Januar 4, 2022
Von InfoRiot
147 ansichten


Bei Corona-Protesten gibt es teilweise Ausschreitungen und Gegendemonstrationen. In Berlin skandieren Demonstranten ‚ÄěL√ľgenpresse‚Äú vor dem ZDF-Hauptstadtstudio.


Protest gegen Corona-Ma√ünahmen in Gera (Th√ľringen)Foto: dpa/Bodo Schackow

Am Montagabend haben erneut zehntausende Menschen in der gesamten Bundesrepublik gegen die geltenden Corona-Ma√ünahmen und eine drohende Impfpflicht demonstriert ‚Äď oft bei nicht genehmigten sogenannten Spazierg√§ngen, die die Teilnehmer √ľber den Messengerdienst Telegram koordiniert haben. Dabei kam es in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Hessen zu Ausschreitungen gegen√ľber Einsatzkr√§ften und Beamten. Vielerorts gab es zahlreiche Aufz√ľge von Gegendemonstrationen.

Der Trend der sogenannten dezentralen Mobilisierung von Ma√ünahmengegnern und Verschw√∂rungsideologen h√§lt an. Das Kalk√ľl dahinter: Statt Gro√üdemonstrationen in Metropolen anzumelden, wird zur selben Uhrzeit am selben Tag √ľberall in Deutschland demonstriert. Ein Gro√üteil der Versammlungen ist unangemeldet, doch die Polizei kann nicht √ľberall gleichzeitig mit der erforderlichen Anzahl an Kr√§ften sein.

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier f√ľr Apple- und Android-Ger√§te herunterladen k√∂nnen.]

Als bundesweiter Vorreiter des Modells gelten die rechtsextremen ‚ÄěFreien Sachsen‚Äú, die bereits im November zu √ľber 70 parallel stattfindenden Versammlungen an Montagabenden im Freistaat aufriefen. Auch am Montag wurden zahlreiche nicht genehmigte Proteste in Sachsen von der Polizei unterbunden.

Ein Polizist erlitt eine Bissverletzung

In Freiberg im Erzgebirge durchbrachen Demonstranten Polizeiketten und lieferten sich Auseinandersetzungen mit Beamten. Im s√§chsischen Lichtenstein wurden laut Polizei Beamte attackiert. Demnach hatten sich in einen Pulk von etwa 200 Demonstranten etwa 60 gewaltbereite junge Leute gemischt. Insgesamt seien 14 Beamte verletzt worden. ‚ÄěEine Person versuchte, einem Beamten die Dienstwaffe zu entrei√üen und ein Polizist erlitt eine Bissverletzung durch einen Teilnehmer der Versammlung‚Äú, teilte die Polizei weiter mit.

Allein in Bautzen kamen laut Polizeiangaben bis zu 1000 Menschen zusammen. In der osts√§chsischen Stadt, in der eine Woche zuvor zw√∂lf Polizisten im Einsatz verletzt wurden, hatten sich zwei Demonstrationsz√ľge formiert. Wie ein Polizeisprecher auf Anfrage mitteilte, konnten beide Aufz√ľge gestoppt werden. Die Lage sei √ľbersichtlich geblieben, hie√ü es. Vereinzelt waren B√∂ller zu h√∂ren.

In Sachsen-Anhalt folgten ebenfalls tausende Impfgegner den bei Telegram verbreiteten Aufrufen. Am Montagabend fanden auch in Magdeburg Proteste statt, bei denen mehrere Polizisten durch Demonstranten k√∂rperlich attackiert wurden. Die Polizeiinspektion sprach von durchbrochenen Polizeiketten, Flaschenw√ľrfen auf Beamte und Pyrotechnik. Nach ersten Erkenntnissen wurden aber keine Polizisten verletzt. In der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt hatten sich laut Polizei etwa 2500 Menschen versammelt. Die Versammlung sei wie die meisten im Gebiet der Polizeiinspektion nicht angezeigt gewesen.

‚ÄěDie Presse soll zum Schweigen gebracht werden‚Äú

Auch in Berlin gingen am Abend hunderte Menschen auf die Stra√üe ‚Äď in allen zw√∂lf Berliner Bezirken. Die Demonstranten koordinieren sich √ľber lokale Telegram-Gruppen, die f√ľr jeden Stadtteil zu finden sind. Die gr√∂√üten Versammlungen fanden nach Tagesspiegel-Informationen am Montagabend in Tegel und Pankow statt, wo jeweils etwa 600 bis 400 Menschen auf die Stra√üe gingen.

