Dezember 28, 2021
Von FAU Flensburg
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FĂŒr viele BeschĂ€ftigte ist die Weihnachtszeit die hĂ€rteste Phase des Jahres. Damit die Feiertage wirklich erholsam werden, brauchen wir bessere Arbeitsbedingungen – und zwar fĂŒr alle.

Wer einen BĂŒrojob hat, kennt das Spiel: Das Jahresende rĂŒckt nĂ€her, man wĂŒnscht sich einen entspannten Jahresausklang, freut sich vielleicht auf gemĂŒtliche Tage im Resturlaub. Die Zeit um den Jahreswechsel herum ist fĂŒr viele allerdings alles andere als festlich, sondern vor allen Dingen belastend – und zwar nicht wegen anstrengender Familienmitglieder oder zehrender GesprĂ€che unterm Weihnachtsbaum. Wer sich jetzt schon lĂ€ngst in die Ferien verabschiedet hat und die Kollegen erst im neuen Jahr wiedersieht, arbeitet vermutlich nicht in der Paketzustellung oder im Verkauf. Denn da ist der Stress gerade am höchsten.

Druck machen, wenn die Kassen klingeln

Statt zum Jahresende hin mal einen Gang runterzuschalten, verdichtet sich in diesen Berufen das Arbeitspensum enorm. So ist das etwa in den Versandzentren großer Online-HĂ€ndler, die in der Weihnachtszeit dickes GeschĂ€ft machen, allen voran MarktfĂŒhrer Amazon. Allein in Deutschland hat der Konzern fĂŒr das WeihnachtsgeschĂ€ft 10.000 zusĂ€tzliche Mitarbeitende in seinen Logistikzentren eingestellt – nur vorĂŒbergehend fĂŒr die Saison versteht sich. Von dem Boom im Online-Handel haben die BeschĂ€ftigten nichts, fĂŒr sie erhöht sich lediglich der Arbeitsdruck.

Rocco BrĂ€uniger, Amazon-Chef in Deutschland, gab erst kĂŒrzlich bekannt, dass sich der Konzern weiterhin weigern wird, einen rechtsverbindlichen Tarifvertrag abzuschließen. Der ist dringend notwendig, um den BeschĂ€ftigten einen branchenĂŒblichen Lohn und wĂŒrdige Arbeitsbedingungen zu sichern. Überraschend ist diese Totalverweigerung nicht, der Konzern ist schließlich fĂŒr seinen gewerkschaftsfeindlichen Kurs berĂŒchtigt. Als Ver.di vor Jahren um die Weihnachtszeit Warnstreiks ankĂŒndigte, höhnte BrĂ€unigers VorgĂ€nger nur: »Mal ehrlich: Wenn Glatteis ist, juckt uns das weit mehr, als wenn Ver.di zum Arbeitskampf aufruft.« Auch in diesem Jahr rief die Gewerkschaft am vierten Advent zu Warnstreiks in sieben Amazon-Versandzentren auf, um »das WeihnachtsgeschĂ€ft empfindlich zu stören« und dem Konzern ZugestĂ€ndnisse abzuringen. Denn ohne Arbeiter lĂ€uft das GeschĂ€ft nicht.

Lohndumping und Tarifflucht gehören allerdings nicht nur bei Amazon zur Unternehmenskultur, sondern sind auch im Einzelhandel sehr verbreitet. Auch hier werden um Weihnachten herum gewöhnlich die meisten Profite gemacht. Der Arbeitgeberverband des Einzelhandels HDE rechnet damit, dass in diesem Jahr UmsĂ€tze von 111,7 Milliarden Euro erzielt werden – und das nur zur Weihnachtszeit.

3,1 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland in der Branche, Tendenz steigend. Gleichzeitig ist die Tarifbindung in dem Sektor in den letzten Jahren erheblich zurĂŒckgegangen. Arbeiteten im Jahr 2010 noch 50 Prozent der BeschĂ€ftigten tarifgebunden, sind es heute nur noch 28 Prozent – Tarifschutz wird zur Abweichung von der Norm. Daran profitieren die Unternehmen immens. Denn nicht tarifgebundene Firmen zahlen ihren BeschĂ€ftigten fĂŒr dieselbe Arbeit bis zu einem Drittel weniger Lohn als ihre tarifgebundene Konkurrenz.

Gerade die BeschĂ€ftigten in den SupermĂ€rkten, die noch als »Heldinnen und Helden der Corona-Krise« beklatscht wurden, sind dieser Tage nicht nur einer hohen Arbeitsbelastung, sondern auch weiterhin einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Besserer Arbeitsschutz, höhere Bezahlung, mehr Pausen zur Erholung waren als Anerkennung fĂŒr ihre systemrelevante Arbeit nicht drin. In Niedersachsen kĂŒrzte Edeka einigen Mitarbeitenden sogar das Weihnachtsgeld, weil sie im Sommer fĂŒr bessere Löhne in den Streik getreten waren.

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Quelle: Fau-fl.org