Akt des Verrats.

Joseph Heath, General Counsel der Onondaga Nation, schreibt: „Die Onondaga Nation und die Haudenosaunee haben niemals die AutoritĂ€t der Vereinigten Staaten akzeptiert, BĂŒrger_innen der Six Nations zu StaatsbĂŒrger_innen der Vereinigten Staaten zu machen, wie im Citizenship Act von 1924 behauptet. Wir besitzen drei VertrĂ€ge mit den Vereinigten Staaten: den Vertrag von Fort Stanwix von 1784, den Vertrag von Fort Harmor von 1789 und den Vertrag von Canandaigua von 1794. Diese VertrĂ€ge erkennen die Haudenosaunee eindeutig als separate und souverĂ€ne Nationen an. Die Annahme der StaatsbĂŒrgerschaft der Vereinigten Staaten wĂ€re ein Verrat an ihren eigenen Nationen, eine Verletzung der VertrĂ€ge und eine Verletzung des internationalen Rechts
“

Sie lehnten die ICA ab und „widersetzten sich ihrer Umsetzung sofort nach ihrer Verabschiedung, weil sie das historische und kulturelle VerstĂ€ndnis hatten, dass es lediglich die neueste Bundespolitik war, die darauf abzielte, ihr Land zu nehmen und die Assimilation zu erzwingen.“

Heath fĂŒgt hinzu: „Seit ĂŒber vier Jahrhunderten haben die Haudenosaunee ihre SouverĂ€nitĂ€t gegen den Ansturm des Kolonialismus und der Assimilierung aufrechterhalten und sie haben ihre Pflichten als Verwaltende der natĂŒrlichen Welt fortgesetzt. Sie haben sich gegen Umsiedlung und Zuteilung gewehrt; sie haben ihre Sprache und Kultur bewahrt; sie haben das Diktat der christlichen Kirchen nicht akzeptiert; und sie haben die ZwangseinbĂŒrgerung abgelehnt.“

Es ist wichtig anzumerken, und paradox, dass die kolonisierenden Architekten der US-Verfassung stark von der Haudeneshonee-Konföderation beeinflusst wurden.

Zane Jane Gordon von der Wyandotte Nation kritisierte die ICA zu der Zeit, als es verabschiedet wurde: „Keine organisierte Regierung 
 kann irgendjemanden in ihre StaatsbĂŒrgerschaft aufnehmen ohne die formale Zustimmung 
 Die indigene Bevölkerung ist in der Form von ‚Nationen‘ organisiert, und sie haben VertrĂ€ge mit [anderen] Nationen als solche. Der Kongress kann sie nicht durch einen einfachen Akt in die StaatsbĂŒrgerschaft der Union einbeziehen.“

In Challenging American Boundaries: Indigenous People and the „Gift“ of U.S. Citizenship schreibt Kevin Bruyneel, dass der Tuscarora-HĂ€uptling Clinton Rickard, der sich vehement gegen die Verabschiedung des ICA aussprach, „auch durch die Tatsache ermutigt wurde, dass ‚es unter meinem Volk keinen großen Ansturm gab, hinauszugehen und bei den Abstimmungen des weißen Mannes zu wĂ€hlen.’“ Rickard erklĂ€rte: „Durch unsere alten VertrĂ€ge erwarteten wir den Schutz der Regierung. Der weiße Mann hatte den grĂ¶ĂŸten Teil unseres Landes erhalten und wir fĂŒhlten, dass er verpflichtet war, etwas im Gegenzug zu bieten, nĂ€mlich den Schutz des Landes, das wir noch hatten, aber wir wollten nicht in seine Gesellschaft aufgenommen und assimiliert werden. Die StaatsbĂŒrgerschaft der Vereinigten Staaten war nur ein weiterer Weg, uns zu absorbieren und unsere BrĂ€uche und unsere Regierung zu zerstören. . . . Wir befĂŒrchteten, dass die StaatsbĂŒrgerschaft auch unseren Vertragsstatus in Gefahr bringen und Steuern auf unser Land bringen wĂŒrde. Wie kann ein_e BĂŒrger_in einen Vertrag mit der eigenen Regierung haben. . . . Dies war eine Verletzung unserer SouverĂ€nitĂ€t. Unsere BĂŒrgerschaft lag bei unseren eigenen Nationen.“

