Februar 17, 2021
Von Anarchosyndikalismus
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Die Solidarity Federation (SF-IAA) hatte Mitte Mai 2020 den folgenden Artikel veröffentlicht, der leider immernoch aktuell ist – nicht nur in Britannien.

Nach dem Applaus fĂŒr das Gesundheitspersonal, ein paar Ideen zur EntschĂ€digung: tĂ€glicher Dienstzuschlag, erhöhter Stundensatz und sogar ein Orden fĂŒr’s Arbeiten wĂ€hrend der Pandemie.

Viele von uns im öffentlichen Gesundheitswesen (NHS) arbeiten im Schichtsystem – Tag und Nacht – das ganze Jahr. Uns tötet nicht nur das Virus, sondern auch unsere Schichtarbeit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2007 festgestellt, dass Arbeiten im Schichtbetrieb wahrscheinlich krebserregend ist (Straif et al. 2007) [1]. Studien, wie die von Gu et al. (2015) [2], haben gezeigt, dass Schichtarbeit, vor allem nachts, unser Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Probleme, ImunschwĂ€che, Krebs und letztlich die Sterblichkeit erhöht.

Anstatt also unser Leben fĂŒr eine geringe finanzielle EntschĂ€digung derart kaputt zu arbeiten, wĂ€re es nicht besser, wenn wir unser Leben zurĂŒck bekĂ€men? Ein besseres Gleichgewicht von Arbeit und Leben wĂŒrde eine verkĂŒrzte Arbeitswoche bei vollem Lohnausgleich bedeuten.

Die Personalbindung ist ja ein stĂ€ndiges Thema im öffentlichen Gesundheitswesen und wenn uns mehr von unserem Leben zurĂŒckgegeben wĂŒrde, könnte das doch hilfreich sein. Um den bereits bestehenden Personalmangel abzudecken, könnte man Erwerbslosen Jobs und Weiterbildungen in vielen verschiedenen Bereichen anbieten. 

Das öffentliche Gesundheitsystem hat sich schon vor der Covid-19-Pandemie an einem kritischen Punkt befunden, wobei unsere Möglichkeiten Dienstleistungen anzubieten nicht den Bedarf der Gesellschaft und unserer Patient*innen decken kann. Wir mĂŒssen in unser Gesundheitspersonal investieren, aber auch in die nötige Infrastruktur.

Solche Verbesserungen sollten fĂŒr alle da sein und jede*m zur VerfĂŒgung stehen. Es wĂŒrde auch unsere Wirtschafts- und ErwerbstĂ€tigkeit anregen, wenn mehr Leuten Arbeit angeboten wĂŒrde: Amblulanzdienste, Ingenieur*innen, Pförtner*innen, Köch*innen, Wissenschaftler*innen, Hilfsarbeiter*innen, Techniker*innen, FachkrĂ€fte, Ärzt*innen, Pfleger*innen, Psychiater*innen, Reinigungspersonal, Rezeptionist*innen, Pharmazeut*innen, VerwaltungskrĂ€fte, Fahrer*innen, EinkĂ€ufer*innen, Bauarbeiter*innen, Instandhaltung, Erfinder*innen, Programmierer*innen, um nur einige zu nennen.

Die Gesundheitspflege betrifft alle Lebensbereiche (Person, Arbeit, Wohnen, Bildung, ErnĂ€hrung) und wir sollten versuchen, das bestmögliche Gesundheitssystem aufzubauen. Dieses sollte auf gegenseitiger Hilfe grĂŒnden und auf einer Zusammenarbeit der öffentlichen Gesundheitsdienste in verschiedenen LĂ€ndern.

Wir leben und arbeiten in bisher nie dagewesenen Zeiten, in denen die Risiken momentan hoch sind, aber das waren sie auch schon vor der Pandemie. Unsere Leben stehen jedoch nicht zur Verhandlung – lasst uns einfach ohne Kompromisse weniger arbeiten.

Solidarity Federation Edinburgh

1) Straif, Kurt et al. (2007). Carcinogenicity of Shift-Work, Painting, and Fire-Fighting. Lancet Oncology, 8 (12): 1065-1066. https://doi.org/10.1016/S1470-2045(07)70373-X

2) Gu, Fangyi (2015). Total and Cause-Specific Mortality of U.S. Nurses Working Rotating Night Shifts. American Journal of Preventive Medicine, 68 (3): 241-252. https://doi.org/10.1016/j.amepre.2014.10.018

Quelle:
http://www.solfed.org.uk/edinburgh/reduced-life-reduced-work-the-worklife-balance

Übersetzung:
Anarcho-Syndikalistisches Netzwerk – ASN Köln (CC: BY-NC)




Quelle: Anarchosyndikalismus.blackblogs.org