April 17, 2021
Von Indymedia
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Diese Entwicklungen sind keine Erscheinungen, die mit einem Mal auftauchen. Sie sind vielmehr die KontinuitĂ€t deutscher Tradition und einer inkonsequenten Entnazifizierung. 
76 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus am 8. Mai 1945 mĂŒssen wir eine dĂŒstere Bilanz ziehen. Die Entnazifizierung von Staat und Gesellschaft war bereits 1950 gescheitert. In der BRD konnten Nazis schon kurz nach Kriegsende in ihren alten Positionen weiterarbeiten. Im Kampf gegen Kommunist*innen und Antifaschist*innen wurden FachkrĂ€fte mit der richtigen Ideologie gesucht. Diese wurden in ehemaligen Mitgliedern von NSDAP, SS, SD und Gestapo gefunden.  Zu den wieder geschaffenen Sicherheitsbehörden wurde ein antikommunistischer Inlandsgeheimdienst zum angeblichen “Schutze der Verfassung” aufgebaut.

Wenn auch in der DDR vor allem die Bereiche der Verwaltung, der Sicherheitsbehörden und Justiz konsequenter entnazifiziert wurden, wurden Nazis ebenfalls wieder in die Gesellschaft integriert. Das Problem des Nazismus wurde auch hier verdrĂ€ngt. Dies hatte vor allem nach der Wende verheerende Folgen als die Neonazis, ungebremst von Staat und Justiz, neuen Aufwind bekamen und die Straßen terrorisierten – die sogenannten BaseballschlĂ€gerjahre.  Die Ignoranz und das Kleinreden rechter Gewalt ist bis heute zu beobachten. Mit der Wende ĂŒbernahmen Sicherheitsbeamt:innen aus Westdeutschland die Umstrukturierung der ostdeutschen Sicherheitsbehörden. 

Der Geist des Dritten Reichs wurde nie vertrieben. Er wurde vertuscht, kleingeredet und unsichtbar gemacht. Der Rassismus in der Polizei ist kein PhÀnomen unserer Zeit, sondern hat lange Tradition. Die Verfolgung von Linken und Antifaschist*innen hat nach 1945 nie aufgehört.

Es reicht! Wir haben genug von Nazis und Rechten in den Sicherheitsbehörden. Wir brauchen einen Bruch mit dieser deutschen Tradition. Die Gefahr des Faschismus rĂŒhrt nicht nur von den Straßen. All die Skandale der letzten Jahren zeigen das immer wieder auf. Viel zu sehr waren und sind die Sicherheitsbehörden mit Rechten und organisierten Neonazis verstrickt, als dass wir Vertrauen im Kampf gegen deren Terror in sie setzen können. Heute ist ein breiter und konsequenter Antifaschismus aus der Zivilgesellschaft nötiger denn je. Wir mĂŒssen gemeinsam aufbegehren. Ob gegen Faschist*innen auf den Straßen, in Parlamenten oder eben in MilitĂ€r, Polizei und Verfassungsschutz.  Wir mĂŒssen Druck machen, damit endlich Bewegung in eine veraltete Gesellschaftsstruktur hineinkommt.

Der 08. Mai ist nicht nur ein Tag des Gedenkens an all die Opfer des Nationalsozalismus. Es ist auch der Tag an dem man dem heldenhaften Widerstand all derer Menschen gedenkt, die ihren Terror nicht hinnahmen. Deswegen wollen wir nicht nur trauern, sondern auch kĂ€mpferisch in die Zukunft blicken und ihren Kampf konsequent weiterfĂŒhren. 

Lasst uns alle zusammen am Tag der Befreiung ein Zeichen gegen den Faschismus in den Sicherheitsbehörden setzen.

Wir fordern die Entnazifizierung der Sicherheitsbehörden! 
Wir fordern das Ende der Kriminalisierung von Antifaschismus!
Wir fordern die Freilassung der inhaftierten Antifaschist*innen Lina und Dy!

08.05., 14 Uhr, Wilhelm-Leuschner-Platz

Wir sind alle Antifa. Wir sind alle linX. FĂŒr eine solidarische Gesellschaft. 

In Gedenken an die zahlreichen Toten des NS-Terrors.




Quelle: De.indymedia.org