Juli 14, 2021
Von SchwarzerPfeil
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[Nach zwei BeitrÀgen aus dem italienischen Kontext soll hier eine Debatte eines internationaleren Kontextes reproduziert werden, bevor ich mich dem hiesigen Kontext zuwenden will. Die folgende Debatte fand zwischen inhaftierten Mitgliedern der Verschwörung der Feuerzellen (CCF) sowie der Informellen Anarchistischen Föderation/Internationale RevolutionÀre Front (FAI/IRF) und einigen Verfechter*innen der AnonymitÀt des Angriffs statt.]


Sagt nicht, dass wir wenige sind 
 Sagt einfach, dass wir entschlossen sind 


– Informelle Anarchistische Föderation / Internationale RevolutionĂ€re Front (FAI/IRF) –

Ein Beitrag der neun inhaftierten Mitglieder der revolutionĂ€ren Organisation CCF und dem anarchistischen Gefangenen Theofilos Mavropoulos zum Anlass eines internationalen anarchistischen Treffens, welches im November 2012 in ZĂŒrich unter einer aufstĂ€ndischen Perspektive zusammengekommen war.

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Aus diesem Grund schlagen wir auch die Bildung und UnterstĂŒtzung informeller Gruppen der anarchistischen direkten Aktion vor, so dass die Erfahrung des Zusammenstroßes mit dem Existierenden sich nicht nur auf Momente einer Demonstration oder eines intermediĂ€ren Kampfes beschrĂ€nken. Es wird stattdessen in allen Aspekten unseres Lebens organisiert, koordiniert und verbreitet, permanent Riots in unseren tĂ€glichen VerhĂ€ltnissen machend. Wir wĂŒnschen uns, unser tĂ€gliches Leben in eine andauernde Schlacht gegen die Macht und ihre Zivilisation umzuwandeln.

Um dies zu ermöglichen, mĂŒssen wir unsere Wahllosigkeit und Automatisierungen ausschließen. Wir können weder auf einen Jahrestag oder Gedenktage warten, noch auf die TrĂ€gheit der Masse in großen Konzentrationen und Demonstrationen.

Informelle anarchistische Aktionsgruppen werden tĂ€glich in den sozialen Strukturen aufgelöst, versuchen Sabotageakte zu verĂŒben, die die soziale Maschine kurzschließen wird. Kleine anarchistische Guerillagruppen können sich leicht ĂŒber die leuchtenden Ausbeutungsbetriebe der Metropole hinaus bewegen und die Grundfesten des Imperiums erschĂŒttern. In unserem gewĂ€hlten neuen anarchistischem Stadtguerillakrieg erweitern wir derzeit die Angriffsmöglichkeiten der Ziele, genau wie jede AutoritĂ€t ihre erweitert. Neben den ĂŒblichen Zielen wie Polizeistationen, BĂŒros politischer Parteien, etc., entdecken wir auch neue Feinde wie Werbeagenturen, Statistikdienstleistungsunternehmen, Pharmaindustriekonzerne, Informationstechnologieunternhmen, Symbole des Spektakels, WissenschaftlerInnen genetischer Experimente, DNA-Labore, Schulen von FĂŒhrungskrĂ€ften der Wirtschaft, FakultĂ€ten fĂŒr Journalismus und Marketing und so weiter.

Desweiteren ist eine informelle anarchistische Stadtguerillagruppe in der Lage einen Kurzschluss im normalen Handel diverser Produkte in der Metropole zu verursachen, z.B. durch das Verbarrikadieren von Straßen, die viel Berufsverkehr haben, und das Inbrandsetzen von Reifen um die Wege der Massenverkehrsmittel anzugreifen und zu zerstören (öffentliche Busse, Straßenbahnen, ZĂŒge). So, obwohl wir scheinbar nicht die „Plutokratie“ angreifen (weil die Straßen und öffentlichen Verkehrsmittel normalerweise von jedem genutzt werden), fĂŒgen wir der Macht dennoch Sabotage zu.

Wir betĂ€uben Zonen der Metropole, um die Zeit zu befreien; die Zeit, um zu denken, zu fĂŒhlen, sich ĂŒber Dinge zu wundern.

Letzten Endes ist anarchistischer Aufstand, wenn du Fragen hast und AutoritÀt, wenn du annimmst, alle Antworten zu haben.

Wir möchten jedoch etwas betonen. Wenn wir als ein Teil des lodernden Aufstands sprechen und denken, wissen wir, dass es tausend Wege gibt, wie Anarchisten handeln. Wir haben oft geschrieben, dass wir wollen, dass andere in der Lage sind, sich dieselben Mittel anzueignen, die wir nutzen.

Mit diesem Satz wollen wir jedoch jede Verwirrung vermeiden, die unser Denken umgeben könnte. Wenn einige GenossInnen willkĂŒrlich den Begriff der „angemessenen Mittel“ auf einen Maßstab stĂŒtzen, der unsere Gewalt misst, dann neigen sie dazu, die Mittel des Konflikts, die unsere Gewalt messen, zu reduzieren und so die eigentlichen Mittel des Konflikts einzuschĂ€nken und von Aktionen, wie die Platzierung eines starken Sprengsatzes oder die politische Hinrichtung eines Offiziers der Macht, zu trennen. Nach dieser Art der Logik setzen solche Aktionen und der Gebrauch entsprechender Mittel (SprengsĂ€tze, Zeitbomben und Waffen) normalerweise eine Spezialisierung voraus. Im Gegenteil glauben wir aber, dass besonders heute Individuen, die ihr Leben in die eigene Hand nehmen wollen, Wege entdecken können, alle Arten von Werkzeugen der anarchistischen direkten Aktion zu erlernen und zu benutzen, von einem Stein bis zu einer Kalaschnikow. Wir wollen unserer Offensive keine Grenzen setzen. Und dieser Gedanke kann schon eine neue Praxis werden. Deshalb schlagen wir vor, dass informelle direkte Aktionsgruppen zur Übertragbarkeit/Nachahmung ihrer Erfahrungen durch sicheres Publizieren und Verbreiten von Online-HandbĂŒchern zur Herstellung von BrandsĂ€tzen/Sprengkörpern, WeckerzĂŒndern, Funktion von Waffen, etc. beitragen. [
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Wir glauben, dass das, was notwendig ist, sich anzueignen, der Wille zum anarchistischen Aufstand selbst ist, und die Mittel sind nichts anderes als Objekte, die unsere HĂ€nde und SehnsĂŒchte fĂ€hig sind, zu entdecken. Daher vermeiden wir die Trennung zwischen niedriger und hoher IntensitĂ€ten an Gewalt und zerstören die Reproduktion des Expertenmythos. Ein typisches Beispiel der polymorphen anarchistischen Aktion sind die Versuche der FAI/FRI, deren Mitglieder sich sowohl zu solidarischen Bannern oder zu der Blockierung der EingĂ€nge von GeschĂ€ften mit Klebstoff jeweils in Peru und Bolivien bekennen, als auch zu den KnieschĂŒssen auf einen Vorsitzenden eines Kernkraftunternehmen in Italien oder die Hinrichtung dreier Kommunalbullen in Mexiko. Letzten Endes haben auch wir als Verschwörung der Feuerzellen mehr oder weniger so angefangen und wir sind nie in die Falle der Arroganz der Mittel und ihrer inoffiziellen Hierarchie gefallen. Indem wir unsere Argumentation, wie das Existierende wirklich angegriffen werden kann, fortsetzen, glauben wir, dass kein Angriff fĂŒr sich selbst spricht. Heute ist nichts offensichtlich oder selbstverstĂ€ndlich. Selbst die Angriffe auf Bankfilialen, die Sammellager von MigrantInnen, die StraßenkĂ€mpfe mit den Bullen wĂ€hrend einer Demonstration können gefĂ€lscht werden und als etwas anderes erscheinen, als was sie sein sollten. Nicht nur die ReprĂ€sentantInnen der Macht werden diese schönen Momente des Krieges durch das Spektakel und die Journalisten verzerren, sondern es gibt auch lebende Mythen ĂŒber selbstversĂ€ndliche Vorstellungen von unserer Seite; der Mythos der wĂŒtenden Gesellschaft, die scheinbar mit uns sympathisiert und unsere Praxen unterstĂŒtzt, der Mythos der Massengewalt, der Mythos einer „gerechten Sache“ im Allgemeinen.

Aber wir brauchen nicht die „Sympathie“ einer Masse von Applaudierenden, und wir warten auch nicht auf die Massen, bevor wir handeln, noch haben wir darum zu bitten eine gerechte oder ungerechte Sache zu verteidigen, sie sie richtig oder falsch. Wie sind nicht weniger als das, was wir sind, und wir suchen nach KomplizInnen und GenossInnen. Wir sind die AnarchistInnen, die den Befehl zurĂŒckweisen; wir wollen unsere Handlungen selbst bestimmen, denn dies sind ja unsere Aufforderungen an jede/-n, der/die sich sein/ihr Leben zurĂŒckholen will. Denn unsere Handlungen machen uns zu dem, was wir sind. Deshalb denken wir, dass die informellen anarchistischen direkten Aktionsgruppen sich nicht durch Schweigen ihre Aktionen kaputt machen lassen sollten, sie nicht in der Diktatur des SelbstverstĂ€ndlichen zurĂŒcklassen sollten, sondern wir betrachten öffentliche KommuniquĂ©s einer AnschlagserklĂ€rung als ziemlich bedeutsam.

Abgesehen davon, wenn wir eine Aktion dem GlĂŒck der AnonymitĂ€t ĂŒberlassen, fĂŒhlt es sich an, als wĂŒrden wir die Aktion ihrer eigenen Seele und der Bedeutung, die sie trĂ€gt, berauben. Die Kommunikation, die sowohl zerfressen wurde und als auch ihre Substanz unter dem Einfluss der modernen Zivilisation verloren hat, bekommt wieder einen Sinn und wurde von neuem befreit durch den Diskurs der GenossInnen, die jeden einzelnen Angriff durchfĂŒhren. So hört die Aktion selbst auf, ein Ende zu sein – nur ein Nachrichtenartikel in einer Tageszeitung oder ein einfacher Schlag gegen den Feind – sondern wird etwas, das sehr viel mehr ist: ein Teil einer besonderen Geschichte, Teil eines besonderen Erbens, das im Hier (und Jetzt) geschrieben ist, in dem Jetzt von Menschen, die ein gemeinsames Verlangen teilen – das Verlangen des kontinuierlichen Kampfes und der Zerstörung des Existierenden; ein Erbe, das die Zeit ĂŒberdauert und offen ist fĂŒr Kritik und Evolution. Abgesehen von der Festlegung auf Feindseligkeiten, glauben wir, dass wir auf diesem Weg eine dauerhafte aufstĂ€ndische Perspektive erreichen können, die eine internationale Schar von informellen Aktionsgruppen umfasst und die Voraussetzung fĂŒr einen Dialog schafft, der wiederum entscheidend ist fĂŒr die Entwicklung von Beziehungen und Freundschaft.

