November 11, 2021
Von Anarchosyndikalismus
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Das Wiener Arbeiter*innen-Syndikat (WAS-IAA) berichtet ĂŒber aktuelle ArbeitskĂ€mpfe und RepressionsfĂ€lle:

„WĂ€hrend der ÖGB sich bei den Metaller-KV-Verhandlungen gerade wieder einmal ĂŒber den Tisch ziehen lĂ€sst und weit unter der Inflationsrate, vermutlich sogar unter 3%, abschließen wird und die FrisörInnen schon mit 1,4 % abgespeist wurden, haben wir im WAS derzeit gleich sieben KĂ€mpfe am laufen, ĂŒber die wir Euch hier kurz berichten wollen.

Ein geringfĂŒgig angestellter Kollege sieht sich vor der ungerechtfertigten Forderung seines Ex-Chefs, der von Ihm Geld fĂŒr ein beschĂ€digtes Fahrzeug haben will, obwohl das laut Dienstnehmerhaftpflichtgesetz ausgeschlossen ist. Wir kommunizieren mittlerweile mit der AnwĂ€ltin der Bude und bereiten uns auf eine Tagsatzung vor dem Arbeitsgericht vor, falls die Herrschaften ihren unverschĂ€mten Versuch, fast zwei MonatsgehĂ€lter einzustreifen, nicht einstellen.

Vor einigen Wochen wurden wir von zwei ReinigungskrĂ€ften aus Zwettl kontaktiert. Die Beiden GenossInnen wurden aus SĂŒdeuropa nach Zwettl gelockt und der Chef wollte ebenfalls extrem viel Geld fĂŒr ein beschĂ€digtes Betriebsmittel. Nach einer sehr umfassenden Anamnese haben wir festgestellt, daß auch diverse ZuschlĂ€ge, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Arbeitsbereitschaft, Einarbeitungszeiten, SonntagszuschlĂ€ge, Überstunden usw. nicht bezahlt wurden. Wir verlangen den korrekten Lohn und bereiten uns auf eine Demonstration in Zwettl vor, falls der Chef nicht schleunigst bezahlt.

Im Zuge unseres Hausbesuches haben wir auch Kontakt zu Tschechischen und Slowakischen HacklerInnen eines Hotels im Waldviertel bekommen. Diese wurden noch schlechter behandelt und mußten anscheinend die letzten vier Monate elf Stunden pro Tag arbeiten, wĂ€hrend nur 40 Stunden pro Woche bezahlt wurden. Auch in dem Hotel hat man noch nichts von 13. und 14. Monatsgehalt gehört. Wir haben unverzĂŒglich unsere GenossInnen der PA in Bratislava kontaktiert und den KollegInnen somit UnterstĂŒtzung in Ihrer Erstsprache anbieten können. Wir sind bereit in diesem Fall ausnahmsweise Nicht-Mitglieder zu unterstĂŒtzten.

Der grĂ¶ĂŸte derzeitige Kampf findet in einem weltweit bekannten Wiener Kunst-Haus statt. Acht Angestellte, die teilweise seit fĂŒnf Jahren nicht gesetzeskonform behandelt werden, haben sich in einer Art Betriebsgruppe zusammengeschlossen. Unsere Gewerkschaft hat bereits einen ersten fast zweistĂŒndigen Termin bei der GeschĂ€ftsfĂŒhrung gehabt, und die Problemfelder (Rufbereitschaft, ZuschlĂ€ge, falsche Anordnungen wĂ€hrend Lockdowns, etc., etc.) erörtert. Es geht auch um ĂŒber 8000,- Euro pro Arbeitsjahr und angestelltem Menschen. Wir hoffen derzeit auf einen Abschluß ohne Kampfmaßnahmen. Spannend ist, daß die Belegschaft sich auch mit der Ex-Belegschaft verbĂŒndet hat und sehr geschlossen und kĂ€mpferisch agiert.

Im Zuge der 1. Mai-Verwaltungsstrafen hat ein erstes WAS-Mitglied eine BestĂ€tigung der Verwaltungsstrafe vom Magistrat fĂŒr Corona-Maßnahmen-Übertretungen erhalten, die nie stattgefunden haben. Nachdem die Polizei den Votivpark einmal „durchgeprĂŒgelt“ hat, wurden ja alle danach noch anwesenden 450 DemonstrantInnen mit erfundenen Corona-Maßnahmen-VerwaltungsĂŒbertretungen registriert. Wir gehen nun zum Landesverwaltungsgericht und werden nicht hinnehmen, daß die Magistratischen BezirksĂ€mter sich als Handlanger fĂŒr massenhafte Polizeirepressionen instrumentalisieren lassen.

In einer Arbeitsstelle bei einer MĂŒllabfuhr werden diverse Arbeitsrechte nicht eingehalten. Unser Kollege dort hat die MißstĂ€nde zusammengefasst. Beipielsweise erfahren alle HacklerInnen gesetzeswiedrig immer erst am Tag vor der Arbeit, ob sie nun um 6 in der FrĂŒh oder um 2 am Nachmittag arbeiten mĂŒssen. Auch Überstunden werden nicht bezahlt uvm. Unsere Mitglieder mit TĂŒrkischen oder BKS-Wurzeln ĂŒbersetzen die Rechtsinformationen gerade und wir werden uns bemĂŒhen, alle MĂŒllabfuhr-ArbeiterInnen in Wien zu erreichen.

Ein weiterer Genosse in Wien hat gerade einen Konflikt mit einem sehr bekannten vermeintlich-linken Kultur-Veranstaltungsort. Es geht um ein paar hundert Euro im Rahmen eines Auftrittes, die ungerechtfertigt vorenthalten werden.

Sollte eine der Firmen nicht einlenken und fĂŒr die korrekten Bezahlungen sorgen, so wird es zu Kampfmaßnahmen unsererseits kommen, ĂŒber die wir euch dann natĂŒrlich ausfĂŒhrlich informieren werden.“

Quelle:
https://wiensyndikat.wordpress.com/2021/11/02/heiser-herbst/




Quelle: Anarchosyndikalismus.blackblogs.org