MĂ€rz 2, 2021
Von FAU Dresden
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StreikerklÀrung der LAG MÀdchen* und junge Frauen* in Sachsen e.V.

Alle Jahre wieder machen wir am 8. MĂ€rz auf die Ungerechtigkeiten aufgrund der patriarchalen gesellschaftlichen Ordnung zum Thema.

Ein Jahr Pandemie liegt hinter uns und es hat sich gezeigt, dass Corona soziale Ungleichheiten und die Benachteiligungen marginalisierter Personengruppen in unserer Gesellschaft noch verstÀrkt. Um dem entgegenzuwirken, haben wir bereits im April 2020 eine Stellungnahme mit acht Forderungen veröffentlicht. Diese sind heute immer noch aktuell.

Corona hat außerdem zu Tage gefĂŒhrt, was eigentlich vorher schon klar war: Es sind mehrheitlich FLINTA* (Frauen, Lesben, inter*, nicht-binĂ€re, trans* und agender Personen), die in sogenannten „systemrelevanten“ Berufen, im sozialen, pflegerischen und Bildungs-Bereich arbeiten. Sie (ver)sorgen und tragen unsere Gesellschaft, haben dennoch prekĂ€re Arbeitsbedingungen und werden schlecht bezahlt. Sie arbeiten in Teilzeit, befristet, sind öfter von Altersarmut betroffen oder finanziell abhĂ€ngig von anderen. Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie werden FLINTA* in besonderem Maße treffen.

Auch im privaten Bereich sind es zumeist FLINTA*, die einen Großteil der anfallenden Haus- und Betreuungsarbeit leisten und dies hĂ€ufig unsichtbar und gĂ€nzlich unbezahlt. Im Home Office sei laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung ein Zuwachs der Sorge-Arbeit um 2,6 Stunden pro Tag zu verbuchen, wĂ€hrend die Stunden Anderer gleich geblieben seien.

Doch damit nicht genug, FLINTA* sind auch prozentual mehr von partnerschaftlicher Gewalt betroffen. Laut Bundesministerium fĂŒr Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) waren 2019 knapp 115.000 der insgesamt 141.792 Opfer weiblich* (die Statistik erhebt ausschließlich mĂ€nnlich/weiblich). Bei sexualisierten Übergriffen sind es 98,1 Prozent, bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen 76,4 Prozent. Nicht fĂŒr alle Menschen ist das Zuhause ein sicherer Ort. Dies hat in Zeiten eines Lock-Downs besonders harte Konsequenzen und zieht sich durch alle sozialen Schichten und Alter.

Es sind FLINTA*, die in Zeiten der Pandemie große Lasten tragen. Ihr Belange spielen im sogenannten „Corona-Kabinett“ der Bundesregierung dennoch kaum eine Rolle, denn dieses kommt augenscheinlich auch ohne die Frauen- und Familienministerin aus.

Es gibt viele GrĂŒnde am 8. MĂ€rz in den Streik zu treten!!!

Wir streiken weil



unsere patriarchal, heteronormativ, binĂ€r, rassistisch strukturierte Gesellschaft zu Diskriminierung und Gewalt gegen FLINTA* fĂŒhrt! 

in Zeiten der Krise marginalisierte Personen noch mehr auf ihren Schultern tragen mĂŒssen!

wir Sexismus, Rassismus, Klassismus, Diskriminierung von Menschen, die behindert werden, Marginalisierungen von FLINTA* in der Sexarbeit oder sonstige Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit nicht mehr tolerieren!

wir eine gleichwertige Anerkennung von Lohnarbeit in sozialen Berufen und Bereichen fordern!

unsere emotionale und reproduktive private Arbeit gesehen und aufgewertet werden muss!

Viele Menschen, die soziale Aufgaben ĂŒbernehmen, können nicht einfach in den Streik treten. Eine Arbeit, die sich an Menschen richtet, die möglicherweise darauf angewiesen sind, lĂ€sst sich nicht einfach so niederlegen. Mit unserem Streik, wollen wir auch darauf aufmerksam machen und zeigen uns solidarisch mit all jenen, die sich unseren Forderungen anschließen können!




Quelle: Dd.fau.org