Die Haudeneshonee sprachen sich auch gegen die Auferlegung der US-StaatsbĂŒrgerschaft aus, da ihre Nation durch die kanadische Grenze getrennt wurde. Diesen Auswirkungen sind indigene Völker, deren Land durch die kanadische und mexikanische Grenze geteilt wird, immer noch ausgesetzt. Die Auferlegung der StaatsbĂŒrgerschaft hat ihr Volk entlang der kolonialen Linien politisch getrennt.

Eine der deutlichsten Illustrationen der Assimilationsstrategien in Bezug auf StaatsbĂŒrgerschaft und Wahlrecht stammt von Henry S. Pancoast, einem der GrĂŒnder_innen der christlichen rassistischen Gruppe, der Indian Rights Association (IRA). Pancoast erklĂ€rte: „Nichts [außer der StaatsbĂŒrgerschaft der Vereinigten Staaten] wird so sehr dazu tendieren, den Indianer zu assimilieren und seine enge Stammeszugehörigkeit aufzubrechen, wie ihm das GefĂŒhl zu geben, dass er ein eigenes Recht und eine Stimme in der Nation des weißen Mannes hat.“

Das anfĂ€nglich erklĂ€rte Ziel der IRA war es, „die vollstĂ€ndige Zivilisierung der indigenen Bevölkerung und ihre Aufnahme zur StaatsbĂŒrgerschaft herbeizufĂŒhren.“ Die IRA betrachtete sich selbst als Reformist_innen und setzte sich im Kongress erfolgreich dafĂŒr ein, das Internatssystem zu etablieren, den Dawes Act zu verabschieden, das Bureau of Indian Affairs zu reformieren und den Indian Reorganization Act von 1834 zu verabschieden.

Die US-StaatsbĂŒrgerschaft wurde eingefĂŒhrt, um die SouverĂ€nitĂ€t der indigenen Bevölkerungen zu zerstören und massenhaften Landraub zu ermöglichen. Bis heute ist die „Native vote“ an assimilatorische Bedingungen gebunden, die kolonialen Interessen dienen.

Assimilation: Die Strategie der Übertragung des Stimmrechts

Historische Akte der WĂ€hlerunterdrĂŒckung scheinen der Strategie der Assimilation zu widersprechen, denn wenn weiße Siedlerpolitiker_innen so sehr wĂŒnschten, dass indigene Völker BĂŒrger_innen werden, warum sollten sie sie dann gleichzeitig aktiv entrechten? Dies ist der zugrundeliegende Widerspruch des Kolonialismus in den USA, der als „Indianerproblem“ artikuliert wurde, oder noch unverblĂŒmter, die Frage der Vernichtung oder Assimilation.

Wie bereits erwÀhnt, war es bis 1957 nicht möglich, dass indigene Völker in jedem US-Bundesstaat wÀhlen konnten.

Laut Katherine Osborn: „Einige Staaten entlehnten die Sprache der US-Verfassung in Artikel 1, Abschnitt 2, der ‚Indigene, die nicht besteuert werden‘ von der StaatsbĂŒrgerschaft ausschließt und nutzten sie, um das Wahlrecht zu verweigern. Die Gesetzgebenden in Idaho, Maine, Mississippi, New Mexico und Washington verweigerten ihren indigenen BĂŒrger_innen das Wahlrecht, weil diejenigen, die auf Reservationsland lebten, keine Grundsteuern zahlten. In New Mexico, Utah und Arizona argumentierten die Staatsbeamt_innen, dass das Leben in einem Reservat bedeute, dass Indigene nicht wirklich Einwohner_innen des Staates seien, was ihre politische Beteiligung verhindere.“

