Januar 26, 2022
Von Die Plattform Berlin
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Wir fordern die soziale und politische Gleichheit aller Menschen, die wir nur in einer egalitĂ€ren, klassenlosen und herrschaftsfreien Gesellschaft gewĂ€hrleistet sehen. Die materielle Grundlage hierfĂŒr ist – im Gegensatz zum bestehenden Kapitalismus mit all seinen Konkurrenz- und EigentumsverhĂ€ltnissen sowie dessen Sachzwang einer permanenten Erwirtschaftung von Profit – das bedĂŒrfnisorientierte Wirtschaften und schließlich eine fĂŒr alle frei zugĂ€ngliche VerfĂŒgung des selbst Produzierten.

Hierzu ist nach unserer Ansicht die Vergesell-schaftung der Produktionsmittel mithilfe einer sozialen Revolution vonnöten.
Diese schafft die Grundlage einer gesellschaftlichen Mitbestimmung fĂŒr alle Menschen und bildet die Rahmenbedingung fĂŒr bestmögliche Selbst-verwaltung auf freiwilliger Basis.

Neben der ökonomischen Gleichheit steht fĂŒr uns die Freiheit zur Selbstbestimmung jedes Individuums im Zentrum unserer Forderung. Frei ist fĂŒr uns, wer Angst- und zwangsfrei er/sie selbst sein kann. In diesem Sinne sehen wir uns als Teil emanzipatorischer Bestrebungen zur Aufhebung jeglicher Diskriminierungsformen.

Ein solidarisches Miteinander im Sinne einer Auflösung von gesellschaftlichen UnterdrĂŒck-ungsmechanismen darf dabei nicht auf die radikale UmwĂ€lzung der gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse warten, sondern muss bereits im Hier und Jetzt jedwede Möglichkeit der Emanzipation wahr-nehmen, zum Beispiel den Kampf um ökonomische Verbesserungen fĂŒr die lohnabhĂ€ngige Klasse.

Wir stellen uns vor

Wir als Berliner Lokalgruppe sind Teil der bun-desweit organisierten anarchakommunistischen Föderation

– die Plattform –

Unsere Arbeit endet aber selbstverstĂ€ndlich nicht an nationalen Grenzen, sondern wir halten Kontakt mit Gruppen gleicher oder Ă€hnlicher anarchistischer Ausrichtung weltweit. Gemeinsam erarbeiten wir ĂŒberregional theoretische Grundlagen, nach denen wir verbindlich politisch arbeiten und agieren. Daraus entwickeln wir strategische Praktiken – sprich, in welcher Form wir an politischen und sozialen Prozessen teilnehmen wollen. Die Entscheidungsprozesse unserer Föderation werden dabei in solidarischer und direkt-demokratischer Form miteinander gefĂŒhrt.

Als Berliner Lokalgruppe möchten wir unseren Teil zu einer anarchistischen Stadtkultur beitragen, die in Berlin bereits auf eine weit bekannte linksalternative Subkultur zurĂŒckgreifen kann. ZusĂ€tzlich bestimmen (Haus) Projekte, meist autonom geprĂ€gte, aber auch explizit klassenkĂ€mpferische Gruppen die örtliche Szene. Wir sehen uns als ergĂ€nzende Kraft zu bestehenden AnsĂ€tzen, die in die Gesellschaft hinein wirken und dadurch unsere anarchistischen Ideen und Praktiken bekannter machen soll.

Wir sind froh darĂŒber, mit dieser Vorgehensweise nicht allein zu sein, sondern mehrere befreundete Gruppen und Initiativen an unserer Seite zu wissen. Lasst uns gemeinsam das definitiv vorhandene Potenzial fĂŒr einen klassenkĂ€mpferischen und feministischen Anarchismus aktivieren und mit unseren Genoss:innen Verbesserungen fĂŒr unsere Lebensbedingungen erkĂ€mpfen!

Unsere Schwerpunkte

ArbeitskÀmpfe

Als LohnabhĂ€ngige fordern wir die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Das heißt fĂŒr uns etwa die Forderung nach Lohnerhöhung, Arbeitszeit-verkĂŒrzung bei vollem Lohnausgleich, mehr Erholungsurlaub, Streikrecht, KĂŒndigungsschutz, Gleichstellung am Arbeitsplatz, umfĂ€nglicher Arbeitsschutz oder finanzielle Absicherung im Alter und im Krankheitsfall.

Als klassenkÀmpferische Föderation streben wir jedoch nicht nur eben jene Verbesserungen an, sondern ebenfalls eine radikale Neuorganisation und Strukturierung ökonomischer Produktionsprozesse und zwar im bereits genannten Sinne.
FĂŒr ArbeitskĂ€mpfe „vor Ort“ raten wir unbedingt zum Beitritt der Gewerkschaft FAU.

