April 21, 2021
Von InfoRiot
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Brottewitz – Am 20. April 1945 wurden Gefangene der WehrmachtsgefĂ€ngnisse nach einem missglĂŒckten Fluchtversuch bei Torgau erschossen.

Tausende Gefan­gene wur­den ab Mitte April 1945 aus den bei­den Wehrma­cht­ge­fĂ€ng­nis­sen Fort Zin­na und BrĂŒck­enkopf in Tor­gau auf MĂ€rsche getrieben. Noch bis zur Kapit­u­la­tion am 8. Mai 1945 verĂŒbten die Wach­mĂ€n­ner Ver­brechen an den HĂ€ftlin­gen: Sie erschossen geschwĂ€chte Gefan­gene und ließen FlĂŒch­t­ende hin­richt­en. So geschah es auch vor 76 Jahren, am 20. April 1945, in Brot­te­witz (Elbe-Elster).
Dort unter­nah­men fĂŒnf HĂ€ftlinge – junge Wehrma­cht­sol­dat­en im Alter von etwa 20 Jahren – einen Fluchtver­such. Auf dem RĂ€u­mungs­marsch waren sie aneinan­der geket­tet und woll­ten gemein­sam fliehen. Nach dem Fluchtver­such wur­den sie von einem mil­itĂ€rischen Standgericht zum Tode verurteilt und nur wenig spĂ€ter von den Wach­mĂ€n­nern des Wehrma­cht­ge­fĂ€ng­niss­es an der Fried­hof­s­mauer in Brot­te­witz erschossen. In einem Sam­mel­grab auf dem Fried­hof wur­den sie ver­schar­rt. Ein Gedenkstein in Brot­te­witz erin­nert an das Verbrechen.
Zu den Hin­gerichteten gehören Wern­er Kube und Har­ry Pien. Ihre Schick­sale zeigen, mit welch­er HĂ€rte die Mil­itĂ€r­jus­tiz im Zweit­en Weltkrieg gegen jedes noch so geringe Verge­hen der Sol­dat­en vorg­ing. Über die bei­den jun­gen MĂ€n­ner ist mehr bekan­nt als ĂŒber die anderen drei Opfer Rein­hold Franzik, Johann Jaco­by und Kurt Erich Kindermann.

Urlaubsschein verloren

Har­ry Pien war Mari­nesol­dat. Anfang 1945 ver­lor er wĂ€hrend seines Urlaubs bei den Eltern in Berlin den Urlaub­ss­chein. Er meldete sich deshalb zu spĂ€t zu sein­er Ein­heit zurĂŒck. Das Gericht der Kriegs­ma­rine Berlin verurteilte ihn daraufhin wegen „uner­laubter Ent­fer­nung“ zu ein­er GefĂ€ng­nis­strafe von zwei Jahren. Die beson­ders hohe Strafe begrĂŒn­dete das Gericht mit den „heuti­gen Kriegsver­hĂ€lt­nis­sen“. Pien kam ins Wehrma­cht­ge­fĂ€ng­nis Fort Zin­na in Torgau.

Strafe fĂŒr verbotene Hilfe

Wern­er Kube gehörte als Sol­dat der Luft­waffe an, er war als Tech­niker auf dem Flug­platz Altenburg in ThĂŒrin­gen einge­set­zt. Dort half er sow­jetis­chen Kriegs­ge­fan­genen, die auf dem Flug­platz Zwangsar­beit leis­ten mussten. Er ver­sorgte sie mit Essen und sprach mit ihnen ĂŒber die Kriegslage. Ein ander­er Sol­dat zeigte ihn an. Kube wurde ver­haftet und in Berlin wegen „Zer­set­zung der Wehrkraft“ angeklagt. Über seine Verurteilung ist nichts bekan­nt. Auch er kam als HĂ€ftling in das Wehrma­cht­ge­fĂ€ng­nis Fort Zin­na in Tor­gau. Wern­er Kube entstammte ein­er kom­mu­nis­tis­chen Fam­i­lie. In der DDR wurde an ihn als antifaschis­tis­chen Wider­stand­skĂ€mpfer erin­nert. Schulen und Straßen waren nach ihm benan­nt, eine Brief­marke trug sein PortrĂ€t.






Quelle: Inforiot.de