Osborn fĂŒgt hinzu: „Artikel 7, Abschnitt 2 der Verfassung von Arizona besagt: ‚Keine Person, die unter Vormundschaft steht, nicht im Vollbesitz ihrer geistigen KrĂ€fte ist oder geisteskrank ist, ist berechtigt, an einer Wahl teilzunehmen.‘ Die Gesetzgebenden von Arizona verstanden dies so, dass es den Indigenen das Wahlrecht untersagte, weil sie in ihren Reservaten angeblich unter Bundesvormundschaft standen.“

Die frĂŒhe US-StaatsbĂŒrgerschaftspolitik in Bezug auf indigene Völker war klar; das Wahlrecht wĂŒrde solange bestehen bleiben, bis wir uns assimilieren und unseren Stammesstatus aufgeben. Die Entrechtung war und ist eine Strategie, die Bedingungen fĂŒr die Assimilation schafft. Die UnterdrĂŒckung der politischen Partizipation ist historisch gesehen die Art und Weise, wie sich das System selbst reguliert und aufrechterhĂ€lt. Weiße Vorherrschende, die die Politik von Gebieten kontrollierten, in denen große indigene Bevölkerungen lebten, fĂŒrchteten, dass sie zu Minderheitensubjekten in ihrem eigenen demokratischen System werden wĂŒrden. Sie unterliefen das Wahlrecht oft auf gewaltsame Weise, aber das war nie wirklich eine Bedrohung, weil die weiße Vorherrschaft in der Gesamtheit des kolonialen Projekts der US-Siedler_innen eingebettet war.

Es geht nicht darum, dass die Siedlergesellschaft vor den Interessen der Indigenen kapituliert hat, sondern darum, dass die indigenen Völker – ob mit Gewalt oder durch ZermĂŒrbung – in das US-amerikanische Gemeinwesen eingegliedert worden sind.

Vielleicht wird dies nirgendwo deutlicher als durch die Einrichtung von StammesrĂ€ten. Zum Beispiel wurde 1923 der Navajo-Stammesrat gegrĂŒndet, um den Abbau von Ressourcen durch die US-Regierung zu legitimieren. Laut einem Bericht der U.S. Commission on Civil Rights wurde der Stammesrat zum Teil geschaffen, damit die Ölfirmen einige legitime Vertreter_innen der Navajos haben, durch die sie Reservationsland pachten können, auf dem Öl entdeckt wurde. Auf der Website der Navajo Nation Oil and Gas Company heißt es: „Im Jahr 1923 wurde eine Navajo-Stammesregierung hauptsĂ€chlich fĂŒr das Bureau of Indian Affairs gegrĂŒndet, um PachtvertrĂ€ge mit amerikanischen Ölgesellschaften zu genehmigen, die begierig darauf waren, ÖlgeschĂ€fte auf Navajo-Land zu beginnen.“

Um die koloniale Herrschaft und Ausbeutung zu erfĂŒllen und aufrecht zu erhalten, formen und kontrollieren die Kolonisator_innen die politische IdentitĂ€t der indigenen Völker. Die Kapitalist_innen erleichterten und beuteten die Auflösung der indigenen Autonomie aus. Der Preis der StaatsbĂŒrgerschaft war schon immer unsere SouverĂ€nitĂ€t, die Bedingungen der StaatsbĂŒrgerschaft standen schon immer im Dienst der weißen Vorherrschaft.

Dass indigene Völker 1924 das Wahlrecht erhielten, unsere religiösen Praktiken jedoch bis 1979 verboten waren, ist eines von vielen Beispielen fĂŒr die Inkongruenz der indigenen politischen IdentitĂ€t in den sogenannten USA.

