November 24, 2021
Von SchwarzerPfeil
267 ansichten


Der nachfolgende Beitrag ist eines von 85 Artikeln aus dem Buch Schwarze Saat – Gesammelte Schriften zum Schwarzen und Indigenen Anarchismus. Eine gedruckte Ausgabe kannst du hier bestellen und damit BIPOC-Strukturen und anarchistische Gefangene unterstĂŒtzen.

***

ziq

Archie: Das Gegenteil von Anarchie

Die Wörterbuchdefinition von „Archie“ ist ein Gremium von autoritativen Beamt_innen, das in verschachtelten RĂ€ngen organisiert ist. Sei es eine Monarchie, eine Oligarchie, eine Republik, ein Feudalstaat oder eine andere hierarchische Gesellschaft.

WÀhrend Anarchie der Gegensatz zu Hierarchie und AutoritÀt ist, ist die Archie die volle Verkörperung dieser Dinge. WÀhrend die Anarchie die Abwesenheit von Herrschenden verlangt, gedeiht die Archie, wenn die Bevölkerung den Herrschenden dient und gehorcht. Manchmal sind es wenige Herrschende (zB Monarchien), manchmal viele (zB Sozialdemokratien).

Hierarchien dienen den Herrschenden dazu, ihre soziale Kontrolle und Macht ĂŒber die Bevölkerung aufrechtzuerhalten. Diese Kontrolle wird mit Gewalt durch von den Herrschenden eingesetzte Behörden aufrechterhalten: Armee, Nationalgarde, Polizei, Gerichte, GefĂ€ngnisse, Sozialarbeiter_innen, Medien, Steuereintreiber_innen usw.

Nicht jede Unterweisung ist eine Hierarchie. Wenn du dich dafĂŒr entscheidest, das Fachwissen von Spezialist_innen zu akzeptieren, muss das nicht zwangslĂ€ufig zu einer Hierarchie fĂŒhren oder sie zu deinen Herrschenden machen. Dachdecker_innen, die dein Dach decken, Köch_innen, die dein Essen zubereiten, oder Chirurg_innen, die dein Herz reparieren, sind keine hierarchische Beziehung, nur weil sie dir eine wertvolle Dienstleistung erbringen.

Wenn ein Mensch Gewalt anwendet, um der Hierarchie, die ihn unterdrĂŒckt, einen Schlag zu versetzen, wird dieser Mensch nicht zu einer AutoritĂ€t. Wenn du die Hierarchie zerstörst, wo du sie siehst, schafft das keine Hierarchie, sondern Anarchie.

Über „gerechtfertigte AutoritĂ€t“

Sobald du anfĂ€ngst, AutoritĂ€t und Hierarchie zu rechtfertigen, stichst du effektiv ein Messer in die Anarchie. Wir alle kennen den Spruch „Alle Macht korrumpiert“. Das ist keine Floskel, sondern der Grund, warum Anarchie ĂŒberhaupt existiert.

Die Legitimierung von AutoritĂ€t ermöglicht Archie. Es spielt keine Rolle, ob du dich Anarchist_in nennst, wĂ€hrend du Hierarchien rechtfertigst, die du persönlich aus welchen GrĂŒnden auch immer gutheißt. In der Anarchie ist KEINE AutoritĂ€t legitim. Ja, sogar in einer Eltern-Kind-Beziehung.

Wenn du eine AutoritĂ€t legitimierst, gibst du ihr Macht, stellst sie als Institution dar, der man um jeden Preis gehorchen muss, und das reicht ihr nicht. Sie wird immer mehr Macht wollen, denn das ist die Natur der Macht. Sie wĂ€chst immer weiter und hört nie auf, ihre verheerenden Auswirkungen auf ihre Umgebung zu kontrollieren. Macht ist ein Freibrief, um Schaden anzurichten. Ob es deine ursprĂŒngliche Absicht war, eine gewaltsame MachtausĂŒbung zu ermöglichen, als du eine AutoritĂ€t legitimiert hast, ist irrelevant. Sie wird Schaden anrichten, und die Menschen, die ihre Legitimation unterschrieben haben, sind fĂŒr diesen Schaden verantwortlich (oder sollten es sein).

Anarchie bedeutet Widerstand gegen AutoritÀt. Etwas anderes zu behaupten, wÀre eine eklatante Falschdarstellung dessen, was Anarchie ist.

