Juli 3, 2021
Von ZĂŒndlumpen
341 ansichten


[Der folgende Text wurde als Teil eines Flyers im Umfeld der Waldbesetzung im Forst Kasten bei MĂŒnchen verteilt.]

HomeOffice und Fernstudium in entspannter WaldbesetzungsatmosphĂ€re? Der feuchte Traum des Tech-Yuppie-Google-Hipsters ebenso wie der einer anderen AusprĂ€gung der Techokraten-Ideologie, der der Freie-Software-„Hacker“-Weltenbummler-Hippies, die auf ihren Rucksacktourismus-Reisen um den Globus ihre Heimat finden, wo immer es WLAN gibt. Die „Waldbesetzung“ im Forst Kasten vermag diese TrĂ€ume zu erfĂŒllen. Seit dem 30. Mai um 21:51 locken die Besetzer*innen eben jene Rucksacktouristen, die das Klima sozialer – oder auch nur linker – Protestbewegungen ebenso konsumieren wie indigene Kulturen und unberĂŒhrte Naturlandschaften, in die außer ihnen und ihresgleichen bisher nur ihre Internetanbindung vorgedrungen zu sein scheint. Auf der Webseite „Kasti bleibt“ der „Waldbesetzung“ wird seitdem vermeldet: „Ab jetzt ist der Kasti vorlesungs-/Home-Office-safe: Wir haben Strom und unlimitiertes WLAN.“

Diese Meldung, sie wĂ€re ja bloß eine Belanglosigkeit ĂŒber die man einfach hinweggehen könnte, die man entweder als „schlechten Witz“ beiseitelegen oder aber als eine pragmatische Lösung fĂŒr ein weitverbreitetes Suchtverhalten abtun könnte, wĂ€hrend man ansonsten jene Anstrengungen zu wĂŒrdigen in der Lage wĂ€re, die die Waldbesetzer*innen im Forst Kasten unternehmen, um sich von einer Welt der Technologie, der AbhĂ€ngigkeit und der Ausbeutung zu befreien; wĂ€re da nicht dieses Unbehagen, das eine*n ĂŒberkommt, wenn man sich all das, was in den letzten Wochen sonst so von den Besetzer*innen vermeldet wurde, zu GemĂŒte fĂŒhrt. Aber warum diese offensichtliche Kritik von außen – denn ja, fĂŒr innere Einblicke scheinen mir zumindest bei dem, was von den Besetzer*innen nach außen dringt, sĂ€mtliche Grundvoraussetzungen zu fehlen –, warum diese „Besetzung“ nicht einfach ignorieren? Vielleicht weil ich den Eindruck habe, dass nicht alle, die sich in irgendeiner Form mit dem Forst Kasten und den darum stattfindenden KĂ€mpfen verbunden fĂŒhlen, einverstanden sind mit der Vereinnahmung dieser KĂ€mpfe durch jene „Waldbesetzer*innen“ , die Strom und WLAN in den Wald bringen und bereitwillig mit der Presse plaudern, und weil ich das GefĂŒhl habe, dass eine daraus resultierende Frustration und möglicherweise zukĂŒnftige Resignation nur dadurch vermieden werden kann, dass sĂ€mtlichen Formen von Politiker*innen, Opportunist*innen und Rekuperateur*innen von Beginn an der Kampf angesagt wird. Wenn ich im folgenden also von der „Waldbesetzung“ im Forst Kasten spreche, so meine ich damit eben jenes öffentliche Auftreten, wie es in den Medien, von einschlĂ€gigen Politsekten im Internet und auf der Webseite „Kasti bleibt“ vermittelt wird. Mir ist dabei durchaus bewusst, dass nicht alle, die sich in Vergangenheit und Gegenwart an dieser Besetzung beteiligt haben, Teil dieses Auftretens sind, allerdings sind mir zumindest auch keine Abgrenzungen davon bekannt.

