April 2, 2021
Von InfoRiot
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GeflĂŒchtete in Brandenburg/Havel machen Spontan-Kundgebung vor der AuslĂ€nderbehörde. Sozialamt und DRK nehmen GesprĂ€chsangebot an. Integrationsbeauftragte von Stadt und Land vor Ort.

GeflĂŒchtete in Brandenburg/Havel machen Spon­tan-Kundge­bung vor der Aus­lĂ€n­der­be­hörde. Sozialamt und DRK nehmen GesprĂ€ch­sange­bot an. Inte­gra­tions­beauf­tragte von Stadt und Land vor Ort.

“So, wie wir heute hier ste­hen, wĂŒn­schen wir uns die Gesellschaft: GeflĂŒchtete ste­hen mit Deutschen Seite an Seite und arbeit­en als Team“. So eröffnete Eric Mbi­akeu am Dien­stag (30.3.21) eine angemeldete Kundge­bung auf dem NeustĂ€dtis­chen Markt. Ins­ge­samt 100 GeflĂŒchtete sowie 20 UnterstĂŒtzer_innen nah­men teil, auch Frau Lem­mer­meier und Frau Tietz als Inte­gra­tions­beauf­tragte des Lan­des und der Stadt hörten sich die Rede­beitrĂ€ge an.

Von der einge­planten Musik beka­men sie dabei kaum zu hören: Die Bewohner_innen der Sam­melun­terkĂŒn­fte FlĂ€mingstraße und Upstall­straße hat­ten so viel zu sagen, dass die angemelde­ten drei Stun­den durchge­hend mit Rede­beitrÀ­gen und poli­tis­chem Gesang gefĂŒllt waren. Ins­ge­samt bracht­en 13 Men­schen aus neun LĂ€n­dern ihre Sor­gen, Hoff­nun­gen und Forderun­gen zum Ausdruck.

„Wir sind gekom­men, um hier zu bleiben“ stellte etwa Franklin aus Kamerun klar — und ergĂ€nzte: „Wir wollen ein aktiv­er Teil der deutschen Gesellschaft wer­den“. Doch die Leben­strĂ€ume viel­er junger GeflĂŒchteter stĂŒn­den vor ein­er harten Probe: „Wenn du jahre­lang in einem Lagerst wohnst, hörst du auf zu TrĂ€umen“.
Unter den Redner_innen nah­men einige zum ersten Mal an ein­er poli­tis­chen Ver­samm­lung Teil. So etwa ein 17-jĂ€hriger Junge aus Tschetsche­nien: „Ich lebe seit sieben Jahren in Deutsch­land, ich kenne das Land mein­er Eltern kaum. Deutsch­land ist meine Heimat. Aber wegen mein­er Dul­dung darf ich keine Aus­bil­dung anfan­gen. Was soll ich machen?“.

Andere Forderun­gen wie bezahlbares Wohnen, gute öffentliche Mobil­itĂ€t, starkes Inter­net und faire Löhne hĂ€t­ten dabei all­ge­meine GĂŒltigkeit: „Den Kampf um soziale Gerechtigkeit mĂŒssen ja nicht nur die GeflĂŒchteten fĂŒhren: Wir kön­nen nur eine offene und sol­i­darische Gesellschaft wer­den, wenn alle Men­schen gute Lebens­be­din­gun­gen haben — egal ob als deutsche Rent­ner­in, Allein­erziehen­der oder eben als neuer Mit­bĂŒrg­er“, erk­lĂ€rt Josch­ka Waas von See­brĂŒcke Pots­dam die poli­tis­che Hal­tung der Teilnehmenden.

Zwis­chen­drin gab es auch ruhige Momente. Mit ein­er Schweigeminute gedacht­en die Men­schen der jĂŒng­sten Todes­fĂ€lle Bran­den­burg­er Lagerbewohner_innen, darunter Salah Tay­yar. Der Mann aus dem Tschad hat­te sich vor zwei Wochen offen­bar auf­grund der dro­hen­den Abschiebung in Eber­swalde das Leben genommen.
„Wie viele sollen in den Lagern noch an Coro­na, Gewalt und dro­hen­der Abschiebung ster­ben?“, fragte Fiona aus Kenia im Anschluss sichtlich bewegt in den Raum. „No Jus­tice – No Peace“ („Ohne Gerechtigkeit – Kein Frieden“) und „Stopp Duldung!“-Sprechchöre waren die Antwort.
In Absprache mit der ĂŒber­aus fre­undlich auftre­tenden Ein­sat­zleitung der Polizei tru­gen einige der Kundgebungsteilnehmer_innen daraufhin spon­tan mit Schildern ihre Forderun­gen vor die Aus­lĂ€n­der­be­hörde der Stadt. „Wir suchen kein Prob­lem mit der Stadt, son­dern Möglichkeit­en fĂŒr eine Besserung“, brachte Serges aus Kamerun dort mit Mega­fon zum Ausdruck.

Am Ende zeigten die Veranstalter_innen sehr zufrieden mit der Aktion. „Wir kon­nten 200 Infor­ma­tion­szettel an inter­essierte Brandenburger_innen verteilen und freuen uns ĂŒber das Presse-Echo“, freute sich Eric Mbi­akeu als Anmelder der Demon­stra­tion. Dass die Leitung von Sozialamt und DRK ihr GesprĂ€ch­sange­bot auf­greifen, nehmen sie pos­i­tiv zur Ken­nt­nis. An den Dia­log haben sie konkrete Erwartun­gen: „Es muss kurz- und mit­tel­fristige Maß­nah­men fĂŒr wesentliche Besserung geben“, stellt Mbi­akeu klar. Die Leute stellen sich auf einen lan­gen und schwieri­gen Weg ein. „Wir wer­den auch auf der Straße weit­erkĂ€mpfen, bis wirk­lich etwas erre­icht ist“, kĂŒndigt Franklin aus Kamerun am Ende der Ver­anstal­tung an.

Und auch ĂŒber­re­gion­al soll es weit­erge­hen: Schon am 6. April wollen einige der GeflĂŒchteten nach Eber­swalde fahren, um an der dor­ti­gen Gedenk-Demon­stra­tion fĂŒr Salah Tay­yar teilzunehmen.






Quelle: Inforiot.de