Kompetenz vs Gewalt vs AutoritÀt

Viele Menschen verwechseln Fachwissen mit AutoritĂ€t und nutzen diese Verwechslung, um zu behaupten, dass die Anarchie nicht gegen jede AutoritĂ€t ist. Sie sagen, die Anarchie sei nur gegen ungerechtfertigte AutoritĂ€t. NatĂŒrlich erklĂ€ren sie nie, wer bestimmt, welche AutoritĂ€t gerechtfertigt ist. Ich nehme an, dass diese Entscheidung von einer weiteren AutoritĂ€t getroffen wird? Eine AutoritĂ€t, die ebenfalls gerechtfertigt ist? Und welche AutoritĂ€t hat diese AutoritĂ€t gerechtfertigt
? Es ist albern, wenn Anarchist_innen versuchen, dieses Kaninchenloch der gerechtfertigten AutoritĂ€t zu betreten.

Schreiner_innen mögen gut darin sein, SchrĂ€nke zu bauen, sie mögen sogar Expert_innen darin sein, aber das macht sie nicht zu einer AutoritĂ€t. Ihr Talent gibt ihnen nicht das Recht, AutoritĂ€t und Macht ĂŒber andere auszuĂŒben. AutoritĂ€t ist eine ausgeprĂ€gte, dauerhafte soziale Beziehung zwischen Menschen. Eine Zwangsbeziehung, die durch unsere autoritĂ€re, hierarchische Gesellschaft legitimiert wurde. Es ist eine Beziehung, in der AutoritĂ€tspersonen ihre Macht ĂŒber weniger mĂ€chtige Personen ausĂŒben. Von diesen Menschen wird erwartet, dass sie sich dieser mĂ€chtigen AutoritĂ€tsperson unterordnen und ihren Befehlen bedingungslos gehorchen.

Stell dir vor, du gehst nachts nach Hause und jemand springt aus dem Schatten und versucht, dich zu erstechen. In dem darauf folgenden Handgemenge tötest du die Person in Notwehr. Das war eine einfache Gewaltanwendung; sie macht dich nicht zu einer AutoritĂ€t gegenĂŒber der Person, die versucht hat, dich zu töten. Diese einzelne Handlung, mit der du dein eigenes Leben schĂŒtzen wolltest, verleiht dir nicht auf magische Weise die AutoritĂ€t, einen Amoklauf zu begehen.

Wenn ein Kind vor einen rasenden Lkw lĂ€uft und du es an der Hand festhĂ€ltst, um es aufzuhalten, ĂŒbst du ebenfalls keine AutoritĂ€t aus. Du wendest einfache Gewalt an. Eine vorĂŒbergehende, spontane Aktion, um Leben zu retten, ist keine AutoritĂ€t. Sie gibt dir nicht das Eigentum an der Person, der du hilfst. Die Anarchie hat keine Bedenken gegen die isolierte Anwendung von Gewalt, nur gegen die strukturelle Institution der AutoritĂ€t.

Die Chomsky-Verbindung

Noam Chomsky verwendet hĂ€ufig das Beispiel der „Rettung eines Kindes vor einem Auto“, um sein Konzept der „gerechtfertigten AutoritĂ€t“ zu erklĂ€ren. Die Leute, die den Trugschluss der „gerechtfertigten AutoritĂ€t“ wiederholen, plappern in der Regel Chomskys unĂŒberlegte Worte nach. Er sagt: „AutoritĂ€t, die nicht gerechtfertigt ist, ist von Natur aus illegitim und die Beweislast liegt bei denjenigen, die die AutoritĂ€t haben.“ Er besteht darauf, dass die AutoritĂ€t einer Person legitimiert werden sollte, wenn sie gerechtfertigt ist. Aber natĂŒrlich versĂ€umt er einen Schritt, indem er nicht erklĂ€rt, wer die AutoritĂ€t erhĂ€lt, zu beurteilen, ob die Rechtfertigung der AutoritĂ€tsperson legitim ist


Seine Definition von AutoritĂ€t ist von Natur aus fehlerhaft. Wenn er einfach „Gewalt“ statt AutoritĂ€t sagen wĂŒrde, gĂ€be es nicht so viele verwirrte Chomsky-AnhĂ€nger_innen, die willkĂŒrliche Rechtfertigungen fĂŒr jeden hierarchischen Scheiß finden und diesen Scheiß dann als „anarchistisch“ bezeichnen, obwohl er alles andere als das ist. Ich habe sogar gesehen, wie seine AnhĂ€nger_innen seine Definitionen benutzen, um sogenannte „NachtwĂ€chterstaaten“ als anarchistisch zu bezeichnen. NachtwĂ€chterstaaten sind Staaten, die nur existieren, um den BĂŒrger_innen MilitĂ€r, Polizei und Gerichte zur VerfĂŒgung zu stellen. Das ist Minarchismus, nicht Anarchismus. Die Vorstellung von anarchistischen Staaten und anarchistischen GefĂ€ngnissen ist obszön.

