August 21, 2021
Von Fairmuenchen
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Forscher der LMU MĂŒnchen haben ein Jahr lang MĂŒnchens Corona-Inzidenz im Abwasser gemessen und waren den Behörden mit ihren Vorhersagen meilenweit voraus.

MĂŒnchen – Der Inzidenzwert aus der Kanalisation: Durch die Entnahme von Abwasserproben ist es Forschern gelungen, die Coronavirus-Infektionszahlen fĂŒr einzelne Stadtgebiete von MĂŒnchen verlĂ€sslich zu bestimmen. Sie waren sogar schneller als die GesundheitsĂ€mter und das Robert-Koch-Institut (RKI). tz.de/muenchen/stadt/corona-abwasser-muenchen-stadtgebiet-inzidenz-studie-verblueffend-lmu-90931763.html

Sehr geehrter Herr OberbĂŒrgermeister Reiter,

in der Anlage erhalten Sie meinen offenen Brief an alle Mitarbeitenden im Gesunde-StÀdte-Projekt und Gesunde-StÀdte-Netzwerk.
Ich war damals in der ersten Projektrunde des WHO-Projekts Gesunde StĂ€dte (Start 1986) fĂŒr einige Jahre ehrenamtliche Leitung des Arbeitskreises 1 Gesundheit und Gesundheitsversorgung der Landeshauptstadt MĂŒnchen. Die GeschĂ€ftsfĂŒhrung hatte Rita Fehrmann-Brunskill vom Gesundheitsreferat in der Dachauerstraße.

Im letzten Jahr ist mir besonders aufgefallen,

dass die Erkenntnisse aus der Zeit damals wieder in Vergessenheit geraten sind und wohl niemals in allen (Landes-)Einrichtungen ankamen. So war ja Gesundheit gerade mehr als nur die Abwesenheit von Krankheitserregern. Als es damals einen Störfall an einem Reaktor gab, war oberstes Gesetz, jegliche Unruhe in der Bevölkerung zu vermeiden.

Vielleicht können Sie sich an Petersburg erinnern.

In den Medien wurde verkĂŒndet, alles in Ordnung und im Gesundheitsreferat waren stĂŒndliche Krisensitzungen. Als Leiten des AK 1 Gesundheit und Gesundheitsversorgung habe ich davon erfahren. Anfang letzten Jahres wurden Horrorszenarien in den Medien und im Rundfunk verbreitet und dennoch durften tĂ€glich Flugzeuge aus den verschiedensten LĂ€ndern ihre Passagiere entlassen und diese durften ohne Kontrolle und ohne QuarantĂ€ne ins Land. Warum die Informationspolitik gegenĂŒber der Bevölkerung geĂ€ndert wurde, ist mir unbekannt.

In MĂŒnchen gab es damals zahlreiche Initiativen,

es war eine Aufbruchstimmung. Der Kauf einer KĂ€sesemmel rund um den Marienplatz ist heute eine SelbstverstĂ€ndlichkeit. Der Wunsch nach einer Alternative zur LeberkĂ€se-Semmel war meiner Erinnerung nach einer der ersten WĂŒnsche aus dem
Gesunde-StĂ€dte-Projekt, der schnell und leicht erfĂŒllt war.

Wenn es gelingt, die Aufbruchstimmung von damals wieder in der Stadt zu erzeugen,

wird MĂŒnchen keinen dritten Lockdown brauchen. Sie als OberbĂŒrgermeister werden niemals solch detaillierte Maßnahmen treffen können, dass wirklich ein Infektionsgeschehen verhindert wird. Sie sind darauf angewiesen, dass die MĂŒnchner BĂŒrgerschaft an Ihrer Seite steht und ebenfalls einen dritten Lockdown verhindern möchte. Ohne Eigenverantwortung der BĂŒrgerschaft ist eine gesunde Stadt unmöglich.

Die Anordnung und Kontrolle von wirksamer InfektionsprÀvention

wĂŒrde solche massiven GrundrechtseinschrĂ€nkungen erfordern, dass sie vermutlich auf massiven Gegenwind stoßen wĂŒrden, wie berechtigt auch immer das Anliegen nach wirksamer Infektionsprophylaxe wĂ€re. Alle mĂŒssen ĂŒber Infektionswege und -prĂ€vention informiert sein, damit solche SprĂŒche wie «Ich bin zwei Mal geimpft und darf alles, aufpassen ist völlig unnötig» unterbleiben.

