Oktober 13, 2021
Von InfoRiot
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Extremismus

Wirbel um Grab: Kirche will jĂŒdischstĂ€mmigen Forscher ehren

Aktualisiert: 13.10.2021, 14:48

| Lesedauer: 2 Minuten


Das Grab von Max Friedlaender (r), ein Musikwissenschaftler jĂŒdischen Glaubens, auf dem SĂŒdwestkirchhof Stahnsdorf.

Das Grab von Max Friedlaender (r), ein Musikwissenschaftler jĂŒdischen Glaubens, auf dem SĂŒdwestkirchhof Stahnsdorf.

Foto: dpa

Die Beisetzung eines Holocaust-Leugners auf dem Grab eines jĂŒdischstĂ€mmigen Wissenschaftlers hat bundesweit fĂŒr Entsetzen gesorgt. Die Evangelische Kirche wusste, um wen es sich bei der Beerdigung handelte. Sie will den Schaden nun aufarbeiten.

Berlin/Stahnsdorf. Die Evangelische Kirche will den jĂŒdischstĂ€mmigen Wissenschaftler Max Friedlaender nach der Beisetzung eines Holocaust-Leugners auf seiner ehemaligen GrabstĂ€tte in Stahnsdorf besonders wĂŒrdigen. “Es gibt das Bestreben, auf dem Friedhof Friedlaenders Andenken zu ehren”, sagte eine Sprecherin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) am Mittwoch. Mit Blick auf die Beisetzung bemerkte sie: “Wir arbeiten mit Hochdruck daran, diesen Fehler zu korrigieren.”


Der Holocaust-Leugner wurde nach Angaben der EKBO am vergangenen Freitag auf dem SĂŒdwestkirchhof Stahnsdorf in Brandenburg auf der ehemaligen GrabstĂ€tte Friedlaenders im Beisein von AnhĂ€ngern beigesetzt. Das Grab des jĂŒdischstĂ€mmigen Protestanten (1852-1934) sĂŒdwestlich von Berlin stand 1980 zur Wiederbelegung frei. Der Grabstein steht noch immer, weil er unter Denkmalschutz steht. Landesbischof Christian StĂ€blein hatte sich entschuldigt und eine PrĂŒfung angekĂŒndigt, wie der Vorgang rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden kann – die Beerdigung lĂ€sst sich laut Kirche nicht rĂŒckgĂ€ngig machen.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, kritisierte die Beisetzung als Fehler. “Es ist tatsĂ€chlich ein Ă€ußerst unglĂŒcklicher Fehler, der hier unterlaufen ist”, teilte Klein der Deutschen Presse-Agentur mit. “Ich habe bereits mit den Beteiligten gesprochen und die Verantwortlichen haben glaubhaft versichert, den Fall grĂŒndlich intern aufzuarbeiten.” Sie planten, Strukturen zu schaffen, damit so etwas nicht mehr passiere.

Die Landeskirche und die Friedhofsverwaltung wussten nach eigenen Angaben, dass es sich um einen Holocaust-Leugner handelte. Die EKBO entschied, die Anfrage nach einer GrabstĂ€tte in Stahnsdorf nicht abzulehnen, da jeder Mensch ein Anrecht auf eine letzte RuhestĂ€tte habe. Der Mann wĂŒnschte sich laut Kirche eine zentrale Grabstelle. Nach seinem Tod habe sein BevollmĂ€chtigter im August eine GrabstĂ€tte erworben, die vom Friedhof wieder entzogen wurde, weil im zentralen Bereich viele GrĂ€ber jĂŒdischer Verstorbener lĂ€gen. Auf Grundlage des Bestattungsregisters, in dem Friedlaender mit evangelischer Konfession steht, habe die Kirche dann eine dezentrale Grabstelle gewĂ€hlt, damit sich keine Anlaufstelle fĂŒr Rechtsextreme bilde.

Die Beisetzung sorgte bundesweit fĂŒr Empörung, unter anderem beim Zentralrat der Juden in Deutschland. Der Antisemitismusbeauftragte von Berlin, Samuel Salzborn, erstattete Strafanzeige gegen unbekannt wegen des Verdachts der Störung der Totenruhe. Die Fachstelle Antisemitismus Brandenburg forderte eine Umbettung.

© dpa-infocom, dpa:211013-99-580378/3





Quelle: Inforiot.de