In Marzahn, Köpenick und Schöneberg waren ebenfalls hunderte Menschen auf der Straße. Ein unangemeldeter Demonstrationszug vom Rathaus Schöneberg zum Nollendorfplatz wurde von Polizisten am Winterfeldtplatz teilweise gestoppt, auch in der Altstadt Spandau setzte die Polizei einzelne Demonstranten fest.

In Mitte begann um 18:30 Uhr ein Demonstrationszug vom Alexanderplatz zum ZDF-Hauptstadtstudio Unter den Linden, der die zweite Woche infolge vom Berliner Rechtspopulisten Eric Graziani der rechtsextremen Gruppierung ‚ÄěPatriotic Opposition Europe‚Äú angemeldet wurde und sich ebenfalls gegen die Corona-Politik richtete. W√§hrend die ZDF-Dependance von einer Polizeikette gesch√ľtzt wurde, skandierten die etwa 200 Demonstranten ‚ÄěL√ľgenpresse‚Äú und ‚ÄěIhr seid Schuld‚Äú.

Anmelder Graziani w√ľnschte sich in einer Rede vor dem √∂ffentlich-rechtlichen Rundfunkgeb√§ude, dass ‚Äědie Presse zum Schweigen gebracht wird‚Äú. Im Nebensatz f√ľgte der Rechtspopulist hinzu: ‚ÄěNat√ľrlich friedlich.‚Äú 

Stadtweit fanden gleichzeitig Gegenproteste gegen die Aufm√§rsche statt. Am Rathaus Pankow demonstrierten die sogenannten ‚ÄěOmas gegen Rechts‚Äú, vor dem Rathaus Neuk√∂lln die Initiative ‚ÄěGeradedenken‚Äú, die sich via Twitter √ľber polizeiliche Platzverweise f√ľr ihre Unterst√ľtzer beklagte, w√§hrend knapp hundert Corona-Demonstranten unangemeldet, aber angeblich von der Polizei unbehelligt, √ľber die Sonnenallee zum Hermannplatz laufen konnten.

Die Berliner Polizei war am Abend nicht f√ľr eine Stellungnahme zu erreichen. Auch an der Prenzlauer-Berger Gethsemanekirche fand erneut ein Gegenprotest von Anwohnern und Gemeindemitgliedern statt, die sich die dritte Woche hintereinander gegen die Instrumentalisierung der Friedlichen Revolution durch Querdenken-Demonstranten vor dem historischen Gotteshaus wehrten.

W√§hrend sich vor wenigen Wochen noch √ľber hundert Ma√ünahmengegner vor der Kirche versammelten, gelang es den Anwohnern durch den Gegenprotest offenbar, gr√∂√üere Ansammlungen des Querdenken-Klientels im neuen Jahr in der Stargarder Stra√üe zu verhindern.

Auch in Brandenburg gab es in dutzenden Orten meist unangemeldete Versammlungen. Der gr√∂√üte Protest konnte sich in Cottbus trotz Verbots mit √ľber tausend Menschen durch die Innenstadt in Bewegung setzen. Vielerorts waren Gegenaktionen angek√ľndigt. In Potsdam hatte am Montag das B√ľndnis ‚ÄěPotsdam bekennt Farbe‚Äú aufgerufen, den Gegnern der Corona-Ma√ünahmen nicht die Stadt zu √ľberlassen.

[Lesen Sie auch: Tausende bei Corona-Protesten in Cottbus ‚Äď Polizei spricht von einem ‚Äěunangemeldeten Spaziergang‚Äú (T+)]

Oberb√ľrgermeister Mike Schubert (SPD) sagte auf einer Kundgebung, die Menschen machten mit ihrer Anwesenheit deutlich, dass es nicht nur den Protest gegen die aktuellen Ma√ünahmen gebe. Das Miteinander auf einer angemeldeten Demonstration zeige, dass es m√∂glich sei, seine Meinung zu √§u√üern, ohne gegen Regeln oder Gesetze zu versto√üen.

