Oktober 4, 2021
Von Emrawi
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Neu sind solche ZustĂ€nde nicht: Bereits wĂ€hrend der ersten Corona-Welle in Österreich im MĂ€rz 2020 gab es einen ersten Covid-Ausbruch im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen, bei dem laut damaligen Berichten zumindest eine Person aus dem Lager an der Krankheit verstarb. Alle anderen damaligen Bewohner*innen des Lagers wurden wochenlang entgegen jeglicher sonst ĂŒblicher Praxis in polizeilich durchgesetzter ZwangsquarantĂ€ne festgehalten und am Verlassen des Lagers gehindert. Betroffene wehrten sich damals mit einer Klage gegen diese rechtswidrige Form der Freiheitsberaubung. Abgesehen davon wurden kaum Maßnahmen getroffen, um Bewohner*innen des Lagers wirksam vor einer Covid-Infektion zu schĂŒtzen. Sie mussten weiterhin in dicht belegten MehrbettrĂ€umen schlafen, Bad- und ToilettenrĂ€ume mit allen anderen Stockwerksbewohner*innen teilen, in langen Schlangen ohne Abstand um Essen anstehen und ihre Mahlzeiten in großen Gruppen im Speisesaal der Kantine einnehmen. GeĂ€ndert hat sich daran nach aktuellem Informationsstand trotzt vielfach geĂ€ußerter öffentlicher Kritik bislang nichts. Dementsprechend gab es auch in der Folgezeit wiederholte Covid-AusbrĂŒche in Traiskirchen, bis zu dem aktuell andauernden Cluster. Die soziale Ungleichheit in den Konsequenzen der Pandemie wird wieder einmal sehr deutlich: WĂ€hrend durch PrĂ€ventions-, Impf- und Testangebote an vielen österreichischen Orten wieder eine gewisse NormalitĂ€t einkehren konnte, trifft es marginalisierte Menschen nun besonders hart.

Initiative lehnt Massenunterbringung ab

Dazu Anita Fessl von der Initiative gegen Lager und RĂŒckkehrzentren: “Es macht uns wĂŒtend und fassungslos, zu sehen, wie wenig seit der ersten Covid-Welle passiert ist, um die Gesundheit geflĂŒchteter Menschen wirksam gegen die Pandemie zu schĂŒtzen. Von Anfang an war klar, dass die Unterbringung von Menschen in beengten Sammellagern die grĂ¶ĂŸte Gefahr darstellt, sich mit Covid-19 zu infizieren. Genau das ist seitdem immer und immer wieder nicht nur in Traiskirchen, sondern in AsylunterkĂŒnften, ebenso wie in Notschlafstellen, UnterkĂŒnften fĂŒr Wohnungslose oder auch GefĂ€ngnissen, in ganz Österreich passiert. Es ist nicht hinzunehmen, dass ein Staat, der Milliarden von Euro aufwendet, um den reichsten Wirtschaftsunternehmen in Pandemiezeiten die Rendite zu sichern, es nicht schafft, menschenwĂŒrdigen und sicheren Wohnraum fĂŒr geflĂŒchtete Menschen bereitzustellen und sie stattdessen seit eineinhalb Jahren wissentlich den grĂ¶ĂŸten Risiken der Pandemie aussetzt.”

Offene Fragen

Im Zusammenhang mit den aktuellen Covid-Clustern in Traiskirchen und Schwechat stellen sich zudem einige Fragen:

Werden allen Bewohner*innen, auch den neu Ankommenden, Covid-Impfungen angeboten, um sowohl das Risiko von Ansteckungen als auch von schweren KrankheitsverlĂ€ufen zu reduzieren? Werden allen Bewohner*innen der Erstaufnahmelager gut zugĂ€ngliche und verstĂ€ndliche Informationen zu Covid-PrĂ€vention und Covid-Impfungen in ihren jeweiligen Erstsprachen zur VerfĂŒgung gestellt? Welche medizinische Versorgung erhalten diejenigen, die positiv auf Covid getestet und abgesondert werden?

Abgesehen davon ist festzuhalten: Schon lange vor der Covid-Pandemie war bekannt, dass die Unterbringung von Menschen in Lagern und SammelunterkĂŒnften vielerlei Arten von körperlichen und psychischen, in einigen FĂ€llen sogar tödlichen, Erkrankungen begĂŒnstigt. Es ist lĂ€ngst Zeit dafĂŒr, dass sich der österreichische Staat von einer menschenrechtswidrigen Asylpolitik verabschiedet, die das Prinzip von Abschreckung und ZermĂŒrbung mit dem Ziel, dass weniger Asylsuchende hier ankommen und bleiben, ĂŒber die Gesundheit und das Leben von Menschen stellt!

Im Sinne von Gesundheitsschutz und menschenwĂŒrdigem Wohnen fordert die Initiative gegen Lager und RĂŒckkehrzentren:

Schließung der Erstaufnahmelager Traiskirchen und Schwechat und aller anderen Lager und SammelunterkĂŒnfte fĂŒr Asylsuchende!

Gleichzeitig Bereitstellung dezentraler Wohnungen fĂŒr alle Asylsuchenden, auch diejenigen, die neu ankommen!

Recht auf FreizĂŒgigkeit statt Zwangszuweisungen fĂŒr alle Asylsuchenden!

Bis dahin:

Bereitstellung von Covid-Impfungen fĂŒr alle, auch neu Ankommenden, die sich impfen lassen wollen!

Bereitstellung gut zugÀnglicher und verstÀndlicher Informationen zu Covid-PrÀvention und Covid-Impfungen in allen benötigten Erstsprachen!

Recht auf Gesundheit und menschenwĂŒrdiges Wohnen fĂŒr alle statt Repression, Abschreckung und ZermĂŒrbung!

http://www.rueckkehrzentrenschliessen.org/




Quelle: Emrawi.org