Jede Proklamation, jede ErklÀrung ist eine offene Einladung, ein kleiner Beitrag zu einer breiteren Konversation, ein Weg um eher Fragen aufzuwerfen, als Antworten zu geben, ein Weg um sich selbst gegen jede offizielle Wahrheit festzulegen, eine Methode der Kommunikation mit Gleichgesinnten, die du noch nicht einmal vorher persönlich getroffen oder kontaktiert hast; es ist die Auslagerung des Krieges gegen die Macht, die wir in uns haben.

Außerdem ist jedes KommuniquĂ© das Resultat der Sehnsucht von einer Gruppe von GenissInnen, die sich zusammen gesetzt haben, um ihre Aktion zu diskutieren, zu planen und zu organisieren, und ihr Ziel angegriffen haben, um dann wieder miteinander zu sprechen. Sie teilten ihre Erfahrungen, machten eine Darstellung, ĂŒbten oft Selbstkritik und entschieden sich ihre, gelebte Erfahrung und das Wissen ihres Angriffs zu veröffentlichen. FĂŒr uns ist jede Zelle oder informelle Gruppe ein lebendiges Experiment menschlicher Beziehungen in einer befreiten Perspektive. Besonders die Zellen, die mit der Zeit BestĂ€ndigkeit bewiesen haben, standen fĂŒr Laboratorien der Subversion, erschließen das Zentrum menschlicher Beziehungen. Es ist sicher, dass Beziehungen von GenossInnen in informellen Gruppen ausprobiert, entwickelt, abgenutzt, neu geschaffen werden und jedes Individuum mehr und mehr von sich selbst entdeckt. Eine Zelle oder eine informelle anarchistische Föderation lĂ€uft nicht hinter den Fakten her, sondern lĂ€sst stattdessen Dinge geschehen. Informelle Gruppen sind dazu gemacht, die ZufĂ€lligkeit der historischen Bedingungen zu ĂŒberwinden und ĂŒberlassen ihre Sehnsucht fĂŒr den Angriff nicht einer SpontaneitĂ€t der UmstĂ€nde. Im Gegenteil, sie erklĂ€ren dem Existierenden ihren eigenen Krieg im hier und jetzt ohne irgendeine Verzögerung.

Diese Formationen und Zellen sind ein Weg, um der TrĂ€gheit der Massen Lebewohl zu sagen. Wir taufen sie mit den Namen, die wir uns selbst geben. Der Name jeder Gruppe an der wir uns beteiligen ist unsere Psyche, unsere Seele. Er ist unser Weg zur Selbstbestimmung und Ablehnung aller sozialen IdentitĂ€ten. Wir sind weder Proletarier, noch UnterdrĂŒckte, noch ArbeiterInnen. Wir wollen nicht in der AnonymitĂ€t der Masseneinheit, die unsere Einzigartigkeit beseitigt, verloren gehen. Wir sind der Name, den wir fĂŒr uns selbst gewĂ€hlt haben. Dazu sagen wir, dass der Name einer Zelle nicht als Reklameschild steht, sondern vielmehr als Aufruf an jeden, um seine eigene Praxis zu organisieren und seine eigene Gruppe zu bilden, um so von einem Punkt auszugehen wo eine RĂŒckkehr zur NormalitĂ€t unmöglich ist. FĂŒr den stĂ€ndigen anarchistischen Aufstand, der nie endet. Denn es wird immer einen neuen Sonnenaufgang geben, der schöner ist, als alle vorherigen.

Solidarische GrĂŒĂŸe

Verschwörung der Feuerzellen der ersten Phase
und der Anarchist Theofilos Mavropoulos


Die AnonymitÀt

Also nĂ€here ich mich dem Monster, eine Schale gefĂŒllt mit dunkelfarbenem Wein haltend, und sage ihm:

„Nimm Zyklop, trinke von diesem Wein, da du gerade menschliches Fleisch gegessen hast. Ich will, dass du weißt welch GebrĂ€u ich auf meinem Schiffe versteckt hatte; Ich schenke ihn dir in der Hoffnung, dass du, da du Mitleid mit mir bekommst, mich bald in meine Heimat zurĂŒckschickst. Zyklop, deine TobsĂŒchte sind nun erduldbar! Grausamer Mensch ohne Gerechtigkeit, wie willst du dass von nun an Sterbliche noch an diese Orte kommen?“

Bei diesen Worten nimmt das Monster die Schale und empfindet eine solchen Gefallen daran dieses sanfte GebrĂ€u zu genießen, dass er mit folgenden Worten um ein zweites mal fragt:

„Schenke mir nochmal von diesem köstlichen Wein ein und sag mir deinen Namen, damit ich dir, als Fremden, ein Geschenk gebe, das dich erfreut. Unsere fruchtbare Erde produziert auch Wein, eingeschlossen in schönen Reben, welche der Regen des Jupiters wachsen lĂ€sst; aber dieses feinste GebrĂ€u, welches du mir bietest, fließt sowohl aus dem Nektar wie aus der Ambrosia.“

Er sagt es, und unverzĂŒglich schenke ich ihm von diesem funkelnden Likör ein: Drei mal gebe ich dem Zyklopen davon und drei mal trinkt er maßlos davon. Sobald der Wein sich seiner Sinne bemĂ€chtigt hat, richte ich jene sanften Worte an ihn:

„Zyklop, da du nach meinem Namen fragst, so werde ich ihn dir sagen; aber schenke mir diese Gastfreundschaft wie du es mir versprochen hast. Mein Name ist Niemand: Niemand nennen mich sowohl mein Vater und meine Mutter, wie auch alle meine treuen GefĂ€hrten.“

Das grausame Monster antwortet mir:

„Niemand, wenn ich alle deine GefĂ€hrten verschlungen haben werde, werde ich dich als letztes essen: So wird fĂŒr dich das Geschenk der Gastfreundschaft sein.“

So sprechend, fĂ€llt der Zyklop um: Sein riesiger Hals fĂ€llt in den Sand. Der Schlaf, der alle Wesen zĂ€hmt, ergreift ihn und aus seinem Mund treten der Wein und Fetzen menschlichen Fleisches aus, die er wĂ€hrend seiner Trunkenheit ausstĂ¶ĂŸt. Also schiebe ich den Pfahl in die Glut um ihn brennend zu machen, und durch meine Reden rege ich meine GefĂ€hrten an, dass sie von der Angst erschrocken mich nicht verlassen. Als der Stamm des Olivenbaums genug erhitzt ist, und obwohl er noch grĂŒn ist beinahe Feuer fĂ€ngt, ziehe ich ihn so glĂ€nzend aus dem Feuer, und meine braven GefĂ€hrten bleiben um mich herum: Zweifellos flĂŒsterte mir ein Gott diese große KĂŒhnheit zu! Meine treuen Freunde ergreifen den spitzen Pfahl, drĂŒcken ihn in das Auge des Zyklopen, und ich, indem ich mich an die Spitze des Pfahls stelle, drehe ihn mit Kraft. – So, wie wenn ein Handwerker mit einem Bohrer den Balken eines Schiffes durchsticht, und unter ihm andere Arbeiter, den Antriebsriemen von beiden Seiten ziehend durchgĂ€ngig das Werkzeug bewegen: genau so lassen wir den Pfahl im Auge des Zyklopen drehen.

Überall um die entflammte Spitze fließt das Blut; ein glĂŒhender Dampf verschlingt die Augenbrauen und Wimpern des Riesen; seine Pupille wird verzehrt, und die Wurzeln des Auges funkeln, verbrannt von den Flammen. – So, wie wenn ein Schmied in die eiskalte Flut eine durch das Feuer gerötete Axt taucht um sie zu hĂ€rten (denn dieses HĂ€rten macht die StĂ€rke des Eisens aus), und diese Instrumente mit großem LĂ€rm beben: Genau so pfeift das Auge des Zyklopen, durchstochen von dem brennenden Pfahl. Das Monster stĂ¶ĂŸt schreckliche Schreie aus, die die Höhle krachen lassen; und wir, von Schreck ergriffen, fangen an zu fliehen. Der Zyklop entreißt seinem Auge diesen mit Blut besudelten Pfahl, und in seiner Wut wirft er ihn weit weg. Sogleich ruft er mit lauten Schreien die anderen Zyklopen, die in den benachbarten Höhlen auf dem Wind ausgesetzten Bergen leben, herbei. Als sie die Stimme Polyphems hören, eilen die Riesen von allen Seiten herbei; sie umringen seine Höhle und fragen mit folgenden Worten nach den GrĂŒnden seiner BetrĂŒbnis:

„Warum reißen uns mitten in der göttlichen Nacht diese traurigen Rufe aus dem Schlafe? Hat dir einer der Sterblichen ein Lamm oder ein Schaf weggenommen? FĂŒrchtest du, dass jemand dir List oder Gewalt anwendend den Hals durchschneidet?“

Polyphem, vom Grunde seiner Höhle, antwortet ihnen indem er sagt:

„O meine Freunde, wer tötet mich, nicht mit Kraft sondern mit List? Niemand!“

Sofort antworten die Zyklopen:

„Da niemand dir in deiner Einsamkeit Gewalt antut, was willst du dann von uns? Es ist unmöglich den Schmerzen, die uns der große Jupiter schickt, zu entfliehen. Richte dich doch an deinen Vater, den mĂ€chtigen Neptun.“

Bei diesen Worten entfernen sich alle Zyklopen. Ich lachte, darĂŒber sinnend wie sehr Polyphem durch meinen angeblichen Namen und meine ausgezeichnete List getĂ€uscht wurde.“

– Homer, Odysse, IX

Seit der Antike hat es sicher nicht an Menschen gefehlt, die die Möglichkeit der Verwendung von AnonymitĂ€t realisiert und besungen haben. Nur wenn man niemand ist kann man vermeiden von seine Feinden erkannt zu werden. Es handelt sich um eine alte griechische Weisheit, die den Anarchisten der CCF zu fehlen scheint, von denen manche – in einem Text der im Knast von gewissen von ihnen geschrieben wurde, unterschrieben auch von einer anderen inhaftierten Person, und an ein anarchistisches Treffen geschickt, das letzten November (2012) in ZĂŒrich stattgefunden hat – den GrĂŒnden hinter der Verwendung eines Namens, eines Akronyms und einer prĂ€zisen IdentitĂ€t mit welcher ihre eigenen Aktionen des Kampfes bekannt werden, reichlich Platz widmen.