Die Wahlrechtsbewegungen in den USA haben fĂŒr eine gleichberechtigte Teilhabe am politischen System gekĂ€mpft, haben es aber versĂ€umt, die Systeme der UnterdrĂŒckung, die der siedlungskolonialen Gesellschaft zugrunde liegen, anzuklagen und abzuschaffen. Nach Jahrzehnten der Organisierung feierten weiße Frauen 1920 das Wahlrecht, das zum Teil als Belohnung fĂŒr ihren Dienst im 1. Weltkrieg gewĂ€hrt wurde. Das Hetero-Patriarchat wurde nicht abgebaut und Schwarze wurden in ihrer Kampagnenarbeit gezielt ĂŒbergangen.

Lucy Parsons, eine afro-indigene Anarchistin, war eine von vielen, die das Wahlrecht zu dieser Zeit kritisierten. Parsons schrieb 1905: „Kann eins es Anarchist_innen verĂŒbeln, die erklĂ€ren, dass von Menschen gemachte Gesetze nicht heilig sind?
Tatsache ist, dass Geld und nicht Stimmen das Volk regieren. Und die Kapitalist_innen kĂŒmmern sich nicht mehr darum, die WĂ€hler_innen zu kaufen, sie kaufen einfach die ‚Diener_innen‘, nachdem sie gewĂ€hlt worden sind, um zu ‚dienen‘. Die Idee, dass die Stimme des armen Menschen irgendetwas bedeutet, ist die wahrste TĂ€uschung. Der Stimmzettel ist nur der Papierschleier, der die Tricks verbirgt.“

Schwarze litten jahrzehntelang unter den weißen, rassistischen „Jim-Crow-Gesetzen“, die die Rassentrennung durchsetzten und ihre politische Macht unterdrĂŒcken sollten. Diese rassistischen Gesetze endeten erst mit den kraftvollen Mobilisierungen der BĂŒrgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren. Die US-Regierung erließ in den 50er und 60er Jahren Gesetze, darunter das Wahlrechtsgesetz von 1965, das von revolutionĂ€ren Schwarzen Nationalist_innen wie Malcom X kritisiert wurde: „Der Stimmzettel oder die Kugel. Wenn du Angst hast, einen Ausdruck wie diesen zu benutzen, solltest du das Land verlassen; du solltest zurĂŒck in das Baumwollbeet gehen; du solltest zurĂŒck in die Gasse gehen. Sie bekommen alle Stimmen der Schwarzen, und nachdem sie sie bekommen haben, bekommen die Schwarzen nichts zurĂŒck.“

Radikale Bewegungen waren entweder mit extremer staatlicher Gewalt und Repression konfrontiert oder wurden systematisch in das politische Milieu der USA assimiliert. Der gemeinnĂŒtzige Industriekomplex hat als unausgesprochener VerbĂŒndeter des US-Imperialismus bei den BemĂŒhungen um UnterdrĂŒckung und Pazifizierung agiert. Vielleicht ist dies die Methode der politischen Maschinerie der USA, um den Schaden oder die Auswirkungen von effektiven Bewegungen fĂŒr soziale und ökologische Gerechtigkeit zu reduzieren. Wenn sie die Organisator_innen nicht töten oder inhaftieren können, dann falten sie sie in die BĂŒrokratie ein oder verwandeln ihre KĂ€mpfe in Unternehmen. Am Ende des Tages können nicht alle weiße Supremacist_innen zu sein, aber alle können Kapitalist_innen sein.

Solange das politische und ökonomische System intakt bleibt, ist das Wahlrecht, auch wenn es vielleicht von offenkundigen weißen Rassist_innen abgelehnt wird, immer noch willkommen, solange sich nichts am gesamten politischen Arrangement grundlegend Ă€ndert. Die Fassade der politischen Gleichheit kann unter gewaltsamer Besatzung entstehen, aber die Befreiung findet nicht an der Wahlurne der Besatzer_innen statt. Im Kontext des Siedlerkolonialismus ist WĂ€hlen die „BĂŒrgerpflicht“ zur Aufrechterhaltung unserer eigenen UnterdrĂŒckung. Es ist untrennbar mit der Strategie verbunden, unsere kulturellen IdentitĂ€ten und Autonomie auszulöschen.

