November 1, 2020
Von Indymedia
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Was jetzt noch bleibt, sind die MassenunterkĂŒnfte (wie am Alten Flughafen). PrivatsphĂ€re gibt es dort nicht. Einen sicheren Ort, um das letzte Hab und Gut einzuschließen, auch nicht. Und einen Ort zum Ruhe finden, oder um Krankheiten aus zu kurieren, schon gar nicht. Immer wieder kommt es zu Konflikten und Betroffene – besonders Frauen – berichten von Machtmissbrauch und Gewalt durch die SicherheitskrĂ€fte. Außerdem schließen jeden Morgen um neun die TĂŒren und die Menschen stehen fĂŒr den Tag wieder auf der Straße. Die WĂŒrde der dort schlafenden Menschen wird permanent mit FĂŒĂŸen getreten.

Viele Wohnungslose gehören zudem wegen chronischer Krankheiten und eingeschrĂ€nktem Zugang zu medizinischer Versorgung zur Corona-Risikogruppe. An Abstand und Hygiene ist bei den Bedingungen in den MassenunterkĂŒnften aber nicht zu denken.
In den kleineren UnterkĂŒnften ist die Situation auch nicht viel besser. PrivatsphĂ€re ist auch hier Mangelware, GĂ€ngeleien durch Angestellte und Sicherheitspersonal gehören zum Alltag und der Corona-Schutz in den vielen Zweibettzimmern ist ungenĂŒgend.
Einige ziehen es wegen der beschissenen Bedingungen in den UnterkĂŒnften vor, in Zelten, Autos, oder sonst irgendwo draußen zu schlafen. Doch die kalte Jahreszeit beginnt gerade erst.

In den Tagestreffs, wo die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden sollen, bleibt nur Platz fĂŒr weniger als ein Viertel der Leute, die dort vor der Corona-Pandemie einen Ort zum AufwĂ€rmen, Kaffee trinken und den Zugang zu Toiletten und Waschgelegenheiten gefunden hatten.

Die Zeit drĂ€ngt, doch die Stadtoberen und die Verwaltung tun so, als wĂŒrde es diese Probleme nicht geben. Selbstzufrieden lehnt man sich im Rathaus lieber zurĂŒck und will sich nach der Schließung der Corona-NotunterkĂŒnfte in Jugendherbergen und Hotels erst im nĂ€chsten Jahr um eine dauerhafte Lösung bemĂŒhen. Wer Corona und den Winter nicht leugnet, sieht aber, dass ein Modellprojekt im nĂ€chsten Jahr keine ernstzunehmende Lösung sein kann.

Die allgemeine Wohnungsnot und der Umgang mit Wohnungslosen sind kein Zufall, sondern Ergebnis der marktförmigen Wohnungspolitik und dem völligen Versagen der Stadt, dieser Entwicklung etwas entgegenzusetzen. WĂ€hrend Investoren und andere Profiteure der Wohnungsnot im Rathaus hofiert werden, bleibt fĂŒr alle, die mit der monatlichen Miete zu kĂ€mpfen haben, und erst recht fĂŒr die, die ihre Wohnung schon verloren haben, nichts als heiße Luft.

Doch damit ist jetzt Schluss! Wir, Betroffene von Wohnungslosigkeit und Menschen aus Sozialen Bewegungen und MietkĂ€mpfen, haben uns zusammengetan, um die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Die Zeit, vor dem Rathaus zu stehen und um WĂŒrde zu bitten, ist vorbei! Wir sehen auch keinen Sinn mehr darin, an irgendwen zu appellieren. Wir wollen nicht mehr diskutieren oder verhandeln. Weder mit dem Wohnungsamt, noch mit dem Baudezernenten oder dem BĂŒrgermeister. Die Probleme wurde oft genug benannt und alle Standpunkte sind ausgetauscht.

Wir stellen den Verantwortlichen der Stadt Hannover hiermit eine Frist bis Ende November.
Wenn bis dahin nicht alle Wohnungslosen, die es wollen, einen Platz in einer wĂŒrdevollen Einzelunterbringung bekommen haben, schreiten wir zur Tat und zeigen, wie unbĂŒrokratisch leerstehende HĂ€user und Wohnungen zu einem Zuhause werden können.

Ein warmes Zuhause mit SchlĂŒssel und eigenem Briefkasten ist das Minimum!
Selbstbestimmte Einzelunterbringung fĂŒr alle Wohnungslosen bis Ende November!

SONST BESETZEN WIR!!!




Quelle: De.indymedia.org