November 17, 2021
Von Der Rechte Rand
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von Margarete SchlĂŒter
Antifa-Magazin »der rechte rand« Ausgabe 189 – MĂ€rz / April 2021

#Macherinnen

Antifa Magazin der rechte rand
Teilnehmerinnen einer »Querdenken«-Demonstration in Berlin 2020
© Mark MĂŒhlhaus / attenzione

Seit knapp einem Jahr gehen Menschen verschiedener Couleur auf die Straße, um gegen die Maßnahmen zur EindĂ€mmung der Corona-Pandemie zu demonstrieren. AuffĂ€llig ist der hohe Anteil der teilnehmenden Frauen. Diese Beobachtung deckt sich mit der an der UniversitĂ€t Basel entstandenen Studie »Politische Soziologie der Corona-Proteste« in Deutschland, der Schweiz und Österreich; der Frauenanteil an der quantitativen Umfrage lag bei ĂŒber 60 Prozent. Den Ergebnissen zufolge stehen sie esoterischem Denken offen gegenĂŒber, weisen der Impfthematik eine große Bedeutung zu und sind in Sorge um ihre Kinder. Auch wenn die bisherige empirische Datengrundlage relativ dĂŒnn ist, ermöglichen die Ergebnisse einen ersten Einblick in das Spektrum der Teilnehmenden an den sogenannten Corona-Protesten.

Der Frage nach möglichen spezifischen BeweggrĂŒnden von Frauen, an den Protesten zu partizipieren, gehen die Soziologin Nadine Frei und die Philosophin Ulrike Nack in einem bisher noch nicht veröffentlichten Aufsatz nach. Sie stellen die theoriegeleitete These auf, dass mit dem Aufbegehren »die fĂŒr die bĂŒrgerlich-kapitalistische Gesellschaft konstitutive vergeschlechtlichte Trennung zwischen privater und öffentlicher SphĂ€re« bejaht werde. Diese These wird anhand der Protestthemen »Impfen« und »Sorge um ihre Angehörigen« diskutiert.

In der generellen Ablehnung des Impfens komme ein romantisiertes NaturverstĂ€ndnis und eine Idealisierung des Weiblichen zum Tragen. Der Vorstellung der Reinheit der Natur mit ihren SelbstheilungskrĂ€ften wird die KĂŒnstlichkeit der Medizin gegenĂŒbergestellt. Diesem VerstĂ€ndnis folgend, stellt der vermeintlich drohende Impfzwang einen Angriff auf die Natur dar. DarĂŒber hinaus sehen sich die Frauen durch sĂ€mtliche staatliche Maßnahmen zur EindĂ€mmung der Corona-Pandemie daran gehindert, der generellen Sorge um Angehörige nachzukommen. Doch warum werden eben jene Maßnahmen abgelehnt, die die Angehörigen schĂŒtzen sollen? Frei und Nack leiten aus ihren AusfĂŒhrungen ab, dass die Sorge der Protestierenden nicht Aufgabe des Staates, sondern die der Frau sei. Es sei eben jene Rolle, die Frauen in patriarchalen Gesellschaften zugeschrieben und ihnen nun zum Teil abgesprochen werde. Damit wohne der Verteidigung der privaten SphĂ€re ein die Gesellschaft gefĂ€hrdendes Moment inne. Dass die ausgefĂŒhrten antiquierten Ideen von Frauen vertreten werden, soll im weiteren Verlauf anhand einiger Beispiele veranschaulicht werden.

Der sogenannte »Multikulturelle Frauenmarsch« – »Kulturalistischer Frauenmarsch« wĂ€re eine passendere Bezeichnung –, an dem am 28. Februar 2021 in Berlin circa 500 Frauen und wenige MĂ€nner teilnahmen, wurde im Vorfeld mit folgenden Worten beworben: »Wir [Frauen] sind tief verwurzelt mit der Erde! Und es ist unsere Aufgabe, sie zu schĂŒtzen und daran zu erinnern. Die Kinder bilden unsere nĂ€chsten Generationen und es ist unsere Pflicht, alles dafĂŒr zu tun, ihnen eine lebendige und sichere Zukunft zu ermöglichen. [
] KontaktbeschrĂ€nkungen und Abstand sind nicht nur schĂ€dlich fĂŒr [sic!] Ausbildung des Immunsystems [sic!] sondern verhindern auch eine freie und gesunde Entwicklung.« Organisiert wurde die Demonstration von Frauen, die laut eigenen Angaben im »kreativen und heilenden« Bereich tĂ€tig sind. Und so wurden auf der Abschlusskundgebung unter anderem esoterische Rituale vollzogen; Reden gehalten, in denen zum Beispiel ein Systemwechsel »hin zu den heiligen Gesetzen des Lebens« gefordert und der »heilige Atem« gegen die Maskenpflicht angerufen wurde.

Auch mit der sogenannten »Frauen Bustour« wollten Frauen aus der »Querdenken«-Bewegung Ende letzten Jahres den coronabedingten Maßnahmen ihre »weibliche Energie« entgegensetzen. Eine der Verantwortlichen, Eva Rosen, gab dem rechten »Compact«-Magazin ein Interview. In diesem stellte sie unter anderem die GefĂ€hrlichkeit des Virus infrage – »eine milde Grippe« –, wetterte in verschwörungsideologischer Manier gegen die Maßnahmen, welche sie als einen »unmenschlichen Vorgang bezeichnete«, durch den »Kinder psychisch traumatisiert« wĂŒrden. Großer Erfolg war der Bustour nicht beschieden. Entweder stieß sie an den jeweiligen Stationen auf eine geringe Resonanz oder wurde vom Gegenprotest begrĂŒĂŸt.

Eine weitere Protagonistin innerhalb der Szenerie ist die YouTuberin Miriam Hudson alias »Hope«, deren Videos in der Vergangenheit immer wieder gesperrt worden sind. Nun ist sie auf Telegram ausgewichen. Hudson sieht sich im â€čWiderstandâ€ș tĂ€tig. Sie sprach auf Veranstaltungen gegen die coronabedingten Maßnahmen, hinter denen sie einen geheimen Plan vermutet – einen »Great Reset«, demzufolge »die Finanzeliten« die Weltwirtschaftsordnung zurĂŒcksetzen wollten. Ihrer Meinung nach wĂŒrden die Menschen in Deutschland in einer Diktatur leben, in der keine freie MeinungsĂ€ußerung möglich sei. Letztlich dienen solche Aussagen der eigenen Viktimisierung und lassen jeglichen Bezug zur RealitĂ€t missen. Und ob die Anfang dieses Jahres getĂ€tigte Aussage, der »Impf-Holocaust« habe angefangen, von der freien MeinungsĂ€ußerung gedeckt ist, ist zu bezweifeln.

Es ließen sich an dieser Stelle noch weitere Beispiele fĂŒr das Agieren von Frauen im Corona-Protest-Milieu anfĂŒhren. Sei es, dass Vergleiche mit wĂ€hrend des Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Frauen bewusst oder unbewusst herangezogen werden, um sich als Opfer zu stilisieren. Oder Antifeministinnen wie Birgit Kelle, die in der aktuellen Situation eine positiv gedeutete Chance der Retraditionalisierung der GeschlechterverhĂ€ltnisse in der privaten SphĂ€re sehen.




Quelle: Der-rechte-rand.de