November 16, 2020
Von Kiez Kommune
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Seit Montag befinden wir uns im zweiten staatlich verordneten „Lockdown“. Soziale Kontakte sollen wir einschrĂ€nken, kulturelle Angebote wurden geschlossen, Arbeiten sollen wir aber weiter. Als Kiezkommunen aus Berlin und Magdeburg beziehen wir Stellung gegen diese Maßnahmen, die einzig und allein dazu dienen das kapitalistische Wirtschaftssystem aufrecht zu erhalten, und fordern gesellschaftliche SolidaritĂ€t im Kampf gegen Individualismus, Isolation und das Corona-Virus.

Wir erkennen im sogenannten Krisenmanagement, dass eine Rettung der Wirtschaft ĂŒber der Rettung von Menschen steht. Der Großteil von uns soll weiterhin der Lohnarbeit nachgehen, soll weiter zur Arbeitsstelle rennen, wo zur Beruhigung ein Desinfektionsmittelspender aufgestellt wird, oder sich zu Hause stundenlang vor dem Laptop verlieren. Tausende werden zum wiederholten Male innerhalb eines Jahres von heute auf morgen ihren ohnehin prekĂ€ren Job verlieren. Gleichzeitig werden weitere Milliarden an Steuergeldern den „systemrelevanten“ Konzernen und Banken zugewirtschaftet.
WĂ€hrend wir unsere Familien und Freunde nicht mehr sehen dĂŒrfen, Gastronomie, Kultur und das soziale Leben eingestellt werden sollen, ist es erlaubt, Gottesdienste weiterhin abzuhalten oder durch Shoppingcenter zu schlendern. Die Regelungen bekommen einen stĂ€rkeren politischen Charakter, welcher all zu gern von der wissenschaftsfeindlichen Rechten aufgegriffen wird.
All diese Regeln werden kontrolliert und durchgesetzt von der Polizei. Sei es durch rassistische und absolut ĂŒberzogene Kontrollen von Gastronomien und SpĂ€tis oder dadurch, dass hochrangige Gesundheitspolitiker*innen im Namen verstĂ€rkter Kontrollen die Unverletzbarkeit der eigenen Wohnung in Frage stellen. Treffen wird diese Kontrolle eben genau die Menschen, die eh schon marginalisiert, ausgebeutet, diskriminiert und unterdrĂŒckt werden.

Wir sitzen nicht alle im selben Boot.

Dass es uns im Kapitalismus so schwer fĂ€llt, auf diese Pandemie zu reagieren, hĂ€ngt eng mit unserem Gesellschaftssystem als solchem zusammen. Industrielle Landwirtschaft und Urbanisierung bilden den NĂ€hrboden fĂŒr solche Epidemien. Das ist seit langem bekannt!
Dass lebensnotwendige Bereiche wie Gesundheit, Wohnraum oder Nahrungsmittelversorgung der irrsinnigen Logik des kapitalistischen Marktes unterworfen wurden, macht es unmöglich, diese Krise global zu lösen.
Dem grĂ¶ĂŸten Teil der Menschheit steht schlicht keine adĂ€quate Gesundheitsversorgung zur VerfĂŒgung, sie leben in beengten Wohnungen oder haben gar keine, sie sind gezwungen jeden Tag aufs neue zur Arbeit zu gehen, um sich und ihre Familien ernĂ€hren zu können und ihnen eine Unterkunft zu sichern.

Daher kĂ€mpfen wir dafĂŒr, dass die wirklich systemrelevanten Bereiche enteignet, der Allgemeinheit zugefĂŒhrt und dauerhaft der Marktlogik entzogen werden, damit allen gleichermaßen ein guter Zugang zu diesen gewĂ€hrt werden kann.

Die sozialen Folgen der Corona-Krise haben vor allem Frauen* zu tragen!

Bei Schließung von Kitas und Schulen fĂ€llt die Aufgabe, sich um Reproduktionsarbeit zu kĂŒmmern, also beispielsweise um Kinder und Haushalt, dreimal so stark Frauen* zu FĂŒĂŸen. Dass der seit dem 2.11. herrschende Lockdown in dieser patriarchalen Gesellschaft schwerwiegende Folgen haben wird, zeigen die wĂ€hrend des letzten Lockdowns immens gestiegenen Zahlen hĂ€uslicher Gewalt und von Femiziden. Beengte WohnverhĂ€ltnisse und Existenzangst sind direkte Auslöser und zeigen einmal mehr weshalb diese Krise im Kapitalismus nicht lösbar ist.

Statt einer gesellschaftlichen Debatte und umfassenden Lösungen werden die Probleme isoliert betrachtet. Am Ende sollen wir die Rechnung zahlen, als Frauen*, als Arbeiter*innen, als PrekÀre und Marginalisierte.

Wir werden weder auf die RĂŒckkehr eines „Normalzustandes“ warten, noch werden wir uns von dieser Pandemie lĂ€hmen lassen. Wir wissen, dass die Antwort auf Isolation und Existenzsangst nur in klassenbewusster SolidaritĂ€t, Organisierung und nachbarschaftlicher UnterstĂŒtzung gefunden werden kann. UnterstĂŒtzung im Alltag und soziale Kontakte unter Vorsichtsmaßnahmen beizubehalten sind wichtige Mittel gegen die Isolation. Nun ist es umso wichtiger, dass wir uns organisieren und aktiv bleiben, um die Last der Krise, die auf unseren RĂŒcken abgewĂ€lzt werden soll, gemeinsam stemmen zu können und die gesellschaftlichen VerhĂ€ltnisse zu Ă€ndern, die uns in diese Krise gefĂŒhrt haben.

Berlin / Magdeburg November 2020

Jugendkommune Kreuzberg
Frauen*kommune Wedding
Kiezkommune Magdeburg-Stadtfeld
Kiezkommune Friedrichshain
Kiezkommune Neukölln
Kiezkommune Wedding




Quelle: Kiezkommune.noblogs.org