Januar 11, 2022
Von Emrawi
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2010 schlossen sich die beiden deutschen Unternehmen MAN und Rheinmetall in Wien-Liesing zu Rheinmetall MAN Military Vehicles (RMMV) zusammen. WĂ€hrend der Nutzfahrzeugbauer MAN bereits seit Jahrzehnten im 23. Wiener Gemeindebezirk ansĂ€ssig ist und vor der GrĂŒndung des Joint Ventures vor allem zivile Busse herstellte, bringt der RĂŒstungshersteller Rheinmetall seine ‚Expertise‘ in der Herstellung von KriegsgerĂ€ten neu ein. Statt zivilen Fahrzeugen werden von den Arbeiter:innen im Werk seitdem u.a. Truppentransporter und MilitĂ€r-LKW hergestellt. Sie dienen zum Transport von Panzern und anderem MilitĂ€rgerĂ€t und wurden bislang in 62 LĂ€nder exportiert.

Zu diesen LĂ€ndern gehört auch die TĂŒrkei. Diese fĂŒhrt aktuell Krieg gegen die kurdische Freiheitsbewegung und die Zivilbevölkerung im eigenen Land, aber auch im syrischen und irakischen Teil Kurdistans. „In Wien-Liesing dĂŒrfen keine Fahrzeuge mehr produziert werden, deren Einsatz Menschen das Leben kosten, verbrecherische Regime, wie jenes von Recep Tayyip Erdoğan unterstĂŒtzen, die ökologischen Existenzgrundlagen der betroffenen Bevölkerung zerstören und die Klimakrise weiter befeuern!”, erklĂ€rt Klara, eine Sprecherin der Kurdistan- SolidaritĂ€tskampagne Rise Up 4 Rojava.

Auf den Zusammenhang von Anti-Militarismus und Ökologie machen auch zahlreiche Klima- Aktivist:innen vor Ort aufmerksam: „Regierungen und Konzerne versuchen militĂ€rische EinsĂ€tze in der globalen Konkurrenz um knapper werdende Ressourcen oder zur BewĂ€ltigung politischer Destabilisierung aufgrund von Klimawandelfolgen zu legitimieren”, so die Hanna, Aktivistin der Klimagerechtigkeitsbewegung. „Wir fordern friedliche Lösungen fĂŒr die sozial- ökologischen Probleme unserer Zeit!”

Die Aktion richtet sich nicht gegen die rund 1.200 BeschĂ€ftigten des Unternehmens. Darauf weisen FlugblĂ€tter hin, die von den Aktivist:innen verteilt wurden. Auf Twitter teilt Rise Up 4 Rojava mit: „Unsere Aktion richtet sich gegen die Bosse von RMMV, die auf dem RĂŒcken der Belegschaft Profite mit Krieg machen. Wir stehen an der Seite der Arbeiter:innen, der sozialökologische Umbau muss auch mit höheren Löhnen und ArbeitszeitverkĂŒrzung einhergehen.“ Die Aktivist:innen fordern, dass die Produktion von Unternehmen wie RMMV sich nach dem gesellschaftlichen Bedarf und nach Kriterien wie Nachhaltigkeit richten soll. Sie sprechen sich fĂŒr eine Produktion aus, die der Gesellschaft nutzt und nicht einigen wenigen. „Auch die Arbeiter:innen haben ein Interesse an ökologischen und zukunftsfĂ€higen ArbeitsplĂ€tzen. Diese mĂŒssen mit guten Arbeitsbedingungen und selbstbestimmter Arbeitsorganisation einhergehen”, erklĂ€rt eine Aktivistin von Rise Up 4 Rojava dazu.

Wie öffentlicher Druck dazu fĂŒhren kann, dass Unternehmen die UnterstĂŒtzung von verbrecherischen Regime beenden, zeigt das Beispiel BRP-Rotax. Der oberösterreichische Hersteller von Antriebssystemen stellte die Lieferung von Drohnen-Motoren in die TĂŒrkei letztes Jahr ein. Die Aktivist:innen fordern von RMMV, sich daran ein Beispiel zu nehmen – und noch einen Schritt weiter zu gehen: „Es braucht in Zeiten der globalen Klimakrise und einer weltweiten Pandemie dringend die richtige Infrastruktur, um eine BewĂ€ltigung möglich zu machen: WĂ€re es nicht sinnvoll, BeatmungsgerĂ€te statt KriegsgerĂ€te herzustellen? Sollten anstatt E-Fahrzeuge nicht lĂ€ngst mal wieder mehr Schienen gebaut werden?”, erklĂ€rt dazu Klimaaktivistin Hanna. „Wir brauchen dringend eine Verkehrswende und eine generelle Wende in der Klimapolitik. Hier gĂ€be es genug Bedarf fĂŒr zivile Produktion, fĂŒr Busse beispielsweise, und in diesem Bereich gibt es in Wien-Liesing ja ausreichend Know-How.”

Aktivist:innen haben jetzt auch das Vordach des BĂŒrogebĂ€udes besetzt. Vor dem Eingang verteilen Aktivist:innen Flyer fĂŒr die Mitarbeiter:innen.

https://anfdeutsch.com/aktuelles/wien-liesing-aktivist-innen-blockieren-rheinmetall-man-30226




Quelle: Emrawi.org