Ihr Text ist besonders da, auch wenn seine Verfasser Teil der wahrscheinlich am bekanntesten anarchistischen bewaffneten Gruppe sind, sie auf gewisse Weise die Mehrheit der weitverbreiteten Kritik gegenĂŒber dem Luttarmatismus (bewaffneten Kampf) begrĂŒĂŸen und sich aneignen, indem sie jegliche Trennung und Spaltung der Rollen zurĂŒckweisen. Sie sagen, dass es keinen Unterschied zwischen Kameraden gibt, die an vorderster Front dabei sind Waffen zu bedienen und Kameraden, die im Hintergrund dabei sind Papier zu handhaben, da jedes Mittel eine Waffe ist, kann man genau so gut zum Banner wie zum Feuerzeug, zum Stein wie zum Dynamit greifen. Stahl ist sowohl das Grundelemet fĂŒr Pistolen und Kugelschreiber, es existiert keine Hierarchie der Mittel, es gibt keinen technischen Fetischismus. Alle GefĂ€hrten mĂŒssen in der Lage sein alles zu verwenden. Aus mit der Spezialisierung. Perfekt. Dennoch bleibt die unĂŒberbrĂŒckbare Frage der IdentitĂ€t bestehen. Sich in der Finsternis zu bewegen anstatt unter den Neonlichtern, davon wollen diese griechischen GefĂ€hrten wirklich nichts hören.

Da sie GrĂŒnde fĂŒr ihre Entscheidungen darlegen, was jahrelang viele andere Anarchisten, die ihren Pfad teilten, nicht fĂŒr nötig hielten zu ĂŒbernehmen, und somit jegliche Debatte ĂŒber diese Frage unmöglich machten, und ihren Text an ein anarchistisches Treffen geschickt haben, scheint uns ihre Intention endlich eine Diskussion zu diesen Themen eröffnen zu wollen offensichtlich. Erfreut ĂŒber ihre Entscheidung, wollen wir hier unseren Beitrag beisteuern.

Lasst uns bei der Frage der Mittel beginnen. Nachdem sie prÀzisiert haben, dass sie auf keinen Fall der anarchistischen Initiative Grenzen aufzwingen wollen, und nicht alles technische Wissen generalisieren wollen, schreiben diese GefÀhrten:

„Wir glauben, dass das, was notwendig ist sich anzueignen, der Wille zum anarchistischen Aufstand selbst ist, und die Mittel sind nichts anderes als Objekte, die unsere HĂ€nde und SehnsĂŒchte fĂ€hig sind zu entdecken. Daher vermeiden wir die Trennung zwischen niedriger und hoher IntensitĂ€ten an Gewalt, und zerstören die Reproduktion des Expertenmythos. Ein typisches Beispiel der polymorphen anarchistischen Aktion sind die Versuche der FAI/FRI, deren Mitglieder sich sowohl zu solidarischen Bannern oder zu der Blockierung der EingĂ€nge von GeschĂ€ften mit Klebstoff jeweils in Peru und Bolivien bekennen, als auch zu den KnieschĂŒssen auf einen Vorsitzenden eines Kernkraftunternehmen in Italien oder die Hinrichtung dreier Kommunalbullen in Mexiko. Letzten Endes haben auch wir als Verschwörung der Feuerzellen mehr oder weniger so angefangen und wir sind nie in die Falle der Arroganz der Mittel und ihrer inoffiziellen Hierarchie gefallen.“

Das sind klare Worte, ohne Doppelsinn, aber
 begleitet von einem Beispiel, das mindestens absurd ist. Da es wirklich Torheit ist, dass ein einzelnes Akronym so entfernte Aktionen bekennt – was die Konsequenzen anbelangt – wie das Entfalten von Bannern und das Ermorden von Polizisten. Das erste ist ein ĂŒblicher Akt, der jedem zugĂ€nglich ist, im Gegensatz zum zweiten. Meistens sind die Autoren der ersten Handlung einfacher auffindbar, da man wenig Vorsichtsmaßnahmen braucht. Aber im oben genannten Beispiel, wĂŒrden sie auch riskieren die Konsequenzen des zweiten zu zahlen, insbesondere da, wo die Aktionen auf demselben Territorium passieren. Oder sollten sich die Anarchisten von Peru und Bolivien der FAI/FRI fĂŒr immer mit Bannern und Klebstoff aufhalten? Oder legen sie nahe, dass bei Ă€hnlich simplen Akten immer die selbe Aufmerksamkeit notwendig ist, wie in ganz anderen Form von Aktionen?

Diese griechische GefÀhrten vernachlÀssigen völlig gewisse Repressionsmechanismen zu beachten, wie zum Beispiel den Delikt der kriminellen bzw. terroristischen Vereinigung, den sie paradoxer und unfreiwilliger Weise durch ihren identitÀren Schwung ermutigen. Um klar zu machen, was wir sagen wollen, geben wir zwei konkrete historische Beispiele.

In Spanien, in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, gab es viele soziale Erregungen. Insbesondere im unteren Teil Andalusien vervielfÀltigten sich die Brandstiftungen an Weinbergen und Ernten, die illegalen Abholzungen, die DiebstÀhle von Vieh, ganz zu schweigen von den Morden. Im Unterschied zum katalanischen Anarchismus, damals nÀher an legalistischen Positionen, behielten die andalusischen Anarchisten eine gewisse Neigung zur direkten Aktion. Es ist in diesem Rahmen, dass die Mano Negra 1883 erschien, eine anarchistische Phantom-Organisation, welcher die AutoritÀten eine Verschwörung mit dem Ziel alle Landbesitzer der Gegend zu töten andichteten.

Auch wenn es wahr ist, dass diese Tatsachen die Sympathie von vielen andalusischen Anarchisten erregte, ist es auch wahr, dass die Existenz dieser Organisation selbst zweifelhaft bleibt. Die Autoren des L’Incendie millĂ©nariste (Das Millenaristische Feuer), die französische Cangaceiros Delhoysie und Lapierre schreiben zum Beispiel: „Es ist auch wahrscheinlich, dass eine Gruppe oder geheime Sekte namens Mano Negra niemals existierte; dieser Name hat dazu gedient ein Ensemble an Aktionen und Sekten ohne Namen zu kennzeichnen. Alles in allem, liefen die Prozesse, die gegen die andalusischen Anarchisten in der Sache Mano Negra gefĂŒhrt wurden auf 300 GefĂ€ngnisurteile hinaus.“

Abseits der Frage ob diese „Signatur“ eine reine Polizei-Erfindung oder eine absichtliche Wahl einiger weniger andalusischen Kameraden war, ist es auf jeden Fall sicher, dass sie einerseits alle Aktionen, die ohne Namen zu dieser Periode vollbracht wurden, umfasst, und andererseits der Staatsanwaltschaft dazu diente extrem schwere Strafen gegen jene zu verhĂ€ngen, die an verschiedenen sozialen KĂ€mpfen teilgenommen haben (und darĂŒber hinaus viele willkĂŒrliche Exekutionen von Subversiven zu rechtfertigen). Die Autoren der unzĂ€hligen kleinen Aktionen sahen sich also verfolgt und verurteilt, weil sie der Teilnahme an einer bewaffneten Bande angeklagt waren an der sie niemals teilgenommen haben (und die es vielleicht nie gab).

Einige Jahre spĂ€ter trat in Frankreich eine Ă€hnliche Situation ein. Die Aktionen, die von einigen individualistischen Kameraden ausgetragen wurden, wurden einer gewissen „Bonnot Bande“ angerechnet, die nur der Vorstellungskraft eines Journalisten entsprang. In Wirklichkeit hat es niemals eine strukturierte Bande gegeben, sondern nur ein aktives und aufbrausendes Milieu von Kameraden. Individuen trafen sich, vereinigten sich fĂŒr eine Aktion, trennten sich, ohne irgendeine HomogenitĂ€t. Aber das Spukgespenst einer „organisierten Gruppe“ wurde von der Staatsanwaltschaft erweckt und dutzende GefĂ€hrten fĂŒr organisierte Verbrechen angeschuldigt, was bei hĂ€rteren Strafen endete, und ohne die Kreation dieses kollektiven organisatorischen Spuks unmöglich gewesen wĂ€ren zu verhĂ€ngen.

Egal ob es eine soziale Bewegung oder ein „Bereich“ einer spezifischen Bewegung war, in beiden FĂ€llen werden die von einzelnen GefĂ€hrten vollbrachten kleinen Aktionen, Ausdruck dieses dunklen Waldes der Anarchie, von einer Organisation geschluckt, von einer Gruppe, egal ob sie real ist oder fiktiv. Der Staat hat bestes Interesse daran, dass das passiert. Einerseits, kann er die Idee verbreiten es gĂ€be nur einige Hitzköpfe, die versuchen ihn zu bekĂ€mpfen, das jeglicher aufstĂ€ndische Versuch nur die Frucht des Komplotts einiger einsamer Subversiver gegen den Willen einer zustimmenden Mehrheit an BĂŒrgern ist und somit der Subversion ihren sozialen und generalisierbaren Charakter wegnehmen. Andererseits kann er mit eiserner Faust gegen seine Feinde vorgehen, indem er die Haftstrafen durch die Verwendung des organisierten Verbrechens erhöht.

