Mai 11, 2021
Von ZĂŒndlumpen
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Der folgende Text wurde in MĂŒnchen als Flyer verteilt. Wir dokumentieren ihn hier aus aktuellem Anlass.

Wo immer in MĂŒnchen derzeit die uniformierten SchlĂ€gertrupps auftauchen, schlĂ€gt ihnen der geballte Hass der Menschen entgegen. Wenigstens beleidigt werden die Cops allerorts, der*die eine oder andere greift sie auch einmal kurzerhand an. Eine Bullenkontrolle an der Isar, am Balde- oder GĂ€rtnerplatz, im Englischen Garten, am Wedekindplatz oder anderswo, wo sich diejenigen versammeln, die wenigstens ein Minimum an Leben haben wollen und nicht bloß vor ihren Bildschirmen vegetieren – sie ist nicht lĂ€nger etwas, das den anderen passiert, nichts wo man lieber abgewandten Blickes vorbei geht, nichts, das man aus irgendeinem in der Schule vermittelten Reflexes fĂŒr „schon irgendwie angebracht“ zu halten geneigt ist. Nein, eine Bullenkontrolle ist fĂŒr all diejenigen, die weiter rausgehen, klarer als das erkenntlich, was sie schon immer war: Eine Demonstration der Macht des Staates gegenĂŒber seinen BĂŒrgern, eine Provokation, die einem förmlich ins Gesicht schreit: „STEHENBLEIBEN, POLIZEI“, „DIE AUSWEISE BITTE“ oder „SIE BEFINDEN SICH NUN IN POLIZEILICHEM GEWAHRSAM“, eine Provokation die ebenso EinschĂŒchtern soll, wie sie diejenigen, die sich nicht einschĂŒchtern lassen (wollen) mit aller Gewalt zu brechen versucht.

Wer angesichts dieses immer offener zutagetretenden Charakters der Polizei und des ganzen Hasses, den sie endlich auch in MĂŒnchen beinahe ĂŒberall dort auf sich zieht, wo sie auftaucht, ernsthaft verwundert darĂŒber ist, dass sich, wie vergangenes Wochenende im Englischen Garten, spontan auch einmal hunderte Personen gegen die Polizei verbĂŒnden und diese dann einen Vorgeschmack dessen erlebt, was ihr in Zukunft noch blĂŒhen wird, der muss irgendwo zwischen den eigenen vier WĂ€nden den letzten Rest von Verstand verloren haben. Jaja, die Presse. Von SĂŒddeutscher Zeitung bis hin zur BILD will uns das obrigkeitshörige Journalistentum aus dem Homeoffice die Welt erklĂ€ren, geht aber nicht einmal mehr in seiner Freizeit vor die eigene TĂŒre. Dass eine faktisch seit Monaten gleichgeschaltete Presse ohnehin bei den Bullen abschreibt ist dabei wenig verwunderlich. Vielmehr ĂŒberrascht es ein wenig, dass diese Gleichschaltung so total zu sein scheint, die GehirnwĂ€sche so tief sitzt, dass man sich selbst die banalsten Dinge nicht mehr erklĂ€ren kann.

Stattdessen muss der Presse ein von der Polizei gezielt aufgebautes und altbekanntes Konstrukt zur Delegitimierung der Angriffe auf die Bullenschweine herhalten. Anlass des Einsatzes sei nĂ€mlich eine SchlĂ€gerei gewesen, die laut Bullen und Presse entstanden sei, weil eine Person eine andere begrabscht hĂ€tte. Folglich, so behauptet die Bullenpresse und allen voran der politische Oberbulle Joachim Herrmann, hĂ€tten sich diejenigen, die die gegen diese SchlĂ€gerei einschreitenden Bullen angegriffen hĂ€tten, mit einem „möglichen SexualstraftĂ€ter“ solidarisiert. Nun spricht ja ohnehin nichts dagegen, auch eine Person, die andere begrabscht einerseits gegen die Bullen zu verteidigen und andererseits möglicherweise ebenfalls zusammenzuschlagen, was ja selbst der Beschreibung in der Bullenpresse nach ungefĂ€hr so passiert sein muss, allerdings ist es selbstverstĂ€ndlich eine allzu lĂ€cherlich Propaganda zu behaupten, ein Angriff auf die Bullen kĂ€me einer Solidarisierung mit irgendeiner Übergriffshandlung gleich. Denn auch wenn das Journalistenpack nicht differenzieren kann zwischen FlaschenwĂŒrfen auf Bullen und Leuten, die herumlaufen und andere Leute begrabschen, ist der Unterschied doch allzu offensichtlich, als dass ich ihn hier irgendjemandem erklĂ€ren mĂŒsste. Herrmann, der von seiner Hofpresse ausfĂŒhrlich zu der Eskalation interviewt wurde, macht indem er die SchlĂ€gerei nach diesem Übergriff und den Bulleneinsatz gegen deren Teilnehmer als Versuch „die StreithĂ€hne zu trennen“ beschreibt, ohnehin klar, dass es – wie jeder weiß – sowieso niemals um irgendetwas dergleichen ging, sondern dass dieser Einsatz nichts als die ĂŒbliche Schikane und Einmischung der Polizei darstellte.

Also warum sich ĂŒberhaupt weiter mit diesem Narrativ der Bullenpresse befassen, wo es doch ohnehin höchstens bei den seit Monaten daheimgebliebenen nicht sofort GelĂ€chter auslöst. Werfen wir doch lieber einen Blick auf die Situation: WĂ€hrend es vergangenes Wochenende in ganz MĂŒnchen brodelte, verloren die Cops im Englischen Garten die Kontrolle und kassierten nicht nur die Schmach der Niederlage, sondern immerhin auch ein paar pochende Prellungen. Bei aller nun angekĂŒndigten und teilweise bereits etablierten technologischen AufrĂŒstung mit VideoĂŒberwachungsfahrzeugen und behelmten Hundertschaften am Monopteros ist klar, dass selbst mit dem martialischsten Aufgebot die Kontrolle ĂŒber die Stadt fĂŒr die Cops nicht zu gewinnen sein wird – nicht wenn wir uns zur Wehr setzen. Die Wut kann sich jederzeit und ĂŒberall entladen, wo eine zahlenmĂ€ĂŸig unterlegene Patrouille an Cops in eines der tausenden Wespennester sticht, oder wo sich Menschen dazu entscheiden, ihrer Wut von sich aus Ausdruck zu verleihen. Der Staat hat offenbar beschlossen, die ZĂ€hne zu zeigen, es ist nun an uns, fĂŒr den nötigen Zahnausfall zu sorgen, es ist an uns, die zahllosen Gelegenheiten, die sich jeden Tag bieten, zu nutzen, um zurĂŒckzuschlagen, es ist an uns, den Albtraum der sozialen Kontrolle zu sabotieren und zu zerschlagen.

Gegen jede Bevormundung,
Gegen alle Bullen,
FĂŒr einen heißen Sommer.




Quelle: Zuendlumpen.noblogs.org