Januar 10, 2022
Von Emrawi
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Unter den Teilnehmenden befanden sich auch Aktivist*innen verschiedener Proteste, die sich an anderer Stelle fĂŒr den Erhalt von WĂ€ldern und Dörfern engagieren, wie im Hambacher Wald, bei Kassel oder in LĂŒtzerath im Rheinischen Braunkohlerevier.

Auch die Wuppertaler Klimagerechtigkeits- Gruppe DAR JÎN (kurdisch fĂŒr „Lebensbaum“), organisiert bei Ende GelĂ€nde, zeigte PrĂ€senz mit einem eigenen Transparent. Mit dabei war auch eine Ortsgruppe der Basisgewerkschaft FAU, die in letzten Zeit auch Fahnen in den Farben lila-schwarz (anarcha-feministisch) und dieses Mal, zum Anlass passend, die grĂŒn-schwarze Variante (öko-anarchistisch) mit sich fĂŒhrte.

Parteiwerbung fiel dagegen nicht auf. Auf einigen Transparenten, Pappschildern oder auf phantasievoll gestalteten grĂŒnen Regenschirmen wurde verkĂŒndet, dass alle WĂ€lder und insbesondere das Osterholz bleiben sollen und dabei, wirklich „Jeder Baum zĂ€hlt“. Auf Englisch war zu lesen: ItÂŽs not economy. ItÂŽs ecology, sowie die Forderung: Planet over profit.

Auch viele BĂŒrger*innen unterschiedlicher Altersstufen aus Wuppertal und der nĂ€heren Umgebung, beteiligten sich am Protest.

Die Auftaktkundgebung wurde von vier Musiker*innen der bereits 1977 gegrĂŒndeten Wuppertaler Politsatire-Combo Fortschrott musikalisch begleitet. Zwei Bandmitglieder sind beim Protest regelmĂ€ĂŸig dabei und sie haben auch die Osterholz bleibt – Hymne (frei nach dem Rauchhaussong von Ton Steine Scherben) beigesteuert. Die seit 1986 bestehende, offene Musik- und Aktionsgruppe „Lebenslaute“ gab ein kurzes Konzert im BahnhofsgebĂ€ude und trat spĂ€ter auch im Wald auf.

Die Vertreterin der BĂŒrgerinitiative „Osterholz bleibt“ rechnete in ihrer Rede erneut mit politischen Parteien und NaturschutzverbĂ€nde ab, die sich kaum fĂŒr den Erhalt des WaldstĂŒckes eingesetzt haben. Die GrĂŒnen, die in Wuppertal den OberbĂŒrgermeister stellen, der bei der letzten Wahl auch der Kanidat der CDU gewesen ist, wollen sich als ökologische Partei verstanden wissen. Um sich ein Bild von einer Partei, wie die GrĂŒnen zu machen, musste nicht einmal darauf eingegangen werden, dass sie selbst im Jahre 2019 im Ausschuss Stadtentwicklung, Wirtschaft und Bauen, bis auf eine Enthaltung, fĂŒr die Rodungen im Osterholz gestimmt haben. Nach geheimer Absprache mit dem Unternehmen Oetelshoven sehe der grĂŒne OberbĂŒrgermeister die Rodungen als alternativlos an. In ihrer Stellungnahme behaupte die Partei, dass Waldschutz fĂŒr sie erste PrioritĂ€t besitzen wĂŒrde. Sie verstecke sich hinter gesetzliche Bestimmungen, die aktuell eine Rettung des Waldes nicht hergeben wĂŒrden.

Die Rede verdeutlichte auch, dass bestehende Vorschriften fĂŒr Klimaschutz durch vollkommen gegensĂ€tzliche, wirtschaftliche Interessen sichernde Gesetze ausgehebelt werden. Ein kleiner Wald verfĂŒgt halt ĂŒber keine Lobby und ökologische Interessen sind ökonomischen Interessen untergeordnet. Wenn jetzt das Oberverwaltungsgericht in MĂŒnster feststelle, dass fĂŒnf Hektar Mischwald keine Relevanz fĂŒr den Klimaschutz besitzen wĂŒrden, werde der Gesamtzusammenhang vollkommen verkannt. Selbst auf Wuppertaler Stadtgebiet begrenzt, sind in naher Zukunft mehrere Gebiete gefĂ€hrdet, gerodet zu werden.