Einen wichtigen Beitrag kann die Stadtverwaltung aber selbst leisten:

Mehr Handwaschbecken im öffentlichen Raum. Handhygiene ist das A und O bei der Übertragung von Infektionskrankheiten, mit mehr Handwaschbecken lĂ€sst sich dies verhindern. StĂ€ndiger Gebrauch von Desinfektionsmitteln schĂ€digt die Haut und ist bei Hautkrankheiten und vielen Menschen mit Allergien unmöglich – abgesehen davon sind Wasser und Seife umweltschonender.

Wenn Sie die vielen Initiativen, Einrichtungen und Gremien in der Stadt wieder beteiligen und vereinen und um Mithilfe bitten, muss es keinen dritten Lockdown geben. Mit freundlichen GrĂŒĂŸen, Erika Lorenz-Löblein


PS: Das Gesunde-StÀdte-Projekt und das Gesunde-StÀdte-Netzwerk

waren ein WHO-Projekt bis etwa 2001, das im Gesundheitsladen und im Selbsthilfezentrum MĂŒnchen koordiniert wurde,

In zwei Artikeln feiert Wolfgang Goede die – Bewegung, die er selbst als enorm hilfreich erlebt hatte, als Wissenschafts-Journalist kennt er auch die oft schwerfĂ€lligen Systeme unserer Hochschul-Landschaft, die Adorno lĂ€ngst als „Halbbildung“ – nur fĂŒr berufliche Qualifizierungen – eingeschĂ€tzt hatte:

„Die 1980er waren die GrĂŒnderjahre der Selbsthilfe. HĂ€tte uns die Pandemie damals erwischt, wie weit wĂ€ren wir mit Fax-Tech gekommen? Faxe – damals Non-Plus-Ultra modernster Kommunikation – eroberten gerade die Welt. Mit ihnen wĂ€re das Leben vermutlich in Papier erstarrt, Selbsthilfe nie aus den Startblöcken gekommen.

Im Corona-Jahr 2020 halten uns indes Online und elektronische Kommunikationsplattformen gut ĂŒber Wasser. Auch die Selbsthilfe. Mit BBB – BigBlueButton Plattform – macht das SHZ rundum Mut zur neuen VirtualitĂ€t.Als Pionier und Scout war das Selbsthilfezentrum MĂŒnchen seiner Zeit stets um Nasenspitzen voraus – drei Beispiele:

‱ Das SHZ war einer der historischen SchlĂŒsselakteure, gegen den Widerstand politischer Parteien im Gesundheitswesen das Patienten-Empowerment zu verwurzeln. Und es damit als seine „vierte SĂ€ule“ zu etablieren, wie dereinst Gesundheitsminister Seehofer die Selbsthilfe pries.

‱ SHZ-ReprĂ€sentanten sind methodisch ĂŒber die AnsĂ€tze der GrĂŒnderjahre weit hinausgewachsen. Etwa wenn sie sich in der Fachliteratur mit dem Selbsthilfebegriff, seiner langen Historie, Defiziten ebenso wie Alternativen kritisch auseinandersetzen2 – auch mit scharfem Blick auf die Zukunft und ihren gesellschaftspolitischen HĂŒrden.

‱ So setzt sich das SHZ dafĂŒr ein, mit Trainings und Selbstversuchen, die vorwiegend in einheimischer Hand befindliche Selbsthilfe fĂŒr andere Kulturen und deren Vorstellungen von Gesundheit und sozialer Interaktion zu öffnen. Selten gab es einen couragierteren Appell fĂŒr InterkulturalitĂ€t, heute nötiger denn je.“

braucht Selbst-, das sich abgrenzen UND organisieren kann: Derzeit gibt es Tausende von SchwĂ€tzern, die ein besseres Modell der Welt erklĂ€ren möchten, aber keineR hört ihnen zu: Weil der Anfang der Ordnung nicht positiv spĂŒrbar ist, vor allem in der Verlassenheit der COVID-Leugner zwischen singenden eso-MĂ€dchen, wie Hare-Krishna-JĂŒnger voll Inbrunst und ohne Kontakt zur RealitĂ€t der Anderen.

legt das Kritische Denken in uns wieder frei, verschĂŒttet von der Angst der NegativitĂ€t und Verzweiflung, dass der Brunnen unendlich tief und tödlich wĂ€re 
 wer sagt dir, dass dort unten nicht Blumen blĂŒhen und Erdbeeren wachsen? War das im „Tod des MĂ€rchenprinzen?“

Du darfst mich gern verfolgen …




Quelle: Fairmuenchen.de