Nachdem vor einigen Wochen im MĂŒnchner Osten der Strom nach einer Sabotage von zu diesem Zeitpunkt aufgrund einer Baustelle offenliegenden Mittelspannungsleitungen ausfiel, tauchte ein Bekenner*innenschreiben im Internet auf, das erklĂ€rte, dass dieser Angriff den Stadtwerken MĂŒnchen und dem RĂŒstungskonzern Rohde und Schwarz gegolten habe, aber zugleich auch eine Antwort auf den Stadtratsbeschluss sei, den Forst Kasten fĂŒr den Abbau von Kies zu roden (nachzulesen hier).  Und wie das eben so ist, machten sich sensationsgeile Journalist*innen daraufhin auf, die Besetzer*innen des Forst Kastens aufzusuchen, um von ihnen ein Statement zu dieser Sabotage einzuholen. Vielleicht waren die Journalisten enttĂ€uscht, nachdem sie dort eintrafen, vielleicht bekamen sie, was sie wollten, das liegt im Auge des Betrachters, jedenfalls konnte man am nĂ€chsten Tag in den Zeitungen nicht nur persönliche Statements von Tarek Luft und Ingo Blechschmidt dazu lesen, was sie als „Waldbesetzer*innen“ von derlei Sabotagen hielten, sondern obendrein auch noch Spekulationen darĂŒber wer, bzw. vielmehr wer nicht hinter diesen Sabotagen stecken könnte [1]. Die Bullen wird es gefreut haben. Ich werde mich an derlei Spekulationen, wie sie nur von Bullen und ihren Freunden angestellt werden, nicht beteiligen. Fest steht jedoch: Wenn auf solche Statements, die im Namen der gesamten „Waldbesetzung“ in der Presse verbreitet werden, die Verantwortlichen von anderen Waldbesetzer*innen nicht fĂŒr ihre Snitch-MentalitĂ€t zusammengeschlagen werden oder – die Variante der pazifistischeren Bullenfeind*innen – wenigstens heftig konfrontiert werden, dann mĂŒssen Außenstehende davon ausgehen, dass eine solche MentalitĂ€t offenbar begrĂŒĂŸt wird.

Und weiter: Wenn ebenfalls dazu in der Presse abgedruckte Statements wie „Unsere wertvollste Ressource in diesem Kampf ist, dass die Anwohner hinter uns stehen. Aktionen wie diese rĂŒcken uns nur in ein schlechtes Licht. Das ist Mist.“ (Tarek Luft) im persönlichen GesprĂ€ch mehr oder weniger bestĂ€tigt zu werden scheinen, wie man hört, dann ist es nicht nur verwunderlich, dass gleichzeitig von den Besetzer*innen in der Presse mit „ZustĂ€nden wie im Hambacher oder Dannenröder Forst“ gedroht wird, die sich bekanntermaßen nicht dadurch auszeichnen, dass irgendwelche Politclowns auf BĂ€ume steigen, sich vom SEK wieder runter holen lassen und dabei Kum ba yah singen, sondern zugleich muss diese Farce dann auch als eine Rekuperation jener radikalen Ideen, die zum Angriff drĂ€ngen, verstanden werden, die hier in ĂŒbelster Absicht in eine bloße politische Drohung verwandelt werden, ganz so als wĂŒrden irgendwelche Bewegungsstrateg*innen wie sich vielleicht Tarek Luft oder Ingo Blechschmitt verstehen, jene Angriffe freigeben, die danach trachten die Herrschaft zu zerstören, anstatt sie im Sinne des grĂŒnen Kapitals und seiner – durchaus auch klimaaktivistischen – Tech-Hipster zu optimieren.

Vor dem Hintergrund derlei Äußerungen vermag es kaum mehr zu ĂŒberraschen, dass die „Waldbesetzung“ im Forst Kasten ganz offensichtlich nicht den Wald– zumindest nicht als solchen – verteidigen möchte, sondern vielmehr aktiv an seiner Kolonisierung teilhat, wenn sie dort eine Strom- und WLAN-Versorgung aufbaut. Dabei ist ein Wald, der zum kybernetischen Naherholungsgebiet umfunktioniert wurde, in dem all die smarten Gadgets seiner Besucher*innen weiter ihren Dienst verrichten, mitnichten besser, als die durch den Extraktivismus des Kiesabbaus hinterlassene und renaturierte WĂŒste, auch wenn das vielleicht die neueste Vision der grĂŒnen Kapitalist*innen ebenso wie die irgendwelcher sozialistischen Bevölkerungsmanager*innen – zumindest hier in der westlichen Welt – sein mag. Weder der kybernetisierte Wald, in dem WLAN-Hotspots und 5G-Funkzellen in jedem zehnten Baumwipfel versteckt sind und vermeintliche Waldbesetzer*innen Tag fĂŒr Tag die Farce eines Klimaprotests inszenieren, indem sie heute auf diesen und morgen auf jenen Baum klettern und dabei proaktiv jene Videomaterialien produzieren (der bereits erwĂ€hnte Ingo Blechschmidt hĂ€lt etwa die Bildrechte einer BR-Meldung ĂŒber einen SEK-RĂ€umungseinsatz im Forst Kasten), die spĂ€ter in der Presse ausgestrahlt werden, um die Menschen sowohl zu unterhalten, als auch dadurch zu befrieden, dass der vermeintliche demokratische Handlungsspielraum gönnerhaft um jene, die Grenzen des legalen einstweilen ĂŒberschreitenden, Formen des Protests, die jedoch niemals eine ernsthafte Bedrohung fĂŒr die Herrschenden darstellen werden, erweitert werden und diese zuweilen sogar als radikaler Widerstand verherrlicht werden, noch die dystopische WĂŒstenlandschaft von der Renaturierung dienenden Pflanzenkulturen sind Orte, in denen das Leben gedeihen kann. Beides sind technologisch-wissenschaftlich kontrollierte Territorien, in denen ausschließlich jene Formen von kĂŒnstlich geschaffenem, manipuliertem und unterworfenem Leben gedeihen, die den Interessen von Kapital, Technokraten und Zivilisation dienlich sind, wĂ€hrend alle anderen Lebensformen hemmungslos ausgerottet werden. So lassen sich beispielsweise rund um die Waldbesetzung des Forst Kastens, sowie auch anderswo in Bayerns WĂ€ldern bereits nanotechnologische Fallen fĂŒr BorkenkĂ€fer beobachten, die dieses ausschließlich fĂŒr die Bewirtschaftung des Waldes schĂ€dliche Insekt auslöschen sollen, wĂ€hrend in den Akademien lĂ€ngst daran geforscht wird, den Wald vollends zu kybernetisieren und Wachstum, NĂ€hrstoff- und Wasserzufuhr, SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung, teils auch bestimmte Wachstumsformen, sowie die Artenvielfalt von Flora und Fauna mithilfe von tausenden Sensoren im Boden, an den BĂ€umen, verchippten Tieren, usw. nicht nur zu messen, sondern auch zu kontrollieren. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass derartige Experimente, wie sie an Pflanzen und Tieren durchgefĂŒhrt und gesellschaftlich entstigmatisiert werden, meist mit dem ultimativen Ziel einer Übertragung auf den Menschen stattfinden und hier die Herrschaftsmethoden der Zukunft erforscht werden.