Auch wurde darauf hingewiesen, dass die Stadt Haan 2019 eine Rodung auf ihrem Stadtgebiet abgelehnt hĂ€tte, weshalb dort keine BĂ€ume gefĂ€llt werden. Durch diese Aussage angeregt, fiel der Beifall fĂŒr die Stadtverantwortlichen auf der Kundgebung dennoch zu euphorisch aus. Im Jahre 2013 hat die Stadt Haan noch selbst auf einen Einspruch gegen eine Rodung von 3,5 ha des Osterholzes verzichtet.

Eingegangen wurde in der Rede der BĂŒrgerinitiative erneut auf die Farce des Runden Tisches. Er wurde mit der Absicht eingerichtet, um gemeinsam Alternativen zu entwickeln, die den Wald retten wĂŒrden. Nachdem Politik und Unternehmen, in geheimer Absprache, sich fĂŒr die Rodung entschieden haben, ist dieses Treffen obsolet geworden. Die Firma Oetelshoven selbst hat ihre Teilnahme folgerichtig lĂ€ngst aufgekĂŒndigt. Dass politische Kreise, wie der grĂŒne OberbĂŒrgermeister, diese GesprĂ€che mit engagierten Anwohner*innen des Osterholzes und der BĂŒrger*inneninitiative dennoch fortsetzen wollen, ist nicht nur reine PR. Es ist wohl auch der plumpe Versuch, auf den Protest Einfluss zu nehmen und ihn damit erfolgreich zu spalten.

Doch diese Spaltung wird nicht gelingen! Das sollte den fĂŒr RĂ€umung und Rodung Verantwortlichen lĂ€ngst klar sein und wurde am 2. Januar noch einmal deutlich belegt. Nachdem die CDU vom bĂŒrgerlichen Teil des Protests forderte, sich von den radikalen Waldbesetzer*innen zu distanzieren, erneuerte die Rednerin der BĂŒrgerinitiative ihre SolidaritĂ€t. Es wurde betont, dass ohne die Besetzung schon im Herbst 2019 gerodet worden wĂ€re. Deshalb scheine es die einzige Aktionsform zu sein, um diesen Wald zu erhalten.

Außerdem wurden die Zuhörenden darĂŒber informiert, dass Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht wird. Von der Firma Oetelshoven und den politischen verantwortlichen Stellen werde erwartet, dass wenigstens diese Entscheidung vor Aufnahme der Rodungsarbeiten noch abgewartet wird.

WĂ€hrend der Auftaktkundgebung wurde auch Geld fĂŒr Aktivist*innen des Osterholzes gesammelt, die von Repression betroffen sind. Hintergrund ist, dass im Rahmen der Osterholz-Bleibt Demo am 12. Juni in der Innenstadt von Wuppertal mehrere Demonstrierende polizeilich kontrolliert wurden, die der Waldbesetzung zugerechnet wurden. Drei Personen sind damals sogar zeitweise in Gewahrsam genommen worden, mit dem VorwĂŒrfen, gegen Corona-Auflagen verstoßen zu haben, aber auch, dass sie sich vermummt hĂ€tten.

