August 21, 2020
Von Assoziation Autonomer Umtriebe
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Am 20.8.20 traten die Arbeiter_innen der GroßbĂ€ckerei Glockenbrot GmbH im Industriegebiet GADA Bergkirchen in einen eintĂ€gigen Streik. Im Rahmen der Tarifverhandlungen fĂŒr die Brotindustrie fordern die Kolleg_innen unter dem Mantel der Gewerkschaft NGG 6,2% mehr Lohn, mindestens aber linear 160 Euro mehr monatlich bzw. 80 Euro monatlich mehr fĂŒr AzubisÂč . Zudem fordern sie mehr Respekt und Anerkennung hinsichtlich ihrer wĂ€hrend der Corona-Pandemie zusĂ€tzlich auferzwungenen Sonderschichten.

Mitte MĂ€rz erließen die Bezirksregierungen, dass man zusĂ€tzliche Schichten und ArbeitszeitverlĂ€ngerungen, sowie KĂŒrzung von Pausen legalisieren kann. Das betraf alle so bezeichneten systemrelevanten Berufe, die anfangs noch beklatscht wurden. Vom Applaus hatten die Arbeiter_innen nichts, dafĂŒr mussten sie mehr schuften. Glockenbrot hatte Grund zu klatschen und machte in Form von Überstunden und besagten Sonderschichten von dem Erlass Gebrauch. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt a. M. betreibt bundesweit zwei GroßbĂ€ckereien in Frankfurt und Bergkirchen. Glockenbrot gehört seit 1986 zur Rewe Gruppe. Von Frankfurt und Bergkirchen aus werden tĂ€glich 1400 Rewe, 800 Penny und zahlreiche Nahkauf Filialen v.a. im sĂŒdlichen Bundesgebiet beliefertÂČ. Eigentlich eine gute Ausgangslage, um Druck aufzubauen. Außerdem beharrt die Unternehmensseite auf einer tariflichen Nullrunde, was die Kolleg_innen als klare Provokation empfinden.
Das Backgewerbe ist mittlerweile industrialisiert. Die kleinen Betriebe bilden vielleicht noch aus, einen Job bekommt man danach fast nur noch bei den industriellen GroßbĂ€ckereien, in denen die Produktion grĂ¶ĂŸtenteils maschinell lĂ€uft und man wenn nur Bleche mit Semmeln rein und raus schiebt. So genannte LieferbĂ€ckereien. Glockenbrot hat hier ein breites Sortiment an fertigen Brotwaren, Selbstbedienungswaren (SB-Bereich) und halb gebackenen Teigwaren, die vor Ort im Supermarkt aufgebacken werden (Bake-off-Stationen)Âł. Ein harter Job in stĂ€ndiger Hitze, eine stupide entfremdende TĂ€tigkeit mit beschissenen Arbeitszeiten oben drauf.

Es war der erste Streik in Bergkirchen. Dementsprechend vorsichtig ging die NGG den Kampf an. Von den dort 350 beschĂ€ftigten Arbeiter_innen beteiligten sich 70 aus zwei Schichten, was aus dem Stand heraus gar nicht schlecht ist. GegenĂŒber der Lokalpresse sah sich der zustĂ€ndige GewerkschaftsfunktionĂ€r zu der Aussage genötigt, man habe die Produktion nur heruntergefahren, denn „wir wollen nichts kaputt machen.“ Die NGG will das vielleicht nicht, den Arbeiter_innen wird es herzlich egal sein, ob genug Backwaren in die Rewe-Ableger gelangen. Im Gegenteil, indem man die Produktion so weit wie möglich herunter fĂ€hrt, bestenfalls zum Stillstand bringt, blockiert man den Ablauf des Unternehmens und so macht Glockenbrot weniger Umsatz und letztlich weniger Gewinn. Genau das ist der Sinn eines Streiks. Die Produktion von Mehrwert durch Arbeitsleistung wird unterbrochen, wird fĂŒr einen gewissen Zeitraum kaputt gemacht. Durch Streik bekommen die Kolleg_innen die eigene Kraft zu spĂŒren und die sollten sie Glockenbrot dann im weiteren Verlauf des Kampfes spĂŒren lassen. Corona hat uns unsere eigene Rolle im kapitalistischen Karussell wieder vor Augen gefĂŒhrt. Zeit zurĂŒck zu schlagen!

Âč https://bayern.ngg.net/artikel/2020/bayernweite/
ÂČ https://glocken-baeckerei.de/standorte.html
Âł https://www.boeckler.de/pdf/p_study_hbs_378.pdf




Quelle: Autistici.org