Nicht nur ziehen die griechische GefĂ€hrten diese Aspekte nicht im mindesten in Betracht, sein es auch nur Fragen der Sicherheit, sondern sie verschlimmern sie. Sie verteidigen in der Tat, dass es keinen Unterschied gibt zwischen denen, die Banner ausrollen und denen, die Polizisten töten. Sie können und mĂŒssen auf der gleichen Ebene sein, sie sollten zu der selben Organisation gehören, die ihre Aktionen bekennen muss, wenn sie nicht in die Ungenauigkeit geraten will. Musik in den Ohren der Staatsanwaltschaft. Wenn das ĂŒberdachende Akronym bei der ALF (Animal Liberation Front) funktioniert, ist es weil die Aktionen, die weltweit von ihren Aktivisten durchgefĂŒhrt werden, sich Ă€hneln, da es sich im allgemeinen um die Befreiung von Tieren handelt. Aber die Beispiele, die von den griechischen GefĂ€hrten gegeben werden, sind anderen Ursprungs. Wer ist verrĂŒckt genug sich aufgrund eines Banners identifizieren zu lassen, wenn er weiß, dass er anschließend eines Mordes angeklagt werden könnte? Sollte er also beim AufhĂ€ngen eines StĂŒck Stoffes die selben Vorsichtsmaßnahmen treffen wie wenn er in Betracht ziehen wĂŒrde einen Feind zu eliminieren? Auf lange Sicht wird die Hierarchie zwischen den Mittel, welche man mit guter Absicht aus der TĂŒr geschickt hat, aufgrund der harten praktischen Notwendigkeiten durchs Fenster wieder hinein kommen.

Bedauerlich fĂŒr diese griechischen GefĂ€hrten, gibt es nur einen Weg all diese Probleme zu vermeiden: Die AnonymitĂ€t. Bisher wurde sie als eine Vorsichtsmaßnahme vorgeschlagen, als „strategische“ Entscheidung. Jedoch ist dies nur ein zusĂ€tzlicher Aspekt der Frage, unserer Meinung nach der am wenigsten wichtige. TatsĂ€chlich ist die AnonymitĂ€t auch und vor allem eine Methode, die unseren eigenen Verlangen entspricht. Wir sehen sie nicht nur als nĂŒtzlich und funktionell an, wir betrachten sie vor allem als richtig.

Die AnonymitĂ€t eliminiert das Eigentumsrecht des Autors auf das, was getan wurde, depersonalisiert die Aktion indem sie sie von dem einzelnen Menschen befreit, der es getan hat. Auf diese Art erlaubt sie der Aktion ein potentiell vielfacher Akt zu werden (und scheiß drauf, wenn er die SchĂ€bigkeit der Krypto-Angeber anregt). Die anonyme Aktion hat keinen Besitzer, keinen Meister, gehört niemandem. Dass heißt sie gehört allen denen, die sie teilen.

Als Schatten unter Schatten sind wir alle gleich. Niemand ist vorne um zu fĂŒhren, niemand ist hinten um zu folgen. Was wir in der Finsternis tun, wissen einzig und alleine wir. Und das genĂŒgt. Die Finsternis beschĂŒtzt uns gegen unsere Feinde, aber beschĂŒtzt uns auch und vor allem vor uns selbst. Keine FĂŒhrer, keine Herdentriebe, keine Eitelkeit, keine passive Bewunderung, kein Wettbewerb, nichts zu beweisen oder was auch immer. Die Tatsachen, nur die nackten und rohen Tatsachen, ohne Mediation. Eine Bank hat gebrannt, eine Kaserne ist explodiert, ein Pfeiler wurde niedergerissen. Wer hat es getan? Das tut nichts zur Sache. Ob es Anna oder Arthur war, wo ist der Unterschied? Es ist passiert, es ist möglich, tun wir es! In der Finsternis spricht die Aktion fĂŒr sich selbst. Wenn sie nicht verstĂ€ndlich ist, werden es sicher nicht die tosenden KommuniquĂ©s sein, die von der Propagandamaschine des Staates geschluckt werden, die ihr einen Sinn geben werden. Wie jemand schon einmal bemerkt hat, so ist eine Aktion, die von einem KommuniquĂ© befolgt wird wie ein Witz, dem eine ErklĂ€rung folgt. Indem man das tut, verbessert man nicht den Effekt, sondern banalisiert ihn, man verdirbt ihn. Wenn eine Aktion nicht fĂŒr sich selbst spricht, so geschieht es nicht, das sich das Problem löst indem man Worte darĂŒber anhĂ€uft, da sich die falsche Wahl offensichtlich davor in der abwegigen Wahl des Ziels befindet.

Angriffsaktionen brauchen keinerlei Rechtfertigung im Nachhinein. Ist es auf einem Planeten, der von Kriegen zerrissen wird, nötig bekannt zu machen, warum man eine MilitĂ€rbasis angreift? Ist es in einer Welt, die die Beute von Spekulation ist, nötig bekannt zu machen, warum man eine Bank angreift? Ist es nötig in einer Welt, die von Politik korrumpiert ist, bekannt zu geben, warum man Parteien angreift? Nein. Die GrĂŒnde sind bereits vor den Augen aller und dort, wo sie es nicht sind, liegt es an der Gesamtheit der Bewegung sich darum zu kĂŒmmern die soziale Kritik zu verbreiten um sie verstĂ€ndlich zu machen und deswegen teilbar und deswegen reproduzierbar.

Genauso sehr wie das Verlangen einen Feind anzugreifen menschlich, spontan und unmittelbar ist, genau so ist der Impuls Propaganda daraus zu machen, seine EigentĂŒmerschaft zu bekennen, sich den Verdienst zuzuschreiben, kĂŒnstlich und kalkuliert. FĂŒr wessen Augen? Wenn sich die Autoren einer Aktion in den Vordergrund stellen, ist es so, weil sie erkannt werden wollen, weil sie herausstechen wollen, dass heißt, weil sie bewundert und befolgt werden wollen. Da fĂ€ngt das Spektakel an, hier beginnt die Rekrutierung. Jene, die sich ins Licht stellen und herausstechen, fangen unumgĂ€nglich damit an im Namen von anderen zu sprechen. Es kann auch nicht anders sein, weil sie es sind, auf die alle Scheinwerfer gerichtet sind, sie diejenigen sind, denen man die Mikrophone gibt. Die Anderen, wenn sie sich nicht benutzt fĂŒhlen wollen, werden dazu gezwungen sein ihrerseits einen Schritt nach vorne zu machen; die einen um den Spuren der Ersteren zu folgen, die anderen um sich von ihnen zu distanzieren. Das Ende der AnonymitĂ€t markiert das Ende der Gleichheit, den Anfang der ReprĂ€sentation. Die Medien sind immer dazu bereit die Reden jener zu verstĂ€rken, die an ihre TĂŒr klopfen, von denen, die die Logik des Spektakels akzeptieren. Und diese VerstĂ€rkung ist befriedigend, sie gibt die Illusion von Kraft. Ein anonymer Akt, egal wie bedeutend er sein mag, wird höchstwahrscheinlich verschwiegen werden, wĂ€hrend eine Geste, sogar eine banale, aber etikettiert, in alle Himmelsrichtungen heraus posaunt wird – schau, sie sprechen von uns! Hast du gesehen wie stark wir sind?

In der Finsternis jedoch gibt es keine Namen, keine IdentitĂ€t, es gibt nur eine heterogene Bewegung, kochend wie Magma, fragmentarisch, wild. Niemand befiehlt, niemand gehorcht. Akte wie Worte haben Wert wegen ihrem Sinn, wegen ihrem Inhalt, wegen ihren Konsequenzen. Nicht wegen dem Ruf ihrer Autoren. Anstatt das Ende der AnonymitĂ€t von Aktionen herbeizurufen, mĂŒsste man sie im Gegenteil auch in Worten einfĂŒhren. Um einer Bewegung Leben zu schenken, die anarchistisch, autonom, anonym, entschlossen in ihren Angriffen ist, ohne das BedĂŒrfnis zu fĂŒhlen dem Feind irgendeine ErklĂ€rung zu geben. Eine Bewegung, die fĂ€hig ist Theorie und Praxis vorwĂ€rts zu bringen, ohne ein Podium fĂŒr die Ambitionierten zu errichten. Wo die GrĂŒnde fĂŒr die Aktionen durch BĂŒcher, Zeitungen, Plakate, FlugblĂ€tter und von allen von der Bewegung voran gebrachten Theorien in ihrer Gesamtheit ausgedrĂŒckt werden. Wo die Leidenschaften der Ideen durch Demonstrationen, Sabotagen, BrĂ€nden, Attacken und von allen von der Bewegung voran gebrachten Praktiken ausgedrĂŒckt werden.

Die griechischen GefĂ€hrten schreiben, dass „der Name jeder Gruppe, an der wir uns beteiligen, unsere Psyche, unsere Seele ist.“. Welch seltsame Äußerung! Was gibt es denn geheimeres, intimeres, unaussprechlicheres, als jemandes Psyche, als jemandes Seele? Wer wĂŒrde gerne seine Psyche auf die Titelseite geworfen oder seine Seele von einem Bildschirm ausgekotzt sehen? Ein Name ist nur eine IdentitĂ€t. Er dient nur dazu sich bekannt zu machen und erkannt zu werden. Einen Namen von der Gesellschaft der Ware aufgedrĂŒckt zu bekommen oder sich einen eigenen auszusuchen, macht keinen großen Unterschied. Es fĂŒhrt nur ein neues Logo ein. Im Angesicht des medialen GeschwĂ€tzes, diesem ĂŒberwĂ€ltigenden LĂ€rm, so wie im Angesicht des Feindes, gibt es keine Zweifel: Schweigen ist Gold. Werden die Medien anonymen Aktionen den Sinn rauben, indem sie sie je nach ihrem momentanen BedĂŒrfnissen verzerren? NatĂŒrlich machen sie das, das ist ihr Beruf. Aber die Verwendung eines Akronyms Ă€ndert nichts an dieser Tatsache. Viel eher nimmt man damit nur am Werk der Verwirrung teil. Der, der denkt unmissverstĂ€ndlich innerhalb der Medien sprechen zu können ist recht naiv. In Wirklichkeit, sind es die Medien, die ihn benutzen um durch ihn sprechen zu können.

