Oktober 23, 2021
Von FAU Flensburg
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Nach anderthalb Jahren Corona-Pandemie ist die Lage in den KrankenhĂ€usern noch katastrophaler als zuvor schon. Nun stehen fĂŒr viele Mitarbeiter:innen der Kliniken die wichtigen Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst der LĂ€nder an. – Ein Interview mit Pflegerin Janina Henschel

Zu Beginn der Corona-Pandemie standen die GesundheitsbeschĂ€ftigten sehr im öffentlichen Fokus. Viel wurde geklatscht fĂŒr die „Corona-Held:innen“. Wie wĂŒrdest du die aktuellen Bedingungen in der Pflege beschreiben? Was sind die grĂ¶ĂŸten Probleme, vor denen ihr als Arbeiter:innen dort steht?

Die letzte Information, die ich habe ist, dass mindestens 200.000 PflegekrĂ€fte in Deutschland fehlen. Es gibt kaum eine Station, die mit einem weiteren Krankheitsfall zurecht kommt. Sobald eine Person im Dienst krank wird, dann sind wir unterbesetzt. Wir mĂŒssen doppelte Arbeit machen, auf anderen Stationen einspringen, aus unserer frei kommen, mehr als 12 Dienste am StĂŒck machen. Es herrscht ein massiver Druck auf uns allen, körperlich und psychisch.

Die Corona-Pandemie hat uns extrem zugesetzt, es war anstrengend und zermĂŒrbend, es gab viele PflegekrĂ€fte, die wĂ€hrend dieser Zeit den Job hingeschmissen haben. Aber wir sind nicht erst seit zwei Jahren unterbesetzt, unterbezahlt und ĂŒberarbeitet, dieses Problem besteht seit Jahrzehnten, und es wird seit Jahrzehnten nichts dagegen gemacht.

Das Problem ist, dass wir als PflegekrĂ€fte nicht auf die Straße gehen und streiken. Und  dass wir dem Irrglauben verfallen sind, dass, wenn wir uns um Patient:innen kĂŒmmern, sich schon irgendjemand anders um unsere BedĂŒrfnisse kĂŒmmert.

Vor kurzem hat die Tarifrunde der BeschĂ€ftigten im öffentlichen Dienst der LĂ€nder begonnen. Die Gewerkschaft ver.di fordert fĂŒnf Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 150 Euro, fĂŒr die BeschĂ€ftigten im Gesundheitswesen mindestens 300 Euro. Die Azubi-VergĂŒtungen sollen um 100 Euro steigen. Sind die Forderungen aus deiner Sicht angemessen?

Die Tarifrunde wird nichts Ă€ndern. Es wird sicher eine minimale Lohnerhöhung geben, die ver.di wird sich wieder einmal als die große Gewinnerin hinstellen, und am Schluss werden wir ein bisschen mehr verdienen. Es kann im Kapitalismus aber keine angemessene VergĂŒtung geben, und insbesondere das kapitalistische Gesundheitssystem macht da keine Ausnahme.

Es ist leider so, dass die Pflege ein höchst unattraktiver Berufsweg ist, und selbst ein- oder zweihundert Euro mehr Ă€ndern das nicht. Assistenzarzt:in in einem Krankenhaus zu sein, ist bei weitem kein Zuckerschlecken, aber Ärzt:innen wollen viele, viele Menschen werden. Die Bezahlung ist etwas besser, aber vor allem das gesellschaftliche Bild ist viel besser.

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Quelle: Fau-fl.org