17.000 Menschen protestieren in Th√ľringen

Mehr als 17.000 Menschen beteiligten sich laut Polizei in Th√ľringen an unangemeldeten Protesten gegen Corona-Schutzma√ünahmen. Die Landespolizeidirektion ging davon aus, dass diese Zahl im Laufe des Abends noch f√ľnfstellig wird. Es kam teils zu Rangeleien, ‚Äěaggressiven Auftreten‚Äú einiger Demonstranten und ‚Äěverbalen Attacken‚Äú zwischen zwei Gruppen. In Erfurt setzten die Beamten deshalb Pfefferspray ein.

In Weimar mussten sie zwei Lager voneinander trennen, als etwa 20 Menschen versuchten, einen Aufzug aus etwa 150 Personen zu stoppen. Die meisten Teilnehmer habe man in Gera gezählt Рrund 2000. In Altenburg und Saalfeld kamen nach Schätzungen der Polizei jeweils etwa 1000 Demonstranten, in Nordhausen 500. Es handelte sich in allen Fällen um sogenannte Spaziergänge Рalso keine angemeldeten Versammlungen.

In Mecklenburg-Vorpommern beteiligten sich nach Angaben eines Polizeisprechers insgesamt knapp 12.000 Menschen in mehr als 20 Städten an angemeldeten Lichterspaziergängen, Kundgebungen sowie nicht angemeldeten Schweigemärschen Рetwas 3000 Menschen weniger als vor einer Woche. Vereinzelt kam es zu Gegenkundgebungen Рnennenswerte Zwischenfälle gab es laut Polizei nach ersten Erkenntnissen nicht. In Rostock registrierten die Sicherheitskräfte rund 4000 Protestierende, in Schwerin zogen rund 2000 Menschen durch die Stadt, in Neubrandenburg rund 1800.

In der Landeshauptstadt Schwerin kamen den Angaben zufolge etwa 1600 Menschen zusammen, auf dem Greifswalder Marktplatz mehrere Hundert. An der Mecklenburgischen Seenplatte versammelten sich nach ersten Sch√§tzungen der Polizei gut 2000 Demonstranten. In Greifswald stand den Kritikern der Corona-Ma√ünahmen eine gro√üe Gruppe von Gegendemonstranten gegen√ľber.

Aktuell beliebt auf Tagesspiegel-Plus:

In bayerischen St√§dten und Gemeinden versammelten sich etwa 10.000 Menschen zu sogenannten Montagsspazierg√§ngen als Zeichen des Protests. Dabei blieb es gr√∂√ütenteils friedlich. In N√ľrnberg demonstrierten rund 4200 Menschen gegen die Corona-Politik – deutlich mehr als erwartet. In Bamberg trafen sich laut Polizei rund 2150 Menschen zu einem angemeldeten ‚ÄěSpaziergang‚Äú. Viele St√§dte hatten nicht ortsfeste Kundgebungen verboten und den Teilnehmern unangemeldeter Demonstrationen Bu√ügelder angedroht.

Mehrere tausend Menschen demonstrierten auch in Baden-W√ľrttemberg gegen die Corona-Ma√ünahmen. In Friedrichshafen h√§tten sich am Montagabend rund 2000 Teilnehmer zu einem sogenannten Spaziergang versammelt, teilte ein Polizeisprecher mit. Die Teilnehmer h√§tten sich spontan in sozialen Netzwerken verabredet. In Mannheim, Heidelberg und im Rhein-Neckar-Kreis z√§hlte die Polizei insgesamt rund 2000 Demonstranten.

Die Polizei in Fulda (Hessen) löste am Abend eine Ansammlung von Gegnern der aktuellen Corona-Maßnahmen auf. Dabei habe ein Versammlungsteilnehmer die Einsatzkräfte angegriffen, sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten Pfefferspray eingesetzt, die Person sei festgenommen worden. Die Versammlung wurde laut Polizei aufgelöst, da keine Masken getragen und keine Abstände eingehalten wurden. Außerdem habe es keinen Versammlungsleiter gegeben. Auch in anderen hessischen Städten gingen am Abend Menschen auf die Straße, um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren Рetwa in Frankfurt, Kassel oder Gießen.

Die Polizeiinspektion in Nienburg und Schaumburg in Niedersachsen meldete insgesamt 1000 Demonstranten, die sich auf die beiden Landkreise verteilten. In weiteren Städten des Bundeslandes wie in Braunschweig zählte die Polizei rund 1100 Menschen auf den Straßen. (mit dpa)




Quelle: Inforiot.de