Und dann, was sagen ĂŒber diese Idee, dass informelle Gruppen untereinander durch die KommuniquĂ©s diskutieren könnten und sollten! Aber man kann sich fragen, an wen sie sich in Wirklichkeit richten wollen. An die Menschen auf der Straße, die Ausgebeuteten und deswegen an die potentiellen Komplizen, die nicht den Sinn der Aktion verstehen? Oder an die GefĂ€hrten von anderswo um zu dialogisieren? Im ersten Fall, jenseits der Illusion die Medien gebrauchen zu können, ist die Anwesenheit all dieser Referenzen ĂŒber das, was sich innerhalb der Bewegung abspielt, unverstĂ€ndlich: Verzerrte Botschaften, Zitate, Referenzen, alles Dinge, die die KommuniquĂ©s in den Augen der gewöhnlichen Leute unverstĂ€ndlich machen. Ihre Reaktion kann also nur GleichgĂŒltigkeit in Bezug auf den Kampf dieser seltsamen Anarchisten sein, die im Moment der Aktion ein recht enges mentales Universum ausdrĂŒcken, unfĂ€hig ĂŒber die Schwelle ihres Hauses zu schreiten. Die Anarchisten gegen den Staat, der Staat gegen die Anarchisten: Ist er nur das, der soziale Krieg? Im zweiten Fall hingegen, versteht man nicht warum man auf solch ein Werkzeug zurĂŒckgreift. Warum mĂŒsste ein Dialog, eine Diskussion, eine Debatte unter GefĂ€hrten durch Massenmedien anstatt durch die KanĂ€le der Bewegung selbst stattfinden? Warum sollten die Zeitungen, BroschĂŒren, Journale oder sogar Blogs nicht genĂŒgen um sich bestimmten Fragen zu stellen? Und inwiefern sind diese Diskussionen interessanter und gĂŒltiger, wenn es nicht alle GefĂ€hrten sind, die sie fĂŒhren – vielleicht sogar tĂ€glich – sondern die „Militanten der kĂ€mpfenden Organisationen“ bei den AnlĂ€ssen ihrer Aktionen? WĂ€hrend man sich in diesem Spiel purer Selbstdarstellung entlĂ€dt, lesen die Bullen und Journalisten unsere Worte, lernen unsere sprachlichen Codes, notieren Ähnlichkeiten, entziffern Referenzen, machen Hypothesen ĂŒber unsere Verbindungen, leiten Verantwortungen ab
 und bereiten sich vor.

Wie eine GefĂ€hrtin wĂ€hrend des Treffens in ZĂŒrich angemerkt hat, haben sich im Laufe der 70er Jahre in Italien zahllose bewaffnete Organisationen zu hunderten Aktionen gegen den Staat bekannt. Aber außerhalb dieses politischen Spektakels, das so sehr dazu beigetragen hat eine völlig irrsinnige revolutionĂ€re Mythologie zu schaffen, die bis zum heutigen Tag Opfer fordert, gab es tausende Aktionen. Die Medien schenkten den ersteren viel Platz, aber taten alles um die zweiten zum Schweigen zu bringen. Ist es wirklich noch einmal nötig die GrĂŒnde dafĂŒr zu erklĂ€ren?

Darum haben wir mit Sorgfalt das Dokument dieser griechischen GefĂ€hrten gelesen, und wir sind entzĂŒckt darĂŒber, dass sie sich klar zu diesem Thema erklĂ€rt haben. Aber zwischen der Hypothese, dass die radikale anarchistische Aktion sich mit vereinigten Fronten und anarchistischen Föderationen (vielleicht mit zu unterschreibenden assoziativen Pakten) paart, oder einer, die kleine zerstreute affinitĂ€re Gruppen propagiert, haben wir weiterhin keine Zweifel. Und bevorzugen eine anarchische, autonome, anonyme Revolte



FAI, Akronyme und die AnonymitÀt der anarchistischen Galaxie

– Conspiracy of Cells of Fire FAI-IRF – Zelle der eingeschlossenen Mitglieder –

Ausschnitt aus dem zuerst auf Spanisch und dann auf Englisch unter dem Titel „Let’s become dangerous
 for the diffusion of the Black International“ („Lasst uns gefĂ€hrlich werden 
 FĂŒr die Verbreitung der Schwarzen Internationale“) erschienenen Text, welchen die eingeschlossenen Mitglieder der CCF-FAI/FRI zu einem informellen internationalen anarchistischen Treffen im Dezember 2013 in Mexiko veröffentlichten.

Was nun interessant ist, ist neue und gefĂ€hrliche Wege zum AusdrĂŒcken des Hasses gegenĂŒber der sozialen Maschinerie, den wir fĂŒhlen, zu diskutieren und zu entdecken.

Wir beginnen damit, einen Startpunkt zu identifizieren. FĂŒr uns ist der Startpunkt informelle anarchistische Organisation.

I.) Informell, da wir die Bedingungen und Normen der vordefinierten Rollen und organisatorischen Statuten ablehnen. Die Rolle des Redners, der das Publikum in Versammlungen fesselt, des Diebes, des Bombenwerfers, des Autoren von KommuniquĂ©s und des Brandstifters, trennen und verschwenden das Leben und unsere FĂ€higkeiten. Trennung ist das Prinzip der AutoritĂ€t. Die informelle AutoritĂ€t der Rollen, welche wir oft in anarchistischen Zirkeln antreffen, ist heimtĂŒckischer als die institutionelle AutoritĂ€t, da sie gut getarnt bleibt und auf diese Art und Weise unsichtbar und unverletzlich. Wir sagen ALLES FÜR ALLE. Jeder von uns, fern ab von Rollen und Spezialisierungen, kann seine/ihre Fertigkeiten entwickeln und alles durch kameradschaftliche Gegenseitigkeit ausprobieren 
 RaubĂŒberfĂ€lle, Brandstiftungen, Bomben, Exekutionen, Texte, Konversationen und jegliche andere Form des Ausdrucks, welche Neue Anarchie vorantreibt.

II.) Anarchistisch, da wir Anarchisten sind und weder FĂŒhrer noch AnhĂ€nger wollen. Wir kreieren die Verschwörung der Gleichgestellten, die durch kleine flexible direkte Aktions Zellen operiert, was eher als das zentralisierte Modell der Organisation, welches in bĂŒrokratischen, pyramidenförmigen, hierarchischen AutoritĂ€ts-Komitees Zuflucht sucht, wiederkehrende Debatten begĂŒnstigt.

III.) Organisation, da wir an den kontinuierlichen anarchistischen Aufstand und den Krieg gegen AutoritĂ€t glauben. Wenn wir den permanenten Krieg gegen die Befehlshaber unserer Leben intensivieren wollen, mĂŒssen wir organisieren. Wir wollen ein internationales Netzwerk von Angriffszellen schaffen, welche anregen, planen und koordinieren, autonom handeln, entwickeln und sich gegenseitig darin helfen werden die Möglichkeit der Anarchie voranzutreiben.

Dies ist unser Vorschlag, also unterstĂŒtzen wir mit ganzem Herzen das internationale Netzwerk der FAI-IRF.

Wir sind ĂŒber die schmeichelnde Polemik unterrichtet, welche gegen die FAI von Kameraden und „Kameraden“ entfesselt wurde. Wir erlösen jene von dem theoretischen Elend ihrer Nichtexistenz. Aber da gibt es auch jene, die wĂŒnschen einen Dialog ĂŒber das Thema der „Akronyme“ zu eröffnen, die von den direkten Aktions-Zellen und der informellen Föderation benutzt werden.

Lasst uns der Reihe nach gehen.

Vor einigen Monaten stolperten wir ĂŒber einen Text mit dem Titel „AnonymitĂ€t“, geschrieben von einem Anarchisten der Spannung der politischen AnonymitĂ€t. Dieser Text war eine Kritik gegenĂŒber der CCF und der FAI, ohne jegliche kameradschaftliche Anwandlung. Der Text hatte einen sehr auffĂ€lligen Beginn, ein Zitat aus dem Mythos des Zyklopen Polyphemus aus „Odysseus“. In KĂŒrze, dem Mythos folgend, antwortete Odysseus, als die Zyklopen ihn fragten seinen Namen zu erzĂ€hlen, „niemand“. Also als Odysseus den Zyklopen blendete, rief der Zyklop seinen BrĂŒdern zu, dass er von niemand geblendet wurde und stiftete so Verwirrung, da seine BrĂŒder nicht verstanden, was geschehen war. Dieser Mythos ist der Kerngedanke des unbekannten Autors des Textes, um uns zu attackieren, ĂŒber die Vorteile der AnonymitĂ€t anstelle der Benutzung von Akronymen zu sprechen. Er erwĂ€hnt speziell, dass „eine Aktion, die von einem KommuniquĂ© befolgt wird, wie ein Witz ist, dem eine ErklĂ€rung folgt.“ Der Unterschied ist, sagen wir, dass wir keine Idioten zum Scherze erzĂ€hlen sind. Stattdessen wĂ€hlen wir die Barrikaden des Krieges als unser Heim und das Feuer als unseren Kameraden. DarĂŒber hinaus, da das oberflĂ€chliche Wissen schlimmer als Ignoranz ist, endet der Mythos des Polyphemus nicht hier. Odysseus, die Insel von Polyphemus verlassend, rief von seinem Schiff „Ich, Odysseus, blendete dich
“

Also fernab von den Mythen, die RĂŒckkehr. Eigentlich wollen wir darĂŒber reden, was die FAI ist.

Die FAI, die Schwarze Internationale (Black International), die CCF, die AffinitĂ€tsgruppen der Anarcho-Individualisten und Nihilisten sind die Gemeinschaft in der wir leben wollen. Dies hat nichts mit der zunehmenden Wahrnehmung von Macht zu tun. Die FAI ist nicht das Modell einer zentralisierten Organisation. Im Gegenteil, sie fördert informelle Organisation, AffinitĂ€t zwischen Zellen und die Einzigartigkeit von jedem Individuum. Wir sind gegen die Diktatur der Nummern und Zentralkomitees. Noch folgen wir der Logik zweier kĂ€mpfender Armeen, sondern bewerben stattdessen die Diffusion von hunderten von Punkten des Bruchs und der Aktion, welche manchmal in einer internationalen Koordination kooperieren und sich manchmal selbst als einmalige Zellen oder Individuen ausdrĂŒcken. Die FAI ist schlicht die unsichtbare Gemeinschaft, wo sich die Verlangen des Angriffs gegen unsere Ära treffen. Auf diese Art und Weise werben wir fĂŒr die Neue Anarchie und die Schwarze Internationale.

Manch einer wird vielleicht sagen, „so weit so gut 
 aber warum seid ihr von Akronymen und benannten Zellen besessen 
?“ Wir antworten, dass wir keine Besessenheit haben, wir fĂŒhlen nur das starke BedĂŒrfnis uns selbst zu definieren.