Die fortwĂ€hrende Existenz indigener Völker ist die grĂ¶ĂŸte Bedrohung fĂŒr das koloniale Projekt der US-Siedler_innen, dass wir uns eines Tages erheben und unsere souverĂ€ne Position mit unserem Land in Widerlegung der Doktrin der Entdeckung behaupten.

In Custer Died for your Sins idealisierte Vine Deloria Jr. „indigene Völker nicht als passive EmpfĂ€nger_innen von BĂŒrgerrechten und Eingliederung in den Nationalstaat, sondern als kolonisierte Völker, die aktiv die Dekolonisierung fordern.“

Du kannst den Stimmzettel nicht dekolonisieren

Da die Idee der US-„Demokratie“ das Mehrheitsprinzip ist, werden indigene WĂ€hler_innen immer der Gnade „gutwilliger“ politischer VerbĂŒndeter ausgeliefert sein, es sei denn, es gibt einen extremen Bevölkerungsanstieg. Die Konsolidierung der indigenen WĂ€hlerschaft zu einem Wahlblock, der sich mit derjenigen Siedlerpartei, denjenigen Politiker_innen oder demjenigen Gesetz verbĂŒndet, das weniger Schaden anzurichten scheint, ist keine Strategie, um politische Macht auszuĂŒben, es ist das Stockholm-Syndrom.

Die Native Vote zielt auch darauf ab, Native Politiker_innen hervorzubringen. Und wie könnte eins die Herrschaft besser assimilieren als mit einem vertrauten Gesicht? Die Strategie, indigene Völker in eine koloniale Machtstruktur zu wĂ€hlen, ist kein Akt der Dekolonisierung, sondern eine ErfĂŒllung derselben. Wir haben eine Geschichte, in der unser Volk von kolonialen MĂ€chten gegen uns verwendet wurde, insbesondere mit assimilierten indigenen Völkern, die als „Indianer-Scouts“ agierten, um das MilitĂ€r des Feindes zu unterstĂŒtzen. In nur einem aufgezeichneten Fall meuterten Ndee (Cibicue Apache) Army Scouts gegen die USA, als sie gebeten wurden, gegen ihr eigenes Volk zu kĂ€mpfen. Drei der Ndee Scouts wurden infolgedessen hingerichtet.

Egal, was dir von allen Politiker_innen, die ein Amt anstreben, vorgegaukelt wird, am Ende des Tages haben sie einen Eid auf das System geschworen, das entworfen wurde, um uns und unsere Lebensweise zu zerstören. Der Eid fĂŒr Mitglieder des Kongresses besagt: „Ich schwöre feierlich, dass ich die Verfassung der Vereinigten Staaten gegen alle Feind_innen im In- und Ausland unterstĂŒtzen und verteidigen werde; dass ich ihr treu und loyal ergeben sein werde; dass ich diese Verpflichtung aus freien StĂŒcken, ohne geistige Vorbehalte oder die Absicht, sich ihr zu entziehen, ĂŒbernehme; und dass ich die Pflichten des Amtes, das ich antrete, gut und treu erfĂŒllen werde: So wahr mir Gott helfe.“

Selbst wenn wir davon ausgehen, dass ihre kulturellen Werte und Absichten mit denen des Volkes ĂŒbereinstimmen, ist es selten, dass Politiker_innen nicht an eine Kette von Geldgebenden gebunden sind. Sobald sie gewĂ€hlt werden, sind sie auch mit unerbittlichen Special-Interest-Lobbygruppen konfrontiert, die Millionen und Abermillionen von Dollars hinter sich haben und, selbst wenn sie die besten Absichten bekundet haben, unweigerlich von ihren politischen Mitstreitenden ĂŒberstimmt werden.

