Februar 22, 2021
Von Nigra
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Die Kampagne Zero Covid wird von vielen Linken und natĂŒrlich auch von ganz anderer Seite als autoritĂ€r und nicht durchfĂŒhrbar bezeichnet, da sie das tĂ€gliche Leben noch hĂ€rter und tiefgreifender herunterfahren wolle. Darum könne sie auch gar nicht links sein.

Ich frage mich, was autoritĂ€rer ist: Das stĂ€ndige willkĂŒrliche Hin und Her von Lockerungen und EinschrĂ€nkungen; der Zwang, trotz hohem Ansteckungsrisiko weiterhin zur Maloche gehen zu mĂŒssen und im Gegenzug in der Freizeit alleine zu versauern; geschlossene Grenzen fĂŒr Menschen, offene fĂŒr Warenverkehr


Die Idee von Zero Covid ist ein zeitlich beschrĂ€nkter, solidarischer, radikaler Shutdown von Arbeit und Freizeit, um null Ansteckungen zu erreichen. Das ist zwar hart aber das Ende ist absehbar. Und genau das – das Ende der Pandemie – ist beim derzeitigen Affentheater in weite Ferne gerĂŒckt. Was ja auch klar ist: Wir gehen alle weiterhin arbeiten, leben weiterhin in beengten VerhĂ€ltnissen, viele in SammelunterkĂŒnften, quetschen uns weiterhin im öffentlichen Nahverkehr zusammen und stecken uns alle gegenseitig an. Da helfen die krassen EinschrĂ€nkungen im Privaten wenig.

[Comic aus der Zero Covid-Zeitung; KĂŒnstler*in: foxitalic.de]

Hier wird eines ganz deutlich: Die Politik folgt im Großen und Ganzen den Kapitalinteressen. Dass das grundsĂ€tzlich keine gute Idee ist, sagen wir linksgrĂŒnversifften Anarcho-Kommie-Gutmenschen ja schon lange. Jetzt in der Pandemie sind alle Scheinwerfer auf diese Art des Rumwurschtelns gerichtet.

Also sollten wir jetzt doch mal zur Abwechslung das Richtige tun: Lasst uns nicht den Kapitalinteressen folgen, sondern den BedĂŒrfnissen der Menschen. Und diese sind: Gesundheit, Essen und Trinken, ein Dach ĂŒber dem Kopf und soziale Bindungen.
„Ahhhhrghhh, aber wer soll das alles zahlen? DafĂŒr ist doch kein Geld da!“ Doch, natĂŒrlich ist dafĂŒr Geld da und zwar in HĂŒlle und FĂŒlle. Erstens haben sich die reichsten der Reichen an Corona dumm und dĂ€mlich verdient: Her mit der Kohle! Sie gehört sowieso uns! Und zweitens können bestimmte Banken Geld einfach so aus dem Nichts erschaffen. Das wurde z. B. wĂ€hrend der Finanzkrise 2008 im großen Stil getan, um systemrelevante Banken und Konzerne zu retten. Die Zeiten, in denen das sich in Umlauf befindliche Geld durch Gold gedeckt sein musste, sind schon lange vorbei. Das heißt, dass alle Menschen, die finanzielle UnterstĂŒtzung wĂ€hrend eines solidarischen Shutdowns benötigen, diese auch erhalten könnten. Wenn die Politik das beschließen wĂŒrde.

[Comic aus der Zero Covid-Zeitung; KĂŒnstler*in: foxitalic.de]

[Comic aus der Zero Covid-Zeitung; KĂŒnstler*in: foxitalic.de]Vor fĂŒnf Tagen ist nun die erste Ausgabe der Zero Covid-Zeitung (hier auch als PDF)erschienen. Sie ist inhaltlich gut aufgestellt: Sie bildet den pandemischen Istzustand und wie es zu ihm kommen konnte ab ohne zu polemisieren oder rumzujammern. Und sie bietet LösungsvorschlĂ€ge und fordert uns alle auf, aktiv zu werden.

Also, Leute, hier ist sie, die lang ersehnte linke Intervention gegen die Pandemie und die staatlich-kapitalistischen, halbherzigen Versuche diese zu bekÀmpfen um gleichzeitig Business as usual betreiben zu können.

FĂŒr mich ist Zero Covid die einzige ernst zu nehmende breit aufgestellte linke Kampagne zum Thema Corona (hier spannt sich der Bogen von Anarch@s, Gewerkschafter*innen ĂŒber Kommies und Kulturschaffenden bis hin zu parteilich und anders organisierten Leuten).
Sie ist eine gut durchdachte (nicht perfekte!) und vor allen Dingen machbare Intervention. Sie ist nicht utopisch, militanzromantisch, revolutionĂ€r oder gar anarchistisch – sie ist pragmatisch radikal und das auf solidarischer Basis.

Zero Covid – SolidaritĂ€t in den Zeiten der Pandemie




Quelle: Nigra.noblogs.org