Besonders heutzutage glauben wir, dass einfach zu erklĂ€ren, dass wir „Anarchisten“ sind um durch ein KommuniquĂ© oder eine Aktion zu sprechen, inadĂ€quat und problematisch ist. Wir entscheiden unsere Position von den „Anarchisten“ zu trennen, die mit linken Graswurzel-Gewerkschaften kooperieren, marxistische Analyse benutzen, ihr Elend gewerkschaftlich organisieren, direkte Aktionen verunglimpfen, von Arbeiter Kommunen trĂ€umen, in lokalen Einwohner Komitees teilnehmen und Anarchie in eine soziale Therapie transformieren.

Außerdem sprechen Aktionen fĂŒr sich selbst durch KommuniquĂ©s, denn sie behalten ihre Distanz zu der „anarchistischen“ Opposition, die vielleicht manchmal eine Bank im Namen der „armen Leute und gegen das Kapital der Plutokratie“ niederbrennt um zu beweisen, dass sie zumindest irgendetwas macht.

Nein, unsere niedergebrannten Banken sind keine Art des Protests oder ein Zeichen der Freundschaft und SolidaritĂ€t mit den „armen Leuten“, die nichts tun und auf ihrer Couch sitzen. Es ist eine Art unser „Ich“ auszudrĂŒcken. Ein „Ich“, das sich aus der Herde von Sklaven erheben will, ein „Ich“, dass nicht den Kopf nieder senkt, ein „Ich“, das nicht wartet bis die Masse revoltiert, ein „Ich“, welches seinen eigenen Namen bekennt, sein eigenes „Akronym“ und welches sich nicht hinter der AnonymitĂ€t versteckt. Der Treffpunkt der revoltierenden „Egos“ nimmt den Namen auf, den wir ihm geben. Sein Name ist FAI und ist unser „wir“. Ein kollektives „wir“, mit Rassiermessern gegen unsere Feind bewaffnet.

Also entscheiden wir uns selbst zu identifizieren und nicht in der AnonymitÀt einer imaginÀren anarchistischen Bewegung unterzugehen.

Die Vertreter der politischen AnonymitĂ€t sagen oft 
 „mit KommuniquĂ©s und Akronymen bekommt die Aktion Besitzer.“ Zu definieren, wer du bist, ist kein Eigentumsvertrag, es ist unser eigener Weg agressiv gegen die soziale Maschinerie der anonymen Masse zu sein. Wir lassen unsere polizeilichen IdentitĂ€ten fallen und verbrennen sie und werden das, was wir sein wollen, indem wir unseren Namen selbst definieren.

Dies ist wie ein Dialog zwischen Kameraden und Zellen beginnt. Wir hinterlassen im Gesicht der AutoritÀt eingeritzte Spuren und teilen Erfahrungen, VorschlÀge, Zustimmungen, Meinungsverschiedenheiten, PlÀne.

Von Natur aus hat die FAI keine ExklusivitĂ€t. Deshalb ist unser Vorschlag nicht die quantitative Steigerung der FAI. Man wiederspricht der FAI vielleicht sogar in Punkten der Ästhetik. Unser Vorschlag ist bewaffnete Zellen und AffinitĂ€tsgruppen zu organisieren, die ein internationales Netzwerk der Anarchisten der Praxis bilden. Direkte Aktionen und diffuse anarchistische GuerillakriegsfĂŒhrung, das ist unser Vorschlag.

Wir wollen fĂŒr die Schwarze Internationale werben, wĂ€hrend wir die abgestandenen Ideen des sozialen Anarchismus abschaffen. Wir mĂŒssen den Geist der Vergangenheit und die Idee eines Zentrums der AutoritĂ€t und eines Herzens der Bestie ĂŒberwinden.

AutoritĂ€t ist nicht nur GebĂ€ude oder BĂŒros oder Individuen. Sie ist eine soziale Beziehung. Es beginnt bei den offiziellen Tempeln (Parlamenten, Multinationalen, Banken, Gerichten, Ministerien, Polizeistationen) und reicht bis zu den einfachsten Gesten des Alltags (Familie, sexuelle und freundschaftliche Beziehungen).

AutoritĂ€t kann nicht in einem einzelnen Punkt gefunden werden. Das ist warum wir wollen, dass sich die FAI und AffinitĂ€tsgruppen auch auf neuem Boden begegnen. Um in die Luft gejagte Banken mit den TrĂŒmmern einer Werbefirma zu kombinieren. Um unsere Feindschaft gegenĂŒber der techno-industriellen Sparte, Firmen-Ausbeutung von Natur und Tieren, pharmazeutischer Industrie, Zivilisation und jedem Kompromiss, der uns versklavt, zu verbreiten. Wir werben fĂŒr die anti-zivilisatorische anarchistische Spannung und erfinden eine neue Art des Lebens. Fernab von Fantasien eines idealisierten Primitivismus wollen wir jede Struktur angreifen, die Natur, Tiere und Menschen ausbeutet und ermordet. Fernab von der Fetischisierung des Wertes von menschlichem Leben klĂ€ren wir, dass unsere Ziele nicht nur herstellende Einrichtungen, sondern auch die Individuen sind, die sie verwalten, walso bewerben und praktizieren wir die Exekution von menschlichen Zielen.

In diese Richtung verlassen wir die Theoretiker der „anarchistischen“ Galaxie, die die politische AnonymitĂ€t predigen ohne irgendetwas zu tun. Denn, wenn wir die Wahrheit sprechen wollen, versteckt ein Teil der Spannung der politischen AnonymitĂ€t im Wesentlichen ihre Angst vor der Repression hinter ihren Theorien. Aber lasst es uns gegenĂŒberstellen, GefĂ€ngnis und Tod sind Teil des kontinuierlichen anarchistischen Aufstands. Wer auch immer das nicht akzeptiert, akzeptiert den Aufstand an sich nicht. Im Gegenteil, fĂŒr diejenigen, die die politische AnonymitĂ€t sogar Ă€sthetisch durch ihre Aktionen verteidigen und nicht nur in Worten, glauben wir, dass unsere Differenzen uns nicht auseinander bewegen. Anarchie heißt nicht zustimmen, sondern zu wissen, Fragen zu stellen und Zweifel zu erheben. Wie der Kamerad Nicolai Gai der Olga Zelle/FAI schrieb: „Liebe und Komplizenschaft mit den Kameraden, die, anonym oder nicht, im Namen der Möglichkeit eines von der AutoritĂ€t freien Lebens fortfahren anzugreifen.“

Das internationale „Projekt Phönix“ bewies, dass es keinen Kopierschutz und exklusive Kollaborationen unter dem selben Überbegriffs-Namen gibt. Aus den acht Akten, bis jetzt vollendet in Griechenland, Indonesien, Russland und Chile waren die chilenischen Kameraden nicht explizit Teil der FAI, sondern benannten sich selbst „Long live Ilya Romanov Cell“, in AffinitiĂ€t mit der Schwarzen Internationalen. Also gibt es unbegrenzte Möglichkeiten fĂŒr Kooperationen und Kreationen neuer internationaler Projekte der Aktion, entweder gegen einige Ziele oder als Form einer praktischen SolidaritĂ€t mit denen innerhalb der Mauern der Gefangenschaft vermissten. Das Ergebnis ist diese Chancen zu kreieren 


„Freiheit existiert nicht. Nicht in dieser Welt. In dieser Welt gibt es nur den Kampf fĂŒr Freiheit. Und was heißt es frei zu sein? Frei ist derjenige, der keine Angst hat in diesem Kampf fĂŒr die Freiheit zu töten oder zu sterben.“

– Conspiracy of Cells of Fire FAI-IRF – Zelle der eingeschlossenen Mitglieder –

Griechenland –Korydallos GefĂ€ngnis (Dezember 2013)


Anhang zu einer abgebrochenen Debatte ĂŒber AnonymitĂ€t und Angriff

Eine Debatte ist die eingehende Erforschung einer bestimmten Frage durch die Konfrontation zwischen zwei oder mehreren Seiten, jede mit ihrer eigenen Position. Nicht wie diejenigen, die denken, dass Debatten zu vermeiden sind um keine Spaltungen zu provozieren, denken wir, dass sie gepflegt werden mĂŒssen. Denn das Ziel einer Debatte ist nicht einen Gewinner zu erklĂ€ren vor dem alle in die Knie gehen mĂŒssen, sondern das Bewusstsein eines jeden zu bereichern. Debatten klĂ€ren Ideen. Die Kundgebung von und die Konfrontation zwischen verschiedenen Ideen – genau das ist eine Debatte! – erklĂ€rt die dĂŒsteren Teile und indiziert die schwachen Punkte dieser Ideen. Dies hilft jedem, niemand ausgeschlossen. Es hilft allen der Seiten, die beteiligt sind, die Ideen zu verfeinern, zu korrigieren oder ihre eigenen Ideen zu bestĂ€rken. Und es hilft jedem der Debatte Beiwohnenden, die sich entscheiden werden auf welcher Seite sie stehen (sei es die eine Seite, die andere Seite, oder keine der diskutierenden Seiten).

Die Geschichte der anarchistischen Bewegung ist gefĂŒllt mit Debatten. Alle waren nĂŒtzlich, sogar wenn sie manchmal schmerzvoll waren. Aber ihre Geschichte ist ebenso gefĂŒllt mit fehlenden Debatten, verschiedenen Ideen, die sich nie ins Auge gesehen haben, wĂ€hrend alle mit ihren eigenen anfĂ€nglichen Gewissheiten (oder Zweifeln) zurĂŒck gelassen wurden. War dies so zum Besseren, da auf diesem Weg unfruchtbare Polemiken vermieden wurden? Uns entsprechend, nein, es war schlechter, da auf diesem Weg fruchtbare Diskussionen verhindert wurden.

Eine dieser fehlenden Debatten ist ĂŒber die Anwendung oder Nicht-Anwendung von Akronymen, die wirkliche Organisationen reprĂ€sentieren und direkte Aktionen gegen Herrschaft bekennen. Es scheint uns, dass diese Debatte, obwohl sie wichtig ist, in dem Moment abgebrochen wurde, als sie geboren wurde.