Selbst wenn wir naiv annehmen wĂŒrden, dass Minarchismus irgendwie erstrebenswert wĂ€re, wĂŒrde er nur wieder zum totalen Etatismus fĂŒhren. Legitimierte Macht steht niemals still, und Versuche, ihr Wachstum zu kontrollieren, haben sich immer als vergeblich erwiesen.

Chomsky ist keine gute Quelle dafĂŒr, was Anarchie bedeutet. Er hat Karriere damit gemacht, die Anarchie abzuschwĂ€chen, um ein weißes nordamerikanisches Mittelschichtspublikum anzusprechen. Er geht sogar so weit zu behaupten, dass die Regierung nicht von Natur aus schlecht ist und dass sie mit dem, was er „echte Demokratie“ und „soziale Kontrolle ĂŒber Investitionen“ nennt, irgendwie „reformiert“ werden kann. Viel zu viele Anarchist_innen sehen in Chomsky eine AutoritĂ€t in Sachen Anarchie, obwohl er eindeutig ein Minarchist ist.

Außerdem vergleicht er in seinen VortrĂ€gen und Schriften die Anarchie mit der AufklĂ€rung und dem klassischen Liberalismus, was sehr westlich orientiert ist, zumal die AufklĂ€rung die Aufteilung Afrikas durch europĂ€ische Imperialisten und andere schreckliche rassistische und genozidale Taten begleitete. Es ist also wohl keine gute Idee, Anarchie mit diesem autoritĂ€ren Kapitel der Geschichte in Verbindung zu bringen. Es stimmt zwar, dass die politische Bewegung, die sich selbst als Anarchismus bezeichnete, ihren Ursprung in Europa hatte, aber die Anarchie gedieh ohne Namen in allen Ecken der Welt vor und nach der AufklĂ€rung, lange bevor europĂ€ische Philosoph_innen begannen, sich nach einer RĂŒckkehr zu ihr zu sehnen.

Ich halte Chomsky nicht fĂŒr einen Anarchisten (weil er nachweislich keiner ist), also sind seine Definitionen fĂŒr mich nicht so wichtig. Aber leider sind sie fĂŒr viele Minarchist_innen und Liberale, die sich selbst als Anarchist_innen bezeichnen, wichtig, und sie wiederholen seine fehlerhaften Definitionen immer wieder fĂŒr Neulinge und stiften damit weitere Verwirrung, die jahrelang nachhallt.

VerwÀsserung der Ziele der Anarchie

Das oft zitierte Beispiel, jemanden davor zu bewahren, von einem Auto angefahren zu werden, hat einfach nichts mit AutoritĂ€t zu tun. Es ist eine grundlegende Falschdarstellung des anarchistischen Konzepts von AutoritĂ€t, und ich hoffe, dass dieser Artikel dazu beitrĂ€gt, den Diskurs davon wegzubringen. Jede beschissene politische Ideologie da draußen, von der Monarchie ĂŒber den Neoliberalismus bis hin zum Faschismus, behauptet, fĂŒr gerechtfertigte AutoritĂ€t und gegen ungerechtfertigte AutoritĂ€t zu sein. Wir wissen, dass es Mist ist, wenn Liberale die Bombardierung von Schulbussen in Syrien oder im Irak als „gerechtfertigte“ Aktion zum „Schutz der Freiheit“ oder als „akzeptablen Kollateralschaden“ bezeichnen, also warum sollten wir ihre gefĂ€hrliche DoppelzĂŒngigkeit ĂŒbernehmen, um Anarchie zu definieren? Sobald du anfĂ€ngst, AutoritĂ€t zuzulassen, hast du aufgehört, fĂŒr Anarchie zu plĂ€dieren.

Die Forderung nach „gerechtfertigter AutoritĂ€t“, wie sie Chomsky immer wieder versucht, ist ein sinnloses Unterfangen, das nur die Uninformierten verwirrt und uns eine Vielzahl von Baby-Anarchist_innen aus der Mittelschicht beschert, die die Grundlagen der Anarchie nicht verstehen. Dieses MissverstĂ€ndnis nutzen sie dann, um Anarchie mit allem möglichen autoritĂ€ren Scheiß gleichzusetzen, sogar mit Staaten. Dadurch wird die Grenze zwischen Liberalismus und Anarchie immer dĂŒnner. Und ganz offen gesagt: Es zĂŒchtet Scheiß-Anarchist_innen.

