Oktober 13, 2021
Von Soligruppe FĂŒr Gefangene
271 ansichten


Gefunden auf publicación refrectario, die Übersetzung ist von uns

Worte der anarchistischen GefÀhrtin Mónica Caballero aus dem San-Miguel-GefÀngnis

In dieser Woche ist es acht Jahre her, dass verschiedene Gruppen der Cruz Negra Anarquista (CNA)1 und verschiedene IndividualitÀten auf der ganzen Welt die Initiative ergriffen haben, eine Woche der internationalen SolidaritÀt mit inhaftierten Anarchist*innen zu halten, und dass diese Woche mit dem Jahrestag der legalen Ermordung der Anarchisten Bartolomeo Vanzetti und Nicola Sacco durch die US-Regierung im Jahr 1927 zusammenfÀllt.

Die offizielle Geschichte, die von den Herrschenden sowie der fortschrittlichen demokratischen Linken und einem Teil des Anarchismus geschrieben wurde, war vor allem darauf bedacht, ein Opferbild von Sacco und Vanzetti zu zeichnen, das weit entfernt ist von jeglicher illegaler Praxis. All dies beruht auf dem EingestĂ€ndnis des amerikanischen Justizapparats, dass es zahlreiche UnregelmĂ€ĂŸigkeiten in dem Strafprozess gab, in dem Sacco und Vanzetti verurteilt wurden, und dass sie rechtlich „unschuldig“ waren (eine Information, die erst viele Jahre nach der Ermordung der GefĂ€hrten bekannt wurde). Wahrscheinlich hatten die GefĂ€hrten nichts mit der Enteignung von South Braintree zu tun, was wichtig zu wissen und sichtbar zu machen ist, so wie es auch wichtig ist, zu betonen, dass Sacco und Vanzetti Anarchisten der Aktion waren, die antiautoritĂ€re Ideen propagierten und verschiedene illegalistische Praktiken ausĂŒbten.

In dem Gebiet, das wir die USA nennen, gab es in den frĂŒhen 1900er Jahren verschiedene informelle anarchistische Gruppen, die sich fĂŒr Enteignungen und die Verbreitung herrschaftsfeindlicher2 Ideen einsetzten. Nicola und Bartolomeo waren in einer dieser Gruppen aktiv, und zwar in der Gruppe um die Zeitung „Cronaca Sovversiva“. Diese letzten Elemente hat „die offizielle Geschichte“ ausgelassen, so wie sie auch besonders darauf geachtet hat, die internationale SolidaritĂ€t, die die GefĂ€hrten 1927 erfuhren, nicht zu erwĂ€hnen. Es gab zahlreiche Demonstrationen zur Ablehnung des politischen, juristischen und polizeilichen Prozesses an verschiedenen Orten sowie Sprengungen im Namen von Sacco und Vanzetti, von denen die Aktion zur Zerstörung des italienischen Konsulats in Buenos Aires eine der bekanntesten war.

Es ist kein Zufall, dass diejenigen, die die Macht sowie ihre falschen Kritiker*innen stĂŒtzen, die Geschichte von Sacco und Vanzetti benutzen und erfinden, es ist sicher nicht das erste Mal und wird nicht das letzte Mal sein. Die Repressionsapparate des Staates brechen stĂ€ndig mit ihrer eigenen LegalitĂ€t: Sie inszinieren FĂ€lle und Ermittlungen, vergewaltigen, foltern und vieles mehr
 Diese Praktiken sollten uns, die wir uns als Feinde der Hegemonie der Herrschaft positionieren, nicht ĂŒberraschen
 Das Vertrauen in die demokratische LegalitĂ€t des Staates ist nicht Teil meines politischen Aufbaus. Das bedeutet nicht, dass ich die MissbrĂ€uche, die die Staatsgewalt tagtĂ€glich ausĂŒbt, naturalisieren will; all dies sichtbar zu machen ist nicht dasselbe wie ein Opfer zu sein.

Ich sehe eine Woche der SolidaritĂ€t speziell mit anarchistischen Gefangenen als eine weitere Gelegenheit, sichtbar zu machen, was hinter den hohen Mauern passiert. FĂŒr mich ist das GefĂ€ngnis ein weiteres Szenario der Konfrontation, das in den kleinsten und alltĂ€glichsten Dingen zu spĂŒren ist.

Der erste Schritt, den ich in einem GefĂ€ngnis gemacht habe, ist lange her, und seitdem habe ich nie aufgehört, die SolidaritĂ€t meiner GefĂ€hrt*innen zu spĂŒren, diese SolidaritĂ€t, die ich in einer brĂŒderlichen/schwesterlichen Umarmung oder in einem schönen aufstĂ€ndischen Licht auf irgendeinem Symbol der Herrschaft erfahren habe.

94 Jahre nach dem Justizmord an den Anarchisten Sacco und Vanzetti ist nichts und niemand vergessen.

Diejenigen, die gegen die Macht kÀmpfen, werden immer in Erinnerung bleiben.




Quelle: Panopticon.blackblogs.org