Heute haben wir Kandidat_innen, die mit dem Versprechen gewĂ€hlt wurden, die massenhafte EntfĂŒhrung und Ermordung von indigenen Frauen, MĂ€dchen und Two-Spirit-Leuten zu stoppen und was schlagen sie vor? Sie klagen nicht die Ressourcenkolonisator_innen an, die unser Land zerstören und deren Industrie diese Krise des Menschenhandels und der extremen geschlechtsspezifischen Gewalt auslöst. Sie schlagen nicht vor, den Kapitalismus und den Ressourcenkolonialismus zu beenden. Sie schlagen Gesetze vor und mehr Cops mit mehr Macht, um diese Gesetze in unseren Gemeinschaften durchzusetzen. Obwohl wir also eine Epidemie von Polizeigewalt und Morden gegen unsere Völker haben, gehen indigene Politiker_innen eine gewalttĂ€tige Krise an, indem sie eine andere fĂŒr unser Volk noch schlimmer machen. Es ist die ErfĂŒllung des assimilatorischen kulturellen Genozids des „Tötens des Indigenen, um den Menschen zu retten“.

Stammes-, Lokal- und Regionalpolitik befinden sich in demselben kolonialen Arrangement, das der herrschenden Klasse zugute kommt: Politiker_innen kĂŒmmern sich um Regeln und Herrschaft, Polizei und MilitĂ€r setzen durch, Richter_innen sperren ein. UnabhĂ€ngig davon, wer und in welchem Ausmaß, kann kein_e Politiker_in jemals indigene Lebensweisen im Kontext eines politischen Systems vertreten, das vom Kolonialismus etabliert wurde.

Eine weniger schĂ€dliche Form der kolonialen Besetzung ist die Fantasie. Der Prozess der kolonialen RĂŒckgĂ€ngigmachung wird nicht durch Wahlen stattfinden. Eins kann den Stimmzettel nicht dekolonisieren.

Ablehnung der siedlerkolonialen AutoritÀt, auch bekannt als nicht wÀhlen.

An den Wahlen der Kolonisator_innen teilzunehmen, hÀlt indigene Völker machtlos.

Unsere Macht, im weitesten Sinne, kommt nicht von einer nicht-konsensualen Mehrheitsherrschaft, die von oben herab durch menschengemachte Gesetze bestimmt wird, sondern sie leitet sich aus der Beziehung zu und dem VerhÀltnis zu allen Lebewesen ab. Dies ist eine körperliche und spirituelle Macht, die seit Urzeiten in Kraft ist und was die indigenen Völker angesichts von mehr als 500 Jahren extremer kolonialer Gewalt am Leben erhalten hat.

Der verstorbene Ben Carnes, ein mĂ€chtiger FĂŒrsprecher der Choctaw, wird in einem Artikel ĂŒber das Native Vote von Mark Maxey mit den Worten zitiert: „Meine Position ist, dass ich kein BĂŒrger einer Regierung bin, die die LĂŒge aufrechterhĂ€lt, dass wir es sind. Sklaverei war genauso legal wie Jim Crow, aber nur weil es Gesetz ist, macht es das nicht richtig. Wir haben nicht darum gebeten, der Citizenship Act wurde uns auferlegt als ein weiterer Schritt in ihrer sozialen und mentalen Konditionierung der Native People, um sie ihrer IdentitĂ€t zu berauben. Es war auch eine gesetzgeberische Methode, um die „Indigene, die nicht besteuert werden“-Klausel der Verfassung zu umgehen und damit die Auferlegung von Steuern zu rechtfertigen. Das US-Wahlsystem ist eine sehr kranke Methode, bei der Kandidat_innen von denjenigen gekauft werden können, die am meisten fĂŒr sie bieten. Die MentalitĂ€t, fĂŒr das kleinere Übel zu stimmen, ist ein falscher Standard, um die Existenz eines Zweiparteiensystems zu rechtfertigen. Es fehlt die Kontrolle und das Gleichgewicht, um sicherzustellen, dass die Staatsdiener_innen sich an den Willen des Volkes halten. Das ganze System muss abgeschafft werden, genauso wie die Regierung selbst.“

