Oktober 18, 2021
Von InfoRiot
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GeflĂŒchtete berichten von Reise ĂŒber Belarus

“Wir flĂŒchten nicht wegen des Geldes, sondern wegen unserer Leben”

18.10.21 | 16:10 Uhr

Im deutsch-polnischen Grenzgebiet sind seit Jahresbeginn tausende GeflĂŒchtete unerlaubt nach Brandenburg eingereist. Viele haben bis in die Erstaufnahme in EisenhĂŒttenstadt einen Weg voller Strapazen hinter sich. Zwei von ihnen berichten.

Die Zahl der GeflĂŒchteten, die nach Brandenburg kommen, steigen weiter. Momentan sind es nach Angaben der Bundespolizei 100 bis 150 Menschen, die tĂ€glich ohne Papiere ĂŒber die Grenze kommen. Die meisten von ihnen kommen in das Erstaufnahmezentrum in EisenhĂŒttenstadt (Oder-Spree).

Einer von ihnen ist Mohammed*. Der 20-JĂ€hrige hat noch vor wenigen Wochen im vom BĂŒrgerkrieg zerrĂŒtteten Syrien gelebt. Wie so viele andere Menschen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan nahm er die Strapazen und Gefahren der Flucht auf sich. “Ich habe das Flugzeug nach Belarus genommen, bin dann nach Polen gekommen und von dort aus zwei Wochen gelaufen bis ich in Deutschland angekommen bin.”

Mehr Grenzschutz in Polen

Dem belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko wird unter anderem vom Brandenburger Innenminister Michael StĂŒbgen (CDU) vorgeworfen, Menschen wie Mohammed aktiv anzulocken und nach Polen zu bringen, um die FlĂŒchtenden als Druckmittel gegen die EuropĂ€ische Union zu nutzen.

Damit wĂŒrden Menschen plötzlich zum Spielball der Politik. Denn die polnische Regierung versucht, die GeflĂŒchteten abzuwehren. So hat Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak Anfang Oktober angekĂŒndigt, die Zahl der Soldaten zur UnterstĂŒtzung von Grenzschutzbeamten an der Grenze zu Belarus auf 3.000 aufzustocken.

“Werden wie FußbĂ€lle behandelt”

Dort sollen auch MilitĂ€rhubschrauber auf Luftpatrouillen unterwegs sein, um nach GeflĂŒchteten wie Hassan* zu suchen. Auch er lebt derzeit im EisenhĂŒttenstĂ€dter Zeltlager. Der Iraker steckte mit seinen drei Kindern eine Woche lang im Grenzgebiet zwischen Belarus und Polen fest. “Die Belarussen sagten: ‘Geht nach Polen’. Die Polen sagten: ‘Geht nach Belarus’. Wir werden wie FußbĂ€lle behandelt.”

Nachdem Hassans Familie es doch nach Polen geschafft hatte, hĂ€tte sie sich sieben Tage lang zu Fuß nach Brandenburg durchgeschlagen. “Wir sind nur gelaufen und gelaufen. Nach zwei Tagen war unser Essen aufgebraucht. Wir haben gesehen, dass den Kindern sehr kalt war, aber niemand hat uns geholfen. Ich habe versucht, in Polen den Rettungsdienst zu rufen, aber uns wurde nur gesagt: ‘Wir können euch nicht helfen. Geht zurĂŒck nach Belarus.'”

Hoffnung auf ein Leben ohne Angst

Dabei sei der Grund fĂŒr die Flucht die Suche nach einer Perspektive fĂŒr sich und seine Kinder. Im Irak hĂ€tte die Familie in stĂ€ndiger Angst vor Terrorgruppen gelebt, erzĂ€hlt Hassan. Sein Vater sei im Krieg getötet worden. “Wir flĂŒchten nicht wegen des Geldes, sondern wegen unserer Leben.”

Etwa 70 Kilometer sei die Familie zusammen mit anderen GeflĂŒchteten unterwegs gewesen. Den Weg nach Deutschland mit Hilfe von Schleusern zurĂŒckzulegen, sei nicht möglich gewesen. “Uns hat jemand gesagt: Gebt mir Geld. Ich antwortete, dass wir kein Geld haben. Daraufhin wollte er uns nicht helfen. Er sagte nur: Bleibt im Wald und sterbt dort.”

Schließlich hĂ€tten sie auch die polnisch-deutsche Grenze zu Fuß passiert und seien dort auf die Bundespolizei getroffen. Diese hĂ€tte sich ihrer angekommen. “Ich bin sehr glĂŒcklich, dass ich in Deutschland bin, denn die Leute hier sind sehr hilfsbereit.” Nun hoffe er, dass er mit den Kindern in Deutschland bleiben kann.

*Die Namen der GeflĂŒchteten wurden aus GrĂŒnden des Persönlichkeitsschutzes geĂ€ndert.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.10.2021, 14:10 Uhr

Beitrag von Lucia Heisterkamp und Tony Schönberg




Quelle: Inforiot.de