Januar 3, 2022
Von Contraste
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»Manche meinen, wir sind an Großereignissen und Medienwirkungen interessiert. Wir aber haben gelernt, dass Samen getauscht und gesĂ€t werden, im Alltag wachsen, im eigenen Boden, mit dem Wissen jeder und jedes Einzelnen.« (aus der Rede des »Geschwaders 421« anlĂ€sslich ihrer Ankunft im spanischen Vigo)

Heinz Weinhausen, Redaktion Köln

FĂŒr viele Initiativen von links und unten war es DAS Ereignis im Jahre 2021. Trotz aller Widrigkeiten kamen sie fĂŒr drei Monate nach Europa, die Delegationen der Zapatistas und des CNI, des indigenen mexikanischen Kongresses. ZunĂ€chst kamen sie zu siebt gesegelt, dann zu 177 Companer@s mit dem Flugzeug. Ein Einziger aus der Bewegung hatte vor Jahren die Idee zur »Gira por la Vida«, der Reise fĂŒr das Leben zu allen Kontinenten, so erzĂ€hlte es Subcomandante MoisĂ©s von der EZLN (Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung) in Frankfurt. Nachdem die Vision des Einzelnen nach und nach zum gemeinsamen Plan herangereift war, wurde sie zur Konsensstimme der autonomen zapatistischen Gemeinden.

Die Mutter Erde ist bedroht, sagen die Indigenas in Chiapas. Wir haben nur eine Erde, sagen die Klimabewegten in Europa wie auf anderen Kontinenten. Da liegt es auf der Hand, dass WIR zusammenwachsen gegen einen sehr mĂ€chtigen Gegner, das heutige neoliberale kapitalistische System, das nicht imstande ist, sich vom Wachstum um des Wachstums willen zu verabschieden. Die Zapatistas sind gekommen, um von den Aktiven hier zu lernen, sie sind aber auch gekommen, um ihre Erfahrungen aus 27 Jahren Aufstand und Autonomie einzubringen: Rebellion und Widerstand. Rebellion heißt fĂŒr sie, unbeugsam zu sein und stets gegen die Auswirkungen des gnadenlosen Neoliberalismus zu kĂ€mpfen. Widerstand heißt fĂŒr sie, den Kapitalismus nicht mehr zu machen, sprich sich dem System der Lohnarbeit zu entziehen und eine solidarische Ökonomie und Eigenversorgung aufzubauen. Letzteres ist sicherlich der Pferdefuß der Bewegungen in Europa. Sehr viele Menschen demonstrieren und kĂ€mpfen, wobei der Akteur stets der Staat, die schlechte Regierung ist, die etwas nicht tun soll oder etwas umsetzen soll. Nur wenige von ihnen kĂ€mpfen fĂŒr ihren Einstieg in anderes Wirtschaften hin zu einem alltĂ€glich vernetzten Miteinander. Die Dimension, sich darĂŒber hinaus auch noch gut selbst regieren zu wollen, ist in Europa Neuland geblieben, obwohl in Chiapas mehr als 100.000 Companer@s – gewöhnliche Menschen, teils ohne Schulausbildung – dies Jahr fĂŒr Jahr leben. Auf ihrer Reise fĂŒr das Leben konnten die Zapatistas viel von unserem »eigenen Boden« kennenlernen, wir könnten von ihnen lernen, uns regional und europaweit auf allen Ebenen fĂŒr das Leben zu organisieren.

Im Schwerpunkt erzÀhlen Aktivist*innen aus einigen der vielen Reisevorbereitungsgruppen von ihren Begegnungen mit den Indigenas und wie sie in der Reisevorbereitung mitwirkten. Es sind subjektive Bilder, kein reprÀsentatives Gesamtbild der Reise. In nÀchster Zeit werden sicherlich noch weitere in den sozialen Medien dazu kommen. Zahlreiche Empfehlungen zur zapatistischen Bewegung laden zum Weiterlesen ein.

Titelbild: SSM-Köln: Die »Reise fĂŒr das Leben« wird begrĂŒĂŸt. Foto: Wolfgang Hippe


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Quelle: Contraste.org