Jene Politclowns der Besetzung des Forst Kastens, derer (realen und erfundenen) Namen und (maskierter) Gesichter sich die Presse gemeinsam mit denen der noch viel clowneskeren Politprofis von den GRÜNEN bedient, die sich ebenfalls um den Forst Kasten hervortun wollen, wĂ€hrend sie anderswo Waldrodungen fĂŒr den Bau von Windkraftwerken befĂŒrworten, sie machen deutlich, dass sie auf Seiten derer stehen, denen es nicht um die Verteidigung der WĂ€lder und der Natur geht, sondern auf Seiten jener, die WĂ€lder und Natur vor ihren eigenen, technologischen Karren spannen wollen: Auf Seiten des grĂŒnen FlĂŒgels des Kapitals und derjenigen sozialistischen AutoritĂ€ren, die die WĂ€lder vielleicht als Kurorte fĂŒr die in der restlichen Zeit in den „selbstverwalteten“ Fabriken ausgebeuteten Arbeiter*innen erhalten wollen. Auf Seiten der Apologet*innen des Fortschritts, die mit ihren wissenschaftlich-technologischen Analysen, Prognosen und angeblichen Errungenschaften die WĂ€lder durch eine totalitĂ€re technokratische Kontrollpolitik bewahren wollen, wie sie zum Beispiel im Pariser Abkommen, dessen Einhaltung von den „Waldbesetzer*innen“ eingefordert wird, festgehalten ist. Wer hĂ€tte gedacht, dass das WEF und gewisse antikapitalistische, sozialistische Freund*innen totalitĂ€rer Regime einmal in ihrer Essenz so sehr das Gleiche wollen könnten: Weltweite Kontrolle, etabliert unter dem Vorwand der Rettung vor der Klimakatastrophe und sogar mit den sich bis ins Detail gleichenden Parolen von globaler Gerechtigkeit und Chancengleichheit?

Dabei stellt sich eigentlich nur noch die Frage, ob beides auch gleichermaßen ernst gemeint ist 


Ein zorniger Waldgeist

[1] Ich zitiere aus der TZ: „„Ich habe von der Sache auch erst aus der Presse erfahren“, sagt Tarek Luft, einer der Verantworlichen des Wald-Camps. Er kann sich nicht vorstellen, dass jemand von den Waldbesetzern mit dem Anschlag zu tun hatte.“ Oder ein anderer prominenter Sprecher der „Waldbesetzung“, der anscheinend im Pluralis Majestatis zu sprechen gewöhnt ist: „Ingo Blechschmidt (32), einer der Baumbesetzer im Forst Kasten, distanziert sich gegenĂŒber der tz von dem Anschlag: „Unsere Symbolsprache sind BaumhĂ€user. Wir protestieren friedlich, mit StromausfĂ€llen haben wir nichts am Hut.“„




Quelle: Zuendlumpen.noblogs.org