WĂ€hlen wird niemals „Schadensbegrenzung“ sein, solange koloniale Besatzung & US-Imperialismus regiert. Um zu heilen, mĂŒssen wir den Schaden stoppen, nicht ihn vermindern. Das bedeutet nicht einfach Enthaltsamkeit oder das Problem zu ignorieren, bis es einfach weggeht, sondern Strategien und Manöver zu entwickeln und umzusetzen, die die Autonomie der indigenen Völker stĂ€rken.

Da wir nicht erwarten können, dass diejenigen, die ausgewĂ€hlt wurden, um in diesem System zu regieren, Entscheidungen treffen, die unseren LĂ€ndern und Völkern zugutekommen, mĂŒssen wir es selbst tun. Direkte Aktion, oder der unvermittelte Ausdruck von individuellen oder kollektiven WĂŒnschen, war schon immer das effektivste Mittel, mit dem wir die Bedingungen unserer Gemeinschaften verĂ€ndern.

Was haben wir davon, wenn wir wĂ€hlen gehen, was wir nicht direkt fĂŒr uns und unser Volk tun können? Auf welche Weise können wir uns organisieren und Entscheidungen treffen, die im Einklang mit unseren vielfĂ€ltigen Lebensweisen stehen? Wie kann die immense Menge an materiellen Ressourcen und Energie, die darauf verwendet wird, Menschen zum WĂ€hlen zu bewegen, in Dienstleistungen und UnterstĂŒtzung umgelenkt werden, die wir tatsĂ€chlich brauchen? Wie können wir unsere Energie, individuell und kollektiv, in BemĂŒhungen lenken, die unmittelbare Auswirkungen auf unser Leben und das Leben der Menschen um uns herum haben?

Dies ist nicht nur eine moralische, sondern auch eine praktische Position und so nehmen wir unsere WidersprĂŒche in Kauf. Wir kĂ€mpfen nicht fĂŒr ein perfektes Rezept fĂŒr „Dekolonisation“ oder eine Vielzahl von indigenen Nationalismen, sondern fĂŒr eine große RĂŒckgĂ€ngigmachung des kolonialen Siedlerprojekts, das die Vereinigten Staaten von Amerika umfasst, damit wir gesunde und gerechte Beziehungen zu Mutter Erde und all ihren Wesen wiederherstellen können. Unsere Tendenz geht zu autonomen antikolonialen KĂ€mpfen, die in die kritische Infrastruktur, auf der die USA und ihre Institutionen ruhen, eingreifen und sie angreifen. Interessanterweise sind dies die Bereiche unserer HeimatlĂ€nder, die am stĂ€rksten vom Ressourcenkolonialismus bedroht sind. Hier ist das System am anfĂ€lligsten fĂŒr Risse, das ist die Zerbrechlichkeit der kolonialen Macht. Unsere Feind_innen sind nur so mĂ€chtig wie die Infrastruktur, die sie aufrechterhĂ€lt. Das brutale Ergebnis der erzwungenen Assimilation ist, dass wir unsere Feind_innen besser kennen als sie sich selbst. Welche Strategien und Aktionen können wir uns ausdenken, um es diesem System unmöglich zu machen, auf gestohlenem Land zu regieren?

Wir plĂ€dieren nicht fĂŒr eine staatsbasierte Lösung, rotgewaschene europĂ€ische Politik oder irgendeine andere koloniale Fantasie von „Utopie“. In unserer Ablehnung der Abstraktion des Siedlerkolonialismus, zielen wir nicht darauf ab, koloniale Staatsmacht zu ergreifen, sondern sie abzuschaffen.

Wir suchen nichts anderes als die totale Befreiung.

anarchist*queer*vegan*

~ Burn this world to build a new. ~

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Elany
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Quelle: Schwarzerpfeil.de