Anarchafeminismus

Wir sind eine Organisation, die die UnterdrĂŒckung von Menschen auch aufgrund von sozial konstruiertem Geschlecht und SexualitĂ€t ĂŒberwinden will. Patriarchat und Kapitalismus sind fĂŒr uns untrennbar miteinander verwoben, weshalb wir den Schritt zu einer befreiten Gesellschaft nur in der konsequenten Abschaffung beider Systeme sehen.

Es geht uns ferner nicht darum, (uns) als FLINTA (Frauen, Lesben, Inter Menschen, Nicht-binĂ€re Menschen, Trans Menschen und Agender Menschen) im bestehenden kapitalistischen System zu emanzipieren und uns individuell eine bessere Position zu erkĂ€mpfen, sondern wir lehnen jede Form von Herrschaft ab und sind davon ĂŒberzeugt, dass es – um es mit den Worten Carol Hanischs auszudrĂŒcken-, “keine persönlichen Lösungen gibt, sondern nur eine kollektive Aktion fĂŒr eine kollektive Lösung.”

Ökologie

Da alle Bereiche vom Wachstumszwang der kapitalistischen Ökonomie betroffen sind, hĂ€lt ein sogenannter grĂŒner Kapitalismus in Bezug auf die ökologischen Fragen keine Antworten bereit. Beispielsweise ist mit Blick auf die Klimakrise die Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom CO2-Ausstoß, also “GrĂŒnes Wachstum”, keine realistische Option denn in einer endlichen Welt kann es nicht genug Ressourcen fĂŒr unendliches Wachstum geben. Wir sehen auch hier, dass das profitorientierte Wirtschaften durch ein an den BedĂŒrfnissen der Natur – deren Teil der Mensch ist – orientiertes Wirtschaften ersetzt werden muss.

Da es fĂŒr uns ums Ganze geht, haben unsere Schwerpunkte stets einen Klassenbezug. Die Betonung der Klasse bedeutet jedoch nicht eine Verengung des Blicks allein auf wirtschaftliche Belange, sondern schließt den Kampf gegen gleich mehrere Ungerechtigkeiten der Gegenwart mit ein.

ArbeitskĂ€mpfe, Anarchafeminismus und Ökologie sind miteinander verwoben und daher Teilbereiche eines klassenkĂ€mpferischen Anarchismus.

Wie fĂŒhren wir KĂ€mpfe

Wir wollen als anarchistische Föderation in die Gesellschaft wirken. DafĂŒr mischen wir uns in bestehende Basisbewegungen ein, was bedeutet, dass wir uns langfristig und kontinuierlich am Aufbau dieser Bewegungen beteiligen. Unsere Aufgabe ist es, in den sozialen Bewegungen die schon (im Kleinen) vorhandenen anarchistischen Prinzipien und Momente zu fördern oder (dort, wo sie noch nicht vorhanden sind) zu verbreiten. Das heißt, wir wirken als aktive Minderheit auf soziale Bewegungen ein, lenken die Bewegung jedoch nicht in ihrem Kurs oder fĂŒhren sie an. Einwirken bedeutet fĂŒr uns, durch Argumente (in Diskussionen), RatschlĂ€ge, Beispiele, Er-kenntnisse und Praktiken VerĂ€nderungen in einer Person oder einer Gruppe von Menschen herbeizufĂŒhren.

Neben diesem Einfließen von anarchistischen Prinzipien ist unsere wichtigste Aufgabe, gemeinsam mit allen Beteiligten reale Gegenmacht in den sozialen Bewegungen aufzubauen und anwachsen zu lassen.
Durch dauerhafte, zuverlĂ€ssige und effektive Mitarbeit (auf Augenhöhe), Zuhören und von-einander lernen, können wir Beziehungen zu Anderen in den sozialen Bewegungen aufbauen, Respekt und Vertrauen gewinnen und mit ihnen ĂŒber Perspektiven und Positionen ins GesprĂ€ch kommen. Wichtig dabei ist ebenfalls, dass wir kein Geheimnis aus unserer Überzeugung und unseren Absichten machen und so das (ungewollte) Aufkommen einer Avantgarde-Rolle verhindern.

Wir entwickeln unsere Ideen mit den kĂ€mpfenden Menschen, nicht ĂŒber sie hinweg.

Auf die Frage, wer die Welt verÀndern wird, antworten wir: Die, denen sie nicht gefÀllt!




Quelle: Berlin.dieplattform.org