Auf einer internationalen Ebene, wurde eine der Eröffnungen in Richtung einer solche Debatte von dem Brief an die anarchistische Galaxie (http://finimondo.org/node/612) vorgeschlagen, der Ende 2011 erschien. Dieser Brief war eine PrĂ€sentation der Ideen zu Gunsten der AnonymitĂ€t und gegen die Benutzung von organisatorischen und bekennenden Akronymen. Er sprach auch ĂŒber aufstĂ€ndische Perspektiven, den Gedanken der InformalitĂ€t und die Multiplizierung des Angriffs.

Genau ein Jahr spĂ€ter, im November 2012, zu dem Anlass des internationalen anarchistischen Treffens in ZĂŒrich, verbreiteten die Anarchisten der Verschwörung der Feuerzellen einen Text (http://de.contrainfo.espiv.net/2013/02/05/griechenland-sagt-nicht-dass-wir-wenige-sind-sagt-einfach-dass-wir-entschlossen-sind-von-der-r-o-ccf-verschworung-der-feuerzellen-und-theofilos-mavropoulos/) in welchem sie die GrĂŒnde zu Gunsten der Benutzung organisatorischer Akronyme und die GrĂŒnde gegen AnonymitĂ€t prĂ€sentierten. Dieser Text legte auch einige eher generellere Ideen ĂŒber die anarchistische Intervention dar, wie die Beziehung zu „intermediĂ€ren KĂ€mpfen“ oder die Formation urbaner Guerillagruppen. Gut. Von verschiedenen Ideen beginnend, machte jede Seite ihre eigene Darstellung. Um die Debatte in Gang zu setzen war das einzige noch fehlende diese verschiedenen Ideen entgegen zu stellen. Und dies ist, was zum Beispiel die Anarchisten, die im August 2013 einen Text verbreiteten, AnonymitĂ€t (http://machorka.espivblogs.net/2013/11/21/anonymity-enitfr/) benannt, in welchem sie explizit die Schriften der CCF als Startpunkt nehmen um zu kritisieren und zu antworten.

Zu der Gelegenheit des in Mexiko im Dezember 2013 gehaltenen internationalen anarchistischen Symposiums, verbreitete die CCF einen Text (Let’s become dangerous
 for the spreading of the Black International) von welchem das Kapitel „FAI, Akronyme und die AnonymitĂ€t der „anarchistischen Galaxie““ mit folgender Andeutung beginnt: „Wir sind ĂŒber die schmeichelnde Polemik unterrichtet, welche gegen die FAI von Kameraden und „Kameraden“ entfesselt wurde.“ Eine bekundende PrĂ€misse, da sie das, was eine Debatte zu Gunsten aller hĂ€tte sein sollen, auf eine Polemik gegen jemanden reduziert. DarĂŒber hinaus schafft sie eine Trennung zwischen denjenigen, die versuchten eine Debatte in Gang zu bringen indem sie zwischen Kameraden und „Kameraden“ (?) unterscheidet. Dieser Beitrag bezieht sich explizit auf einige Texte wie den Brief an die anarchistische Galaxie und AnonymitĂ€t, diesen letzten Beitrag entsendend als „geschrieben von einem Anarchisten der Spannung der politischen AnonymitĂ€t (
) ohne jegliche kameradschaftliche Anwandlung“. Eine Debatte wĂ€re möglich und wĂŒnschenswert gewesen um Ideen zu vertiefen, indem genau vermieden wird jeden Raum mit einfachem „pro“ und „contra“ zu versperren und zu verschließen, aber uns scheint, dass Tadel im Stil „Theoretiker, ohne irgendetwas zu tun“ eher ein Ende an eine Diskussion setzen. Also hĂ€tten wir schweigen oder es fallen lassen können. Und in der Tat, hĂ€tten wir uns selbst erfreut davor geschĂŒtzt zu versuchen eine Debatte zu erhalten, welche – entgegen dem, was die Autoren von AnonymitĂ€t sich dachten – anscheinend nicht erwĂŒnscht ist.

Wenn wir nun das Wort erheben, ist es nur so, da wir nicht wollen wĂŒrden, dass eine mögliche Stille als ein Vorschlag angesehen werden wĂŒrde, ein Fehler, welcher in diesen dunklen und traurigen Tagen passieren könnte. Das ist warum, anstatt der klaren Nutzlosigkeit, wir es noch wichtig fanden einen Anhang zu einer Debatte zu schreiben, welche nun abgebrochen wurde. Es wird ein endgĂŒltiger Anhang sein, der eine harte Zeit haben wird irgendeine Fortsetzung zu finden, ein mit gebrochenem Widerwillen geschriebener Anhang, nur um zu vermeiden fĂŒr unterwĂŒrfig gehalten zu werden.

Was sagte der Text AnonymitĂ€t? GrundsĂ€tzlich zwei Sachen. Zuallererst, und das im Sinne der Rede, aber nicht der Wichtigkeit, sagte der Text, dass AnonymitĂ€t von einer „taktischen“ Anschauungsweise aus zu bevorzugen ist. Das Fortdauern der IdentitĂ€t gibt der Justiz mehr Raum um assoziative Beschuldigungen auf Kameraden herunter regnen zu lassen, da anstatt der Polizei und den Richtern die Aufgabe der Erfindung einer „Organisation“ im verzerrten Spiegel ihres repressiven Spektakels (so wie die Repression es oft in der Geschichte des Anarchismus tat) zu ĂŒberlassen, die von der OrganisationsidentitĂ€t faszinierten Anarchisten sie direkt fĂŒr sie anbieten. Repression wird immer versuchen die Subversion auf eine einzelne Organisation (existierend oder erfunden), eine einzelne Gruppe oder sogar ein paar Individuen zu reduzieren um eine Kluft zwischen angeschuldigten „Akteuren“ und „Zuschauern“ zu graben und auf den Sumpf der anarchistischen und revolutionĂ€ren Subversion, auf die einzelnen Spannungen und individuellen Akte, auf die AffinitĂ€ten und Gruppierungen, auf die InformalitĂ€t und die Multiplizierung der Attacke und Methode, ein seine eigene autoritĂ€re Struktur reflektierendes Diagramm zu kleben (da Richter nichts anderes kennen und die Existenz einer diffusen und unkontrollierbaren Subversion nicht begreifen), mit einer juristischen Übersetzung der Rollen (FĂŒhrer, Schatzmeister, Strategen, Bombenexperten, Bewaffneten, Sympathisanten, Saboteuren
) in totalem Widerspruch mit den anarchistischen und antiautoritĂ€ren Ideen. Denn diese Ideen beginnen beim Individuum – von der individuellen FĂ€higkeit zu denken, zu handeln und sich mit anderen im Kampf gegen die Macht zu assoziieren – das Haften und Aufsaugen des Individuums von Strukturen, die seinen Willen und seine Ideen verstĂŒmmeln, verweigernd. Wir sind uns natĂŒrlich der Tatsache bewusst, dass Repression ebenso Anarchisten trifft, wenn diese keine Akronyme benutzen und die Frage dreht sich ĂŒberhaupt nicht darum, ĂŒber seine eigenen Aktionen oder Ideen beschĂ€mt zu sein. In diesem Sinne, ist die Frage nur wie die Aufgabe der Richter erschwert werden kann um die Feindseligkeiten auszudehnen, sie andauern zu lassen und stets mehr Raum fĂŒr andere Anarchisten und Rebellen zu öffnen um sich selbst in den Kampf zu schmeißen. Anonyme Aktionen – und mit anonym meinen wir von der höchsten absoluten Stille begleitete Aktionen, von minimalen Bekennungen gefolgte Aktionen, ohne Akronyme, oder zumindest ohne sich wiederholende Akronyme – machen die repressive Aufgabe des Feindes nicht einfacher, denn außer dem Akt an sich, muss der Feind alles selbst erfinden, niemand sagt zu ihnen „ich war es, der es getan hat“, niemand gibt irgendwelche zusĂ€tzlichen Hinweise (zum Beispiel in den Bekennerschreiben benutzte linguistische Codes, ein organisatorisches Akronym
) um die TĂ€ter zu lokalisieren.

Auf diese Anmerkungen, vorgeschlagen in AnonymitĂ€t durch ein Zitat von Odysseus, antworten die Anarchisten der CCF nicht, sie erwidern nicht. Sie begrenzen sich selbst um zu erklĂ€ren, dass „oberflĂ€chliches Wissen schlimmer als Ignoranz ist“ und erinnern, dass „Odysseus, die Insel von Polyphemus verlassend, von seinem Schiff rief „Ich, Odysseus, blendete dich
“.“ Es ist schrecklich jemanden an Strohhalmen klammernd kriechend zu sehen. Odysseus bekannte seine Tat nur nachdem er die Insel des Feindes verließ, als er sich sicher auf seinem Boot dachte (und nebenbei, gegen die Warnungen seiner eigenen Kameraden). In anderen Worten bekannte er seine Aktion nur, als er dachte, dass der Krieg mit den Zyklopen vorĂŒber war. WĂ€hrend der Krieg noch wĂŒtete, verblieb er schweigsam.

Aber verlassen wir fĂŒr nun den literarischen Mythos. Der zweite Punkt von AnonymitĂ€t war zu sagen, dass nur die Abwesenheit von ĂŒber anderen entstehenden IdentitĂ€ten, auch durch die Ausbeutung der Massenmedien, Gleichheit möglich ist. Wo keine FĂŒhrer sind, gibt es keine Gefolgschaft. Wo es keine BerĂŒhmtheiten gibt, gibt es keine Bewunderer. Wo niemand hervortritt, wird niemand zurĂŒck gedrĂ€ngt. In der Dunkelheit der AnonymitĂ€t sind alle gleich. Welchen Sinn macht es diesen einen Schritt weiter zu gehen als die anderen dunklen Rebellen, die die Macht angreifen?