AutoritÀt ist eine moralische Hierarchie

Eine Hierarchie ist ein kĂŒnstliches Konstrukt, das auf dem Prinzip der AutoritĂ€t beruht. AutoritĂ€t ist die gesellschaftlich durchgesetzte Regel, dass die Herrschenden in einer hierarchischen Beziehung Befehle erteilen und die Untergebenen unter Androhung von (gesellschaftlich legitimierter) Gewalt gehorchen. Wenn ich meinem Boss eine Mahlzeit anbiete oder ihn vor dem Ertrinken rette, wĂŒrde ich keine AutoritĂ€t ĂŒber ihn ausĂŒben. Diese Handlung allein schafft noch keine Hierarchie. Aber allein dadurch, dass er mein Boss ist, ĂŒbt er stĂ€ndig AutoritĂ€t ĂŒber mich aus und ich bin ihm stĂ€ndig untergeordnet. Ich werde von ihm beherrscht. Ich werde durch die Hierarchie zwischen Boss und Mitarbeiter_innen eingeschrĂ€nkt und kontrolliert, weil mein Boss stĂ€ndig seine AutoritĂ€t ĂŒber mich ausĂŒbt.

AutoritĂ€t ist ein vorsĂ€tzliches soziales Konstrukt, das die Menschen in Herrscher_in oder Gehorsame einteilt und Gewalt und die Vorstellung von „Moral“ einsetzt, um dieses Zwangssystem aufrechtzuerhalten. Wenn du deinem Boss widersprichst, lehnst du seine_ihre AutoritĂ€t ab: Das ist ein großes „moralisches“ Tabu. Die Gesellschaft nutzt diese Zwangskonditionierung, um die UnterdrĂŒckungsdynamik aufrechtzuerhalten und dich kontrolliert und gehorsam zu halten. Das System duldet keinen echten Widerspruch gegen seine Gesetze. Stattdessen konditioniert es dich dazu, deine Wahrnehmung so lange zu verĂ€ndern, bis du sein Gesetz schließlich als normal akzeptierst.

BefĂŒrwortende des Kapitalismus der „freien Marktwirtschaft“ propagieren vermeintlich „freiwillige“ Hierarchien (zB die Beziehung zwischen EigentĂŒmer_innen und Arbeiter_innen). Dies ist lediglich eine Ausrede fĂŒr die Normalisierung struktureller Gewalt gegen die weniger MĂ€chtigen, ein Prozess, der durch die Berufung auf AutoritĂ€t legitimiert wird. Diese Hierarchien sind in keiner Weise freiwillig, denn wir wĂŒrden von der Gesellschaft auf verschiedene Weise bestraft, wenn wir sie ignorieren wĂŒrden (zB wenn wir uns weigern zu arbeiten oder unsere Bosse umbringen und uns den wahren Wert unserer Arbeit nehmen). „Gerechtfertigte Hierarchie“ / „legitime AutoritĂ€t“ ist ein unheimlich Ă€hnliches Konzept wie „freiwillige“ Arbeit im Kapitalismus.

Über anarchistische Erziehung

AutoritĂ€t ist eine strukturell gewalttĂ€tige Institution. Sie hat nichts damit zu tun, einem Kind Hilfe zu leisten, es zu fĂŒttern oder es davor zu bewahren, in einen Pool zu fallen und zu ertrinken. Eine Eltern-Kind-Beziehung muss keine Hierarchie sein, es sei denn, du machst dir die MĂŒhe, sie als solche zu konstruieren.

Elternschaft ist nur dann hierarchisch, wenn die Eltern ihrem Kind AutoritĂ€t aufzwingen wollen. Anarchistische Eltern wĂŒrden Erziehungsmethoden anwenden, die das Kind als autonomes Individuum behandeln und nicht als Untergebenen, der ihren autoritĂ€ren Forderungen unterworfen ist. Anarchistische Eltern sehen sich als Betreuende, nicht als AutoritĂ€ten, und die Legitimation der elterlichen AutoritĂ€t mit der Ausrede der „gerechtfertigten Hierarchie“ ist ein SĂŒndenbock. Sie ist nicht gerechtfertigt. Gewaltsamer Zwang, um Kinder zu kontrollieren, ist keine Anarchie. Eltern mĂŒssen keine Tyrann_innen sein, um Kinder zu erziehen.