Anschließend zog der Demonstrationszug ins 3 km entfernte Osterholz. Der Waldspaziergang endete in der NĂ€he der Besetzung und wurde mit zwei grĂŒnen Rauchfackeln willkommen geheißen. In ihrer Rede ging die Ortsgruppe Fridays for Future Wuppertal auf das von der Stadt Wuppertal im Auftrag gegebene Klimagutachten des Deutschen Wetterdienstes ein. Der Temperaturanstieg betrĂ€gt demnach seit 1961 bereits 1.4 Grad. Die Auswirkungen seien nicht abstrakter Natur. Schon jetzt weiche das heutige Erleben der jĂŒngeren Generation erheblich von ErzĂ€hlungen der Eltern ab, fĂŒr die extreme Hitzetage noch Ausnahmeerscheinung waren. Was die menschengemachte Klimakatastrophe global bedeutet, ist lĂ€ngst wissenschaftlich untermauert.

Die Ortsgruppe Wuppertal von Scientist for Future ging ergĂ€nzend auf die Bedeutung kleiner WaldflĂ€chen fĂŒr das Klima einer Stadt wie Wuppertal hervor, die kĂŒhlend wirkem. WĂ€hrenddessen die bestehenden Gruben und Halden Hitzeinseln sind. (siehe auch ihre aktuelle Veröffentlichung dazu.

Ein Mitglied der Armin T. Wegner Gesellschaft, stellte nicht nur fest, dass der 1886 in Elberfeld geborene, pazifistische Schriftsteller und MitbegrĂŒnder des „Bundes der Kriegsdienstgegner” (Organisation von radikalen Kriegsdienstverweiger*innen) bereits zu seiner Zeit die schlimmen Auswirkungen des Raubbaus an der Natur vorausgesehen hat und konnte das mit einigen Textzeilen belegen. In der Rede wurde auch betont, dass der Protest inzwischen international angekommen ist, weil sich z.B. auch die us-amerikanische Schwestergesellschaft dafĂŒr interessiere. Dass der Kampf um das Osterholz lĂ€ngst ĂŒberregionale Bedeutung hat, lĂ€sst sich auch anhand zahlreicher Informationstexte ĂŒber den Kampf um den Erhalt des Osterholzes auf verschiedenen anarchistischen und libertĂ€ren Internetseiten wie A las barricadas, Contra Madriz, Squat.net, Indymedia Netherlands, Indymedia Athens, Anarchist News, Crime Think oder auch ItÂŽs going down belegen. Wie auch die anarchistischen Besetzer*innen selbst immer regelmĂ€ĂŸig ihre SolidaritĂ€t mit Ă€hnlichen globalen direkten Aktionsfomen ausdrĂŒcken.

ErwĂ€hnt werden sollte auch, dass die Gruppe Lebenslaute im Wald auch ein selbst getextes Lied fĂŒr „Ella“ vorgetragen hat, die sich seit dem 26.11.2020 in Haft befindet. Sie hatte mit vielen anderen gegen die Rodung des Dannenröder Waldes protestiert, der einer Autobahn weichen sollte. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass eine RĂ€umung immer auch neue FĂ€lle von Repression bedeutet, die SoldiaritĂ€tsarbeit erforderlich macht. Das Video zum Beitrag wurde auf kolektiva.media hochgeladen.

Der WaldpĂ€dagoge, der im Hambacher Wald und den gefĂ€hrdeten Dörfern die WaldspaziergĂ€nge organisiert, wies gegen Ende noch einmal auf die Hoffnung hin, dass es in der letzten Zeit auch immer Grund zum Feiern von Erfolgen gegeben hĂ€tte. Die Möglichkeit, dass das schöne Osterholz, fĂŒr das sich inzwischen so erfreulich viele einsetzen, erhalten bleibt, bestehe immer noch.

Ein Teil des Waldspaziergangs stattete der Waldbesetzung noch einen Besuch ab. Dabei unterstĂŒtzen sie auch aktiv die laufende Vorbereitungsarbeiten auf die zu befĂŒrchtende RĂ€umung der Strukturen und der Rodungen im Anschluss.

Bei Interesse kann sich auf folgenden Seiten ĂŒber die aktuelle Entwicklung informiert werden:

https://jederbaumzaehlt.noblogs.org/

https://osterholzbleibt.org/

https://enough-is-enough14.org/














Quelle: Emrawi.org