In dem Beitrag zum Symposium in Mexiko lesen wir, dass die FAI „schlicht die unsichtbare Gemeinschaft ist, wo sich die Verlangen des Angriffs gegen unsere Ära treffen“. Aber warum sollten sich die Verlangen unsere Ära anzugreifen nur in dem begrenzten Raum von drei Buchstaben, und nicht in der Subversion des ganzen Alphabets treffen? Ein Argument von den Anarchisten der CCF voran gebrachtes Argument ist, dass sie sich selbst von den Anarchisten, die der Linken hinterherrennen, differenzieren wollen. Aber warum sollte uns eher ein Name von den unfĂ€higen Syndikalisten und den verschlagenen BĂŒrgerrechts-Militanten unterscheiden als der Gebrauch der direkten Aktion an sich als ein Ausdruck permanenter KonfliktualitĂ€t, und nicht nur einer sich gerissen abwechselnden? Wir lesen auch, dass „Aktionen fĂŒr sich selbst durch KommuniquĂ©s sprechen, denn sie behalten ihre Distanz zu der „anarchistischen“ Opposition, die vielleicht manchmal eine Bank im Namen der „armen Leute und gegen das Kapital der Plutokratie“ niederbrennt um zu beweisen, dass sie zumindest irgendetwas macht.“ Nein, schnell gereizte Zellen. Ihr werdet es nicht schaffen uns diese Verwirrung zu verkaufen. Entweder sprechen Aktionen fĂŒr sich selbst, oder sie sprechen durch Bekennungen. Das ist nicht die gleiche Sache; es ist nie die gleiche Sache gewesen. Euch entsprechend, sprechen Aktionen durch Bekennungen. Uns entsprechend, sprechen sie fĂŒr sich selbst. Und das ist der Kern der ganzen Streitfrage.

Man muss nicht weit schauen um einige anregende Beispiele zu finden. Am letzten 1. November eröffnete in Athen jemand das Feuer auf einige Mitglieder der Goldenen Morgenröte. Zwei Faschisten sind tot. Eine fĂŒr sich selbst sprechende Aktion. Mit Faschisten sollte man nicht diskutieren, man sollte nicht verhandeln, man sollte den demokratischen Staat nicht fragen seine Stoßtruppen herauszuziehen. Nein, wir bekĂ€mpfen sie direkt, ohne Mediation, mit allen Angriffsmethoden, die man fĂŒr angemessen hĂ€lt. An diesem Tag, als die Aktion anonym war, begrĂŒĂŸten sie Anarchisten auf der ganzen Welt. Subversive der ganzen Welt begrĂŒĂŸten sie. Viele gewöhnliche Leute, in Griechenland und auf dem Rest der Welt, begrĂŒĂŸten sie. Was wurde da noch benötigt? In welcher Weise bereicherte die Bekennung des 16ten Novembers der KĂ€mpfenden PopulĂ€ren RevolutionĂ€ren KrĂ€fte die Aktion? In keiner Weise. Nein, die Bekennung schwĂ€chte eher die Aktion indem sie sie an die IdentitĂ€t und die Ideologie einer von so vielen Splittergruppen der revolutionĂ€ren Bewegung bindet. WĂ€re es anders gewesen, wenn anstatt der FPRF die Aktion von der GRA bekannt worden wĂ€re, oder der FLG, oder der BPC, oder der BRKJ, oder der XJT; oder der ZZPPHQWX? NatĂŒrlich nicht. Letztes Jahr zeigten einige Kameraden durch eine prĂ€zise Attacke, dass das nukleare Establishment verwundbar ist. Die Aktion machte klar, dass Menschen existieren, die verantwortlich sind und dass es möglich ist sie anzugreifen. In welchem Sinne bereicherte die anschließend veröffentlichte Bekennung die Aktion? War diese Aktion nicht klar, prĂ€zise und angemessen?

Ja, Aktionen sprechen fĂŒr sich selbst. Sie benötigen keine bombastischen Bekennungen. Es sind die kĂ€mpfenden Organisatoren, die Bekennungen brauchen um ihre Vorherrschaft der Bewegung aufzubĂŒrden, um ihr eigenes Licht heller als den Rest der revolutionĂ€ren Galaxie erscheinen zu lassen, um von Satelliten umrundete Sterne der Referenz zu werden.

Man könnte antworten, dass wenn Aktionen anonym verbleiben, sie auch aus GrĂŒnden hĂ€tten vollbracht werden können, die man nicht teilt, oder mit Motivationen, die man nicht versteht. Oder sie könnten sogar das Werk von unheimlichen MĂ€chten, der Mafia und SchlĂ€gern, von Faschisten oder sogar dem Staat selbst sein. Und deswegen, um jede Verwirrung zu vermeiden, und da Gewalt sicherlich nicht das Privileg von Anarchisten oder AntiautoritĂ€ren ist, sollte man seine Aktionen bekennen. Aber im Spiegel der demokratischen Verwaltung des sozialen Friedens, im Leichnam des Spektakels, verlieren Worte immer ihre Bedeutung; die anarchistischen Ideen können nicht anders als auf dem anarchistischen Weg verbreitet werden, im Kampf selbst, weit weg von den Krallen des Staates; wenn nicht, werden sie abhĂ€ngig von den Notwendigkeiten der Kontrolle und von der Produktion eines Konsens von der Macht verstĂŒmmelt. Die organisierte Verwirrung ist ein grundsĂ€tzlicher Aspekt der Repression, ein Pfeiler selbst, aber man kann ihn nicht mit Bekennungen brechen, man kann ihn nur in den RĂ€umen des Kampfes brechen, wo die Worte und die Bedeutungen von den Rebellen selbst geschmiedet werden um unter einander in Dialog zu treten, ohne Mediation, ohne ReprĂ€sentation.

Wenn die Angriffe, die Anarchisten vorschlagen und realisieren, darauf zielen die Personen und Strukturen der Herrschaft zu zerstören, dann ist der wichtige Aspekt die Zerstörung selbst. Wir wollen Freiheit und deswegen muss das, was uns erstickt, zerstört werden. Gut. Aus Freiheit oder, wenn du es bevorzugst, vom Chaos, auch wenn es nur temporĂ€r oder kurz ist, können viele Tendenzen in Richtung Anarchie wachsen, aber auch Tendenzen zu weit weniger schönen Dingen. Man kann sich nicht selbst tĂ€uschen, dass das von Bekennerschreiben abhĂ€ngt: Dies wird von den Ideen abhĂ€ngen, die wir fĂ€hig sind zu entwickeln und zu verbreiten, von dem VerstĂ€ndnis und den Beurteilungen, die den Anarchisten von der RealitĂ€t, welche sich verĂ€ndert oder von den Angriffen und Revolten gestĂŒrzt wird, gelingen. Und da kommen wir nun wieder zum selben fundamentalen Problem: Gedanke und Dynamit, wie es ein Anarchist am Ende des 19. Jahrhunderts nannte. Dynamit kann keine Ideen ersetzen; Ideen können keinen Dynamit ersetzen. Sie sind zwei intim verbundene Aspekte des Anarchismus, Aspekte, welche die autoritĂ€re Gesellschaft zersetzen: In ihren Ideologien sowie in ihren Strukturen, in ihren Menschen wie in ihren Werten, in ihren sozialen Beziehungen wie in ihren Bullen. Die Beziehung zwischen diesen beiden Aspekten ist die Perspektive und tatsĂ€chlich sollte die Debatte hierum gehen. Das Problem der Perspektive kann nicht durch das Senden einer pompösen Bekennung oder der VerstĂ€rkung eines IdentitĂ€ts-Organisations-Logos, noch dadurch die ganze Zeit die selben zehn grundlegenden BanalitĂ€ten des Anarchismus oder dem, was einem Glaubensbekenntnis zum Individualismus gleicht, zu wiederholen.

Die CCF mag „jene, die sich hinter der AnonymitĂ€t verstecken“ nicht. Sie wĂ€hlen einen Namen und „dessen Name ist FAI und ist unser „wir“. Ein kollektives „wir“.“ Dies lĂ€sst uns an jene abgestumpften anarchistischen Militanten der Vergangenheit denken, die einen Emile Henry dafĂŒr tadelten, sich nicht selbst verhaften zu lassen so wie ein August Vaillant es tat, dafĂŒr seine Aktion an Ort und Stelle selbst nicht bekennen gewollt zu haben (weil er fortfahren wollte anzugreifen!). Die CCF schlĂ€gt vor „die Theoretiker der „anarchistischen“ Galaxie, die die politische AnonymitĂ€t predigen ohne irgendetwas zu tun zu verlassen. Denn, wenn wir die Wahrheit sprechen wollen, versteckt ein Teil der Spannung der politischen AnonymitĂ€t im Wesentlichen ihre Angst vor der Repression hinter ihren Theorien“. Dass die anonymen Kameraden „hinter“ der CCF zurĂŒckbleiben ist sicher. Wenn man die Raserei der CCF betrachtet vorwĂ€rts zu rennen, selbst gesehen zu werden, das Wort zu erheben
 Aber dass die Kameraden, die entschieden ihre Aktionen nicht nur der Gnade der Massenmedien zu ĂŒberlassen, die weiterhin „dunkle Individuen zwischen anderen dunklen Individuen“ bleiben wollen, das nur tun wĂŒrden um ihre eigene InaktivitĂ€t oder ihre Angst vor der Repression zu verstecken, das ist wirklich die Darlegung eines Teufelskreises. Ein perfektes Argument um jede Debatte abzubrechen: Diejenigen, die kritisieren, tun es nur, weil sie nichts tun und Angst haben.

Aber das Verlangen anonym zu bleiben drĂŒckt zur gleichen Zeit die Ablehnung jeglicher Avantgarde und den Versuch aus, außerhalb der Krallen der Repression zu bleiben um die Feindschaften auszudehnen, und nicht den Scham fĂŒr die eigenen Aktionen. Und nebenbei, die Raserei Aktionen zu bekennen existierte nicht immer. Oder „versteckten“ sich Ravachol, Henry, Novatore, Di Giovanni
 vielleicht hinter der AnonymitĂ€t? Nein, sie handelten einfach. Ohne irgendeinem BedĂŒrfnis sich selbst im Spiegel der Medien zu bewundern, welcher fortfĂ€hrt jemandes eigenes IdentitĂ€tslogo widerzuspiegeln. Und wenn die Aktionen dieser Anarchisten nicht klar oder nachvollziehbar waren, dann versuchte die anarchistische Bewegung als ein ganzes durch Debatten, Zeitungen, Plakate, Pamphlete
 sie verstĂ€ndlich zu machen, denn letztendlich gehörten diese Aktionen zu jedem, der sich selbst im anarchistischen Kampf erkennt. Auf diese Art und Weise versuchten Gedanke und Dynamit Hand in Hand zu gehen, beide Aspekte des Anarchismus, in dem Raum einer Perspektive des Kampfes. Aber ja, dies war die Alte Anarchie.

Heutzutage hören wir