UnzÀhlige anarchistische Gemeinschaften im Laufe der Geschichte, darunter auch die heutigen Hadza in Ostafrika, haben uns gezeigt, dass die Eltern-Kind-Beziehung nicht die gewalttÀtige Diktatur sein muss, zu der sie in der kapitalistisch-industriellen Gesellschaft geworden ist.

Dennoch bestehen viele „Anarcho-Minarchist_innen“ — in Ermangelung eines besseren Begriffs — darauf, das „Eigentum“, das die autoritĂ€re Gesellschaft ihnen ĂŒber ihre Kinder gewĂ€hrt, als „gerechtfertigte Hierarchie“ zu betrachten. Das ist ein merkwĂŒrdiges Argument. Wenn sie damit einverstanden sind, ihren eigenen Kindern gegenĂŒber Autoritarismus auszuĂŒben, dann ist es fĂŒr sie offensichtlich auch in Ordnung, Fremde zu beherrschen. Es ist verwirrend zu sehen, wie Menschen behaupten, dass die Beherrschung von Kindern mit Anarchie vereinbar ist, nur weil sie sich dafĂŒr entschieden haben, es zu tun.

„Zivilisierte“ Menschen machen den Fehler, gefĂ€hrliche, ungesunde und autoritĂ€re Umgebungen fĂŒr uns zu schaffen, die den brennenden Wunsch jedes Kindes nach Freiheit, Spiel, Erkundung und Lernen aus erster Hand völlig ignorieren.

Wir zwingen Kinder in MetallwĂ€gen, die sie in SchulgebĂ€ude bringen, wo Fremde dafĂŒr bezahlt werden, ihnen jahrelang starre UnterrichtsplĂ€ne zu diktieren. Die Kinder verbringen ihre gesamte Kindheit damit, von Raum zu Raum geschoben zu werden und zwangsweise dazu ausgebildet zu werden, im Rahmen des Systems als gehorsame, zivilisierte Arbeiter_innen zu funktionieren. Die meisten Kinder dĂŒrfen nicht einmal draußen spielen, weil ihre Eltern Angst vor den Gefahren der industriellen Zivilisation haben.

Die industrielle Zivilisation ist einfach ungeeignet, menschliches Leben zu fördern. Die perverse Art und Weise, wie wir unsere Gesellschaft um Gefahr, AutoritĂ€t, Angst, Zwang, Bestrafung, KonformitĂ€t und Gehorsam herum strukturieren, sollte weder Kindern noch sonst jemandem aufgezwungen werden. Als Anarchist_innen sollten wir diese autoritĂ€ren Strukturen niederreißen, anstatt sie mit Ausreden aufrechtzuerhalten. Kinder brauchen keine AutoritĂ€t, sie brauchen Anarchie.

Anarchist_innen mĂŒssen die Begriffe „AutoritĂ€t“, „Gewalt“ und „Expertise“ klar voneinander abgrenzen, damit sprachliche MissverstĂ€ndnisse nicht dazu fĂŒhren, dass der Minarchismus die Anarchie unterdrĂŒckt.

„Gerechtfertigte AutoritĂ€t“ ist eines von mehreren grundlegenden MissverstĂ€ndnissen der Anarchie, die ausgerĂ€umt werden mĂŒssen, bevor unsere (eigentlich sehr einfach definierten) Ziele weiter verwĂ€ssert werden. Wir neigen dazu, die Dinge zu sehr zu ĂŒberdenken, und das fĂŒhrt zu Bergen von umstĂ€ndlichen revisionistischen Theorien, die der Anarchie nur schaden und die Menschen verwirren, was denn unsere grundlegendsten Ziele sind.

Jeder genozidale Diktator hielt die Hierarchien, die er aufrechterhielt, fĂŒr gerechtfertigt. Anarchist_innen wissen es besser. Anarchie ist, war und wird immer die völlige Ablehnung jeglicher Hierarchie sein. Wenn du Kompromisse eingehst und Ausreden findest, um Hierarchien zu schaffen, ist das keine Anarchie mehr.

***

Anmerkung: Dieses Essay ist eines von wenigen, die aufgrund von Platzmangel leicht gekĂŒrzt wurden. Der vollstĂ€ndige Text erscheint in KĂŒrze in dem Werk Indigene Anarchie gegen linke Gespenster

anarchist*queer*vegan*

~ Burn this world to build a new. ~

Übersetze und schreibe zu Black Anarchism & Empowerment, Feminismus, Zivilisations und Technologiekritik, indigene Kulturen

Elany



Quelle: Schwarzerpfeil.de