September 29, 2021
Von Graswurzel Revolution
267 ansichten


Am 2. und 3. Oktober 2021 hĂ€lt die jĂ€hrliche New York City Anarchist Bookfair (ABF) wieder ein vielfĂ€ltiges Programm bereit, darunter erstmals eine große Zahl von Onlineveranstaltungen, die Anarchist*innen weltweit die Teilnahme ermöglichen. Außerdem kann die ABF ihren 15. Geburtstag feiern. Zu diesem JubilĂ€um wollten wir nicht nur einen herzlichen GlĂŒckwunsch an das Projekt senden, sondern auch die Gelegenheit fĂŒr ein Interview nutzen. Silke sprach fĂŒr die GWR mit einem Mitglied der Orga-Gruppe ĂŒber die Geschichte und Gegenwart der Anarchistischen Buchmesse. (GWR-Red.)

GWR: In diesem Jahr findet die 15. New York City Anarchist Bookfair statt. Kannst du ein paar Worte dazu sagen, wie das Projekt begann und wie es sich entwickelte?

ABF: Die ABF wurde 2007 ins Leben gerufen und findet seitdem jĂ€hrlich statt. Sie bietet Tausenden von Anarchist*innen (und Interessierten), queeren Menschen, KĂŒnstler*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen den Raum, ihr Wissen zu teilen und ĂŒber anarchistische Geschichte, Theorie, Praxis und den allgemeinen Kampf fĂŒr die umfassende Emanzipation aller zu lernen. Wir sind Gastgeber*innen fĂŒr Verleger*innen, Redner*innen, Aktivist*innen, KĂŒnstler*innen und andere RevolutionĂ€r*innen. In frĂŒheren Jahren hatten wir bereits das GlĂŒck, dass Leute wie Lenny Foster, David Graeber und Ashanti Alston auf unseren Podien gesprochen haben.

Wie ist die Buchmesse organisiert? Welche Art von Workshops, Panels, kulturellen Veranstaltungen usw. gibt es?

Die Buchmesse findet normalerweise in einer Kirche in der NĂ€he des Washington Square Park statt. Aufgrund von Covid mussten wir nach draußen in einen Gemeinschaftsgarten umziehen, was neue logistische Herausforderungen, aber auch spannende Möglichkeiten mit sich bringt. Die Workshops und Podiumsdiskussionen sind immer vielfĂ€ltig, und die Inhalte reichten von Themen wie Selbstverteidigung und MilitĂ€rstrategie bis hin zu den revolutionĂ€ren Möglichkeiten von Queerness und psychischer Gesundheit! Derzeit sind wir noch dabei, die Workshops und VerkaufsstĂ€nde zu organisieren, hoffen aber, dass wir bis zum 15. September eine verlĂ€ssliche Liste haben werden.
Die diesjÀhrige Orga-Gruppe ist interessant, weil wir aus verschiedenen Bereichen kommen: Einige von uns organisieren die Anarchist Bookfair schon seit vielen Jahren, andere sind noch in der High School!

Was hat sich durch die Pandemie verÀndert?

Wir mĂŒssen uns einerseits mit den Herausforderungen auseinandersetzen, die eine Veranstaltung im Freien mit sich bringt, z. B. was tun, wenn es regnet? Wie kommen wir an Strom? Und wie sieht es mit der Sicherheit aus? Wir mĂŒssen auch lernen, wie wir online arbeiten können, um virtuelle Workshops und Diskussionsrunden zu veranstalten, damit auch unsere internationalen Mitstreiter*innen teilnehmen können. Andererseits ist der Gemeinschaftsgarten, den wir nutzen werden, wirklich schön und bietet den perfekten Ort fĂŒr die Buchmesse. Trotz dieser Herausforderungen sind wir zuversichtlich, dass alles gut gehen wird!

Wie sind das Konzept und Programm der Anarchist Bookfair im Oktober?

In diesem Jahr besteht die ABF aus zwei Teilen. Am 2. Oktober wird es eine Buchmesse in PrĂ€senz geben. Das diesjĂ€hrige Thema lautet „Zero Money = Live in Mutual Aid“ (dt. Null Geld = Leben in gegenseitiger Hilfe), wobei es im Wesentlichen um alternative Wirtschaftssysteme geht, die nicht auf Geld angewiesen sind, und um die Möglichkeiten, wie wir alle Finanzsysteme ĂŒberwinden können. Die ABF widmet sich außerdem der SolidaritĂ€t mit inhaftierten und kĂ€mpfenden Anarchist*innen.
Der zweite Teil ist eine Reihe von Podiumsdiskussionen, die am 3. Oktober online stattfinden und von uns und Kuñangue Aty Guasu organisiert werden, der Versammlung der Guarani- und KaiowĂĄ-Frauen im heutigen „Brasilien“. Wir sind uns auch bewusst, dass wir uns inmitten eines entscheidenden Moments fĂŒr die Zukunft aller indigenen Völker in Brasilien und der Menschheit selbst befinden, da die idiotische Regierung in Brasilien versucht, das Gesetz PL 490 [ein neoliberaler Gesetzentwurf, der die ohnehin minimalen Rechte der indigenen Bevölkerung faktisch zerschlagen soll; Anm. d. Red.] voranzutreiben, das effektiv den Genozid legalisieren wird.

Es ist großartig, dass es dieses Mal möglich ist, auch online teilzunehmen, besonders fĂŒr Menschen, die in anderen LĂ€ndern leben. Wie können Anarchist*innen und andere Interessierte teilnehmen?

Der Online-Aspekt ist wirklich großartig! Obwohl es ein bisschen schwierig sein kann, hilft es uns wirklich, unsere Reichweite zu vergrĂ¶ĂŸern und gleichzeitig jeder*m eine sichere Teilnahme zu ermöglichen, ohne dabei restriktiv zu sein. Jede*r von ĂŒberall her ist mehr als willkommen, sich im La Plaza Community Garden in New York zu treffen, solange er*sie kein*e Faschist*in, Rassist*in, Sexist*in, homophob, transphob, xenophob, ein allgemeines Arschloch oder Polizist*in ist (nicht, dass es da einen Unterschied gĂ€be). Wir hoffen, dass wir einen sicheren Raum fĂŒr interkulturelle Interaktion und das Entstehen neuer Freundschaften und sozialer Beziehungen bieten können, die auf SolidaritĂ€t und nicht auf Beherrschung und Ausbeutung beruhen (wie es im Kapitalismus der Fall ist).

Vielen Dank fĂŒr das Interview. Wir wĂŒnschen euch eine erfolgreiche Vorbereitung und viele Teilnehmer*innen an den spannenden Veranstaltungen!

Interview und
Übersetzung: Silke




Quelle: Graswurzel.net