MĂ€rz 12, 2021
Von FAU Flensburg
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Coronakrise im Betrieb: Forscher haben BetriebsrĂ€te und Gewerkschafter nach ihren Erfahrungen gefragt. In ihrer Studie skizzieren sie auch kĂŒnftige KĂ€mpfe.

Vertiefende Studien ĂŒber die Wahrnehmung von BeschĂ€ftigten und ihren betrieblichen und gewerkschaftlichen Interessenvertretungen sind selten geworden. So verwundert es nicht, dass die betriebliche Ebene in der FĂŒlle an BeitrĂ€gen ĂŒber die Auswirkungen der Corona-Pandemie eine vergleichsweise geringe Aufmerksamkeit erfĂ€hrt. Richard Detje von Wissentransfer in Hamburg und Dieter Sauer vom Institut fĂŒr sozialwissenschaftliche Forschung MĂŒnchen haben nun ihre Studie »Corona-Krise im Betrieb. Empirische Erfahrungen aus Industrie und Dienstleistungen« veröffentlicht.

Ihre Untersuchung zu den Auswirkungen der Coronakrise stĂŒtzen die Autoren auf 43 Interviews mit Vertreter*innen von IG Metall und Verdi sowie vor allem mit BetriebsrĂ€ten und betrieblichen Vertrauensleuten aus verschiedenen Industrie- und Dienstleistungsbereichen. Zudem ordnen sie zahlreiche Studien und Zeitdeutungen souverĂ€n ein. Sie knĂŒpfen dabei auch an eigene VorlĂ€uferstudien an, zuletzt »Rechtspopulismus und Gewerkschaften. Eine arbeitsweltliche Spurensuche« aus dem Jahr 2018, zusammen mit Ursula Stöger, Joachim Bischoff und Bernhard MĂŒller.

Anerkennung und Druck

Einer der Befunde der frĂŒheren Untersuchungen von Detje und Sauer lautete, dass die »Krise« aus Sicht vieler BeschĂ€ftigter zu einem Dauerzustand im Sinne eines stĂ€ndigen VerĂ€nderungsdrucks geworden sei. Auf Basis der Befragungen verneinen Detje und Sauer folglich, dass die Pandemie in Bezug auf die Arbeitswelt vorwiegend mit dem Bild des »schwarzen Schwans«, also eines exogenen Schocks durch ein extrem unwahrscheinliches Ereignis, zu beschreiben sei. Denn das »konjunkturelle Auf und Ab mischt Unsicherheit infolge wirtschaftlicher EinbrĂŒche mit der arbeitsweltlichen Erfahrung, dass die Leistungs- und Flexibilisierungsschrauben Jahr um Jahr angezogen werden. Daran hat auch eine lĂ€ngere ProsperitĂ€tsphase zwischen 2010 und 2018/19 wenig geĂ€ndert.«

Waren in der Finanzmarktkrise ab 2007 vor allem Finanzdienstleistungen und Teile der Industrie besonders betroffen, so sind diesmal weite Felder der Dienstleistungen hÀrter getroffen, etwa MobilitÀtsbranchen, Gastronomie, Tourismus, Teile des stationÀren Handels und der Kultursektor. Andere Dienstleitungssektoren werden aktuell und vermutlich auch perspektivisch wachsen, dazu gehören der Online-Handel, IT-Dienstleistungen, Teile des öffentlichen Dienstes und des Gesundheitssektors.

Entsprechend unterschiedlich sind auch die Erfahrungen der BeschĂ€ftigten: WĂ€hrend fĂŒr die einen die Angst um die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes oder ein unzureichendes Kurzarbeitergeld prĂ€gend sind, erleben andere zwar eine stĂ€rkere Anerkennung ihrer TĂ€tigkeit, aber auch eine weitere Arbeitsverdichtung und zu selten eine angemessene finanzielle Verbesserung.

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Quelle: Fau-fl.org