Juni 30, 2021
Von FAU Flensburg
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Seit Anfang Mai mobilisiert die Berliner Krankenhausbewegung regelmĂ€ĂŸig hunderte Kolleg:innen zu Kundgebungen. Am Dienstag streikten die BeschĂ€ftigten der Tochterunternehmen von Vivantes fĂŒr gleichen Lohn und fĂŒr gleiche Arbeit. Dieser Kampf muss auf alle BeschĂ€ftigten der Berliner KrankenhĂ€user ausgeweitet werden.

Im Herbst stehen auch in Berlin wieder Wahlen an. Ein wichtiges Versprechen aus dem Koalitionsvertrag hat der Berliner Senat jedoch bis heute nicht umgesetzt: Die RĂŒckfĂŒhrung aller Tochterunternehmen der Berliner KrankenhĂ€user CharitĂ© und Vivantes. Trotz zahlreicher KĂ€mpfe der Kolleg:innen, zuletzt bei der CharitĂ© Facility Management. Doch auch der Vivantes Konzern unterhĂ€lt dutzende Tochterunternehmen, u. a. die Vivantes Service GmbH (VSG), VivaClean GbmH Nord und SĂŒd, Vivantes SVL Speiseversorgung und -logistik GmbH oder das Labor Berlin. Die Kolleg:innen der Unternehmen haben jedoch genug. Sie, die wĂ€hrend der Pandemie noch deutlicher gemerkt haben, wie relevant sie und ihre Arbeit, die sie leisten fĂŒr dieses System ist, wollen es nicht mehr hinnehmen, durch Outsourcing teilweise 600 € weniger als ihre Kolleg:innen fĂŒr die gleiche Arbeit zu verdienen. Manche von ihnen sind trotz 40 Stunden Woche gezwungen, einen zweiten Job aufzunehmen, um ihre Familie versorgen zu können.

Der Streik ist nur ein Vorgeschmack auf das, was uns Ende des Sommers erwarten wird. Die Berliner Krankenhausbewegung hat dem Senat ein Ultimatum gestellt, um ihre Forderungen zu erfĂŒllen. Die RĂŒckfĂŒhrung aller Tochterunternehmen ist ein wichtiger Teil davon. Werden die Forderungen nicht erfĂŒllt, spricht sich ein Großteil der Belegschaft ab Ende August fĂŒr flĂ€chendeckende unbefristete Streiks aus. Verantwortlich fĂŒr das Outsourcing war der rot-rote Senat, der den Schuldenberg Berlins auf dem RĂŒcken tausender BeschĂ€ftigter abgebaut hat.

Seit Jahren schwelt dieser Konflikt und seit Jahren gibt es Streiks dagegen. Zuletzt im FrĂŒhjahr 2018, wo die BeschĂ€ftigten der Vivantes Service GmbH 51 Tage lang gestreikt haben. Dass der Konzern und der Senat nicht in der Lage sein sollen, diese Forderungen zu erfĂŒllen, wie gerne behauptet wird, ist absolut lĂ€cherlich. Erst am Montag schrieb die BZ, dass die ehemalige Vivantes-Chefin Andrea Grebe 614000 Euro jĂ€hrlich kassiert hat. Auch die Bosse vieler anderer landeseigener Unternehmen in Berlin verdienen Hunderttausende im Jahr. Wir hĂ€tten da dementsprechend einen Vorschlag, wo man sich das nötige Geld holen könnte. Drastische Vermögenssteuern, um die Bosse zur Kasse zu bitten, die im Gegensatz zu Millionen Kolleg:innen von der Krise fast nicht getroffen wurden oder sogar noch davon profitiert haben. Warum sollen wir einfach so akzeptieren, dass die Vivantes-Chefin monatlich mehr Geld kassiert hat, als viele Kolleg:innen von Vivantes im ganzen Jahr?

Deshalb mĂŒssen die Streiks schon jetzt ausgeweitet werden. Nicht nur die Tochterunternehmen haben ein Interesse daran, den gleichen Lohn zu kassieren. Sondern alle BeschĂ€ftigten in den KrankenhĂ€usern profitieren von besseren Arbeitsbedingungen und mehr Personal. Die Pandemie hat uns eindeutig vor Augen gefĂŒhrt, wie dramatisch die Situation in den KrankenhĂ€usern ist und schon lange vorher war. Deshalb mĂŒssen alle Kolleg:innen der KrankenhĂ€user zum Streik aufgerufen werden, um den politischen Druck auf den Senat zu erhöhen. Wieso sollten sie erst darauf warten, dass der Senat ein mieses Angebot unterbreitet? Dass die Bereitschaft unter den Kolleg:innen auch gemeinsam mit ihren Kolleg:innen in den Mutterkonzernen zu streiken da ist, haben die Kundgebungen der Krankenhausbewegung der letzten Wochen gezeigt. Und auch BeschĂ€ftigte und Aktive anderer Betriebe und Initiativen waren immer wieder vor Ort. Allen voran die Kolleg:innen von Gorillas und die Aktiven von “Deutsche Wohnen und Co. enteignen”. Die ver.di-FĂŒhrung darf die Streiks nicht lĂ€nger getrennt voneinander halten und muss die AnkĂŒndigung der Krankenhausbewegung, dass ab Ende August alle gemeinsam streiken wirklich wahrmachen. “Ein Betrieb, eine Belegschaft” bleibt sonst nur eine Phrase.

ZusĂ€tzlich dazu erschwert es die FĂŒhrung der ver.di auch anderen, die sich solidarisch mit den KĂ€mpfenden der Tochterunternehmen zeigen wollen, ihre UnterstĂŒtzung kundzutun – obwohl das im Interesse der Streikenden liegen wĂŒrde. Wir von Klasse gegen Klasse waren seit 6 Uhr morgens vor Ort, um die BeschĂ€ftigten beim Streik zu unterstĂŒtzen. Trotz vorheriger Anmeldung durften wir am Ende keinen kurzen zweiminĂŒtigen Redebeitrag halten, um den streikenden Arbeiter:innen der Tochterunternehmen unsere SolidaritĂ€t und die der streikenden BeschĂ€ftigten bei Gorillas, die unter anderem auch fĂŒr bessere Löhne kĂ€mpfen, zu zeigen.

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Quelle: Fau-fl.org