MĂ€rz 27, 2021
Von Indymedia
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Streik
Deswegen wurde fĂŒr den 17.MĂ€rz zu einer öffentlichen Betriebsversammlung aufgerufen, wo ĂŒber einen Warnstreik abgestimmt wurde. Eine ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit sprach sich fĂŒr eine Arbeitsniederlegung aus. Von 27 Basisarbeiter*innen waren 23 anwesend; davon enthielt sich eine Person der Stimme, alle anderen stimmten fĂŒr den Streik. Das Ergebnis fiel nicht vom Himmel. Es waren intensive Diskussionen um Verbesserung der Arbeitssituation und vor allem des Schutzes fĂŒr Basisarbeiter*innen und Klient*innen vorangegangen. Die ursprĂŒnglichen VerhĂ€ltnisse im Notquartier fĂŒhrten zu einem Corona – Cluster und viele Burn-Out-Erkrankungen. Die nun drohende Schließung war also eher der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.

Kundgebung
Die Streikkundgebung fand mit breiter UnterstĂŒtzung am Keplerplatz statt. Ca. 200 Menschen fanden sich dort ein. Die meisten RedebetrĂ€ge stammten von Basisarbeiter*innen und NĂ€chtigern, wodurch eine fast familiĂ€re, aber dennoch kĂ€mpferische Stimmung entstand. Gleichzeitig wurde vor der ASB-Zentrale als auch vor dem FSW-Standort geflyert.

Der Fond Soziales Wien (FSW) ist fĂŒr die Schließung anordnete, weigert sich jedoch, mit den Streikenden zu reden. Es sei schließlich ein Konflikt zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern. Der ArbeiterSamariterBund, der das Quartier betreibt, verweist auf die Entscheidung des FSW, der er anscheinend machtlos ausgeliefert ist. Durch dieses Pingpong-Spiel wird jegliche Verantwortung geleugnet, die HĂ€rten bleiben bei den Basisarbeiter*innen und NĂ€chtiger*innen.

Sand im PR-Getriebe
“ZufĂ€lligerweise“ lancierte am Tag vor dem Streik FSW, SPÖ sowie Stadtrat Peter Hacker Jubelmeldungen ĂŒber die VerlĂ€ngerung des Winterpakets. Doch diesmal ging der Schuss nach hinten los. Auf Facebook wurde vor allem der Letztgenannte fĂŒr die Schließung scharf kritisiert. Dieser ließ sich zu einer Entgleisung hin. Er warf den Protestierenden vor, sie wĂŒrden „den Zustand von Betroffenen als Vorwand nehmen, um sich Vorteile fĂŒr den eigenen Arbeitsvertrag zu schaffen“. Des Weiteren behauptete er, unbefristete Notquartiere wĂŒrden Obdachlosigkeit nur verfestigen. Ganz im Sinne von “Wir können sie nicht dazu zwingen, die Wahrheit zu sagen. Aber wir können sie zwingen, immer unverschĂ€mter zu lĂŒgen“ war auch hier der Protest erfolgreich. Obwohl sich das mediale Interesse in Grenzen hielt, gab es deutlich mehr Berichte zum Warnstreik als zur FSW-Jubelmeldung.

SolidaritÀt & Vernetzung
Seit der Arbeitskampf publik wurde, trafen mehr als ein Dutzend SolidaritĂ€tsbotschaftenein. Es waren BetriebsrĂ€t*innen, Kolleg*innen von anderen Einrichtungen sowie sozialpolitische Gruppen, die so ihre UnterstĂŒtzung kundtun wollten. Nach der Kundgebung trafen sich noch fast 40 Menschen, um sich zu vernetzen. Gerade dort wurde offensichtlich, dass es nicht nur um die Gudi geht. Die Probleme der Sozailhackler*innen sind lang, Ă€hneln sich und haben sich seit der Corona-Pandemie deutlich verschĂ€rft. Die Schließung der Gudi ist zwar Gudi beispiellos, doch die Entwicklung dahin – Unterbesetzung, schlechter Pandemieschutz, Desinteresse der Vorgesetzten- kennen viele andere aus ihren ArbeitsplĂ€tzen ebenfalls.

Ausblick
Der Kampf um die Gudi ist der erste wilde Streik im Sozialbereich. Gleichzeitig ist ss ist der die erste Arbeitsniederlegung ohne ÖGB seit 17 Jahren – dem Veloce-Streik 2004. Es ist also eine ziemliche Ausnahmeerscheinung in der jĂŒngeren Geschichte Wiens. Auf der anderen Seite gibt es eine direkte Verbindung zu der Streikbewegung fĂŒr eine ArbeitszeitverkĂŒrzung vor etwas mehr als einem Jahr. Bekannterweise wurde diese von Corona gestoppt; der ÖGB schloss aus Angst vor einer Wirtschaftskrise einen miesen Vertrag ab. WĂ€hrend anfangs noch fĂŒr die „Systemerhalter*innen“ geklatscht, wurden gleichzeitig ihre Arbeitsbedingungen deutlich schlechter. Viele sind frustriert, ohne dass es bislang ein Ventil geben wĂŒrde. Das wurde auch beim Vernetzungstreffen sichtbar. Möglicherweise bleibt dieser Kampf eine Ausnahmeerscheinung, aber genauso möglich ist es, dass es ein VorlĂ€ufer oder vielleicht sogar ein Auslöser fĂŒr weitere KĂ€mpfe im Sozialbereich sein wird.

Der Kampf um die Gudi geht jedenfalls weiter.. Wenn es nach dem Willen des FSW geht, soll sie mit 28.April ihre Pforten schließen – solange wird auch dagegen angekĂ€mpft werden! Der nĂ€chste Aktionstermin ist der 9.April, 16:00, wo es eine Demo vom Stadtpark zum Rathaus geben wird!




Quelle: De.indymedia.org