Oktober 7, 2021
Von End Of Road
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Viele Frauen fĂŒhlen sich durch sexualisierte SprĂŒche, so genannte Catcalls, belĂ€stigt. Vier Bremerinnen machen darauf jetzt aufmerksam – mit einer besonderen Methode.

„Geiler Arsch, SĂŒĂŸe!“ – Viele Frauen haben solche verbalen BelĂ€stigungen auf offener Straße erlebt. Der Fachausdruck dafĂŒr lautet „Catcalling“. 2016 fing eine Studentin in New York an, als Protest, BelĂ€stigungen mit Kreide auf die Straße zu schreiben und auf Instagram zu posten. Inzwischen gibt es diese Aktionen ĂŒberall auf der Welt.

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Die vier jungen Frauen Merle, Lynn, Katze und Emma machen mit Kreide und Instagram auf das Catcalling aufmerksam. Bild: Radio Bremen

„Er guckte mir auf die BrĂŒste und rief, ey, geile T*tten“ oder „Willst du f*cken? Dein Gesicht sieht aus, als wĂŒrde ich darauf kommen“, lauten die SĂ€tze, an denen inzwischen auch in Bremen fĂŒr viele FußgĂ€nger kein Weg mehr vorbeifĂŒhrt. Denn die vier jungen Frauen Merle, Lynn, Katze und Emma halten solche Catcalls fest. Überall in der Stadt schreiben sie sie mit bunter Kreide auf Straßen und Steinplatten, fotografieren sie, posten sie bei Instagram. In diesem Artikel nennen wir die Vier nur beim Rufnamen – denn sie fĂŒrchten Anfeindungen.

Catcalling rechtlich schwer zu fassen

„Ich mache das, damit ich mich auch irgendwo wehren kann, weil es auch keine rechtliche Grundlage fĂŒr Catcalling gibt“, sagt Emma. Außerdem wolle sie andere Menschen unterstĂŒtzen, so die 20-JĂ€hrige.

Ich will ihnen sagen, wir stehen nicht alleine da, wir sind viele, denen das immer wieder passiert, auch wenn wir in den Situationen erstmal alleine sind.

Emma, 20 Jahre alt

Heute sind die vier im Bremer Viertel unterwegs: „Hey T*ttie, komm mal her!“, soll einer Frau hier am Ziegenmarkt hinterhergerufen worden sein. Die Frau hat das an den Instagram Account geschickt. Jetzt schreiben die vier den Satz mit blauer Kreide auf die Straße. Und sorgen fĂŒr Aufmerksamkeit bei FußgĂ€ngerinnen und Passanten.

„Es ist unsere BewĂ€ltigungsstrategie, um mit dieser Wut umzugehen“, sagt Merle. Nachdem sie diese SĂ€tze aufgeschrieben habe, fĂŒhle sie sich viel besser. „Weil ich mir denke, ich konnte jetzt was machen, ich konnte das in die Welt hinausschreien und mit anderen Menschen darĂŒber reden“, sagt die 23-JĂ€hrige.

Mehr als 1.600 Follower auf Instagram

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Frauen protestieren im Viertel gegen Catcalls, in dem sie die sexualisierten SprĂŒche von MĂ€nnern mit Kreise auf den Gehweg schreiben, fotografieren und bei Instagram posten. Bild: Radio Bremen

Auf dem Instagram-Kanal der vier sind die Erfahrungen vieler Frauen verewigt. „Erst fragte er mich nach dem Weg, dann verfolgte er mich“, steht dort zum Beispiel. „Ein Ă€lterer Mann kam mir entgegen und nannte mich dreckige Schlampe“, steht in Kreide geschrieben auf einem anderen Bild. In einem weiteren Post steht schlicht der Satz: „Ich möchte gerne deine F*tze sehen.“

Dem Instagram-Account der vier Frauen, @CatcallsofBrmn, folgen mehr als 1.600 Menschen. Das Vorbild, der New Yorker Account @CatcallsofNYC, hat inzwischen sogar 172.000 Abonnenten.

Die Betroffenen wollen „Ankreiden“

Die Erfahrungen, die so in den sozialen Medien veröffentlicht und verbreitet werden, sollen aufmerksam machen. „Ankreiden“ nennen Merle, Lynn, Katze und Emma das. „Ich bin durch dieses Thema stark sensibilisiert worden, so dass ich mich jetzt stĂ€rker damit beschĂ€ftige“, sagt die 29-jĂ€hrige Katze. „Es steigert die Wut.“

Gegen MĂ€nner generell richte sich die Aktion allerdings nicht, betonen die Frauen. „Wir schreiben ja niemals, alle MĂ€nner sind so, sondern wir schreiben immer: er“, sagt Merle. Es gehe schließlich nur um bestimmte Personen. „Wir sagen zu Menschen, die catcallen, auch nicht gleich, du bist scheiße, weil du das machst. Sondern wir sagen: Denke mal darĂŒber nach, was du da machst.“

Ob sie damit wirklich Menschen erreichen, die Frauen mit sexualisierten SprĂŒchen belĂ€stigen, wissen sie nicht. Aber sie erreichen Menschen, die auf diese Weise beleidigt werden. Und sie hoffen, fĂŒr das Thema zu sensibilisieren. Denn irgendwann sollen Frauen auf der Straße nicht mehr belĂ€stigt werden. Das ist ihr Wunsch.

So sind Frauen aus Bremen von sexueller BelÀstigung im Netz betroffen

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Quelle: Endofroad.blackblogs.org