April 17, 2022
Von Der Rechte Rand
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von Ernst Kovahl
Antifa-Magazin »der rechte rand« Ausgabe 195 – April 2022

#Ostpreussen

Das »Ostpreußische Landesmuseum« in LĂŒneburg gibt sich gelĂ€utert, die revanchistischen Wurzeln seien gekappt. Doch das Museum ist weiter fest in der Hand der »Vertriebenen« – und in einem Förderverein haben Rechte das Sagen.

»Wild, Wald und Pferde« zeige das Museum, heißt es auf der Website des »Ostpreußischen Landesmuseums« (OLM) in LĂŒneburg. Mitten in der Innenstadt wird die Geschichte Ostpreußens nachgezeichnet. Die frĂŒher deutsche Region gehört heute zu Polen und mit der Oblast Kaliningrad (»Königsberg«) zu Russland. Elche, Bernstein und Immanuel Kant sollen das Bild der Region prĂ€gen – alles harmlos, alles unpolitisch.
Nach Diskussionen ĂŒber ihre Ausrichtung ist die Ausstellung vor wenigen Jahren völlig ĂŒberarbeitet und von revanchistischen Elementen befreit worden. So waren die Konflikte 2004 und 2005 bundesweit in der Presse, weil der damalige Museumsdirektor Ronny Kabus sich dagegen gewehrt hatte, dass die »Vertriebenen« in den Entscheidungen »die erste Geige« spielten und das Land Niedersachsen und der Bund kaum Einfluss hĂ€tten. Kabus wollte das OLM aus der »Vertriebenenecke« herausholen.

Staatliches Geld

Heute gibt es keine Diskussionen mehr. Örtliche Abgeordnete erklĂ€ren stolz, wie viel Fördergeld sie fĂŒr die Einrichtung bei Bund und Land eingeworben hĂ€tten: Das Museum bewahre »das kulturelle Erbe der Ostpreußen und der Deutschbalten fĂŒr zukĂŒnftige Generationen. Daher finde ich es wichtig, dass der Bund das Museum in dieser wichtigen Funktion fördert«, freute sich beispielsweise die SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers und kĂŒndigte fĂŒr 2020 etwa 900.000 Euro aus dem Bundesetat an. FĂŒr den Neubau einer Ausstellung ĂŒber den ostpreußischen Philosophen Immanuel Kant stellte der Bund etwa acht Million Euro zur VerfĂŒgung – zum 300. Geburtstag von Kant 2024 soll der Neubau eröffnet werden.

In der Hand der »Vertriebenen«

Seit 1987 wird das Museum auf Grundlage des Bundesvertriebenengesetzes vom Bund und dem Land Niedersachsen gefördert. Die Aufgabe sei »die Bewahrung und Erforschung der Geschichte und Kultur Ostpreußens sowie die museumsgemĂ€ĂŸe Darstellung seiner vielgestaltigen, ĂŒber Jahrhunderte wĂ€hrenden RealitĂ€t«. Die Grundlage des Museums bildete eine 1958 begonnene Sammlung des »Ostpreußischen Jagdmuseums«. GrĂŒnder war Ernst Hans Ludwig Loeffke, der nach 1945 ein fĂŒhrender FunktionĂ€r der »Landsmannschaft Ostpreußen« (LMO) war. Immer wieder kam es bis in die 1990er Jahre zu revanchistischen Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem Museum.
Seit 1992 wird das Museum von der »Ostpreußischen Kulturstiftung« (OKS) betrieben. Obwohl staatlich finanziert, kontrollierten die »Vertriebenen« die Arbeit. Das wird exemplarisch am OKS-Vorsitzenden Rolf-Dieter Carl deutlich. Der 74-JĂ€hrige war von 1987 bis 1991 BundesgeschĂ€ftsfĂŒhrer der LMO – also in jenen Jahren, als dort weit stĂ€rker als heute revanchistische Positionen vertreten wurden.

Fördervereine

Rund um das Museum existieren mehrere Fördervereine, die auch auf dessen Homepage beworben werden. Stiftungschef Carl ist zugleich Vorsitzender des Vereins »Freunde des Ostpreußischen Landes- und Jagdmuseum e. V.« Hier ist als Vorstandsmitglied auch Jörn Barfod dabei, wissenschaftlicher Kurator des Museums. Politisch interessant wird der Verein durch seinen frĂŒheren Vorsitzenden Erik Dorff. Er kommt – wie weitere Familienmitglieder – aus der völkischen Studentenverbindung »Deutsche Gildenschaft«.

Die politische Verortung des »Förderkreis Ostpreußisches Jagdmuseum Hans-Ludwig Loeffke GedĂ€chtnisvereinigung e. V.« ist weitaus einschlĂ€giger, wie aktuelle Unterlagen zeigen: Stellvertretender Vorsitzender ist weiterhin Wilhelm von Gottberg. Das langjĂ€hrige CDU-Mitglied fiel wiederholt durch rechte Äußerungen auf, unter anderem bezeichnete er den Holocaust als »wirksames Instrument zur Kriminalisierung der Deutschen und ihrer Geschichte«. Von 2017 bis 2021 saß er fĂŒr die »Alternative fĂŒr Deutschland« (AfD) im Bundestag. Neben ihm prĂ€gt vor allem die Vorsitzende Barbara Loeffke-Eggert als lautstarke Vertreterin der Interessen der »Vertriebenen« das Bild des Vereins. Bis heute hĂ€ngt ihr die mögliche NĂ€he zu einem rechtsradikalen Verein nach: 2008 lud ein fĂŒhrendes Mitglied der rassistischen »Artgemeinschaft – Germanische Glaubensgemeinschaft« zu einer Veranstaltung des niedersĂ€chsischen Ablegers des »Kulturwerks Österreich – Landesgruppe KĂ€rnten« ein. Loeffke wurde damals in einer handschriftlichen ErgĂ€nzung der offiziellen Einladung als Referentin zum Thema »Gedanken ĂŒber Heimat« benannt. Ob sie tatsĂ€chlich vorgetragen hat, ist trotz Recherchen nicht belegbar. Ihr politisches Wirken auf das Museum ist aber so einschlĂ€gig, dass die damalige LĂŒneburger SPD-Vorsitzende Hiltrud Lotze 2008 forderte, dass die Einflussnahme von Loeffke »zurĂŒckgedrĂ€ngt werden« mĂŒsse.

Will das steuerfinanzierte Museum sich von seinen revanchistischen Wurzeln trennen, muss es sich auch von dem Rechtsradikalen von Gottberg und dem von ihm geleiteten Verein trennen. Und es muss auch die politische Vergangenheit seiner Vereine aufarbeiten. Bund und Land mĂŒssen zudem ihre Förderung daran knĂŒpfen, dass das Museum nicht mehr von den »Vertriebenen« gesteuert werden kann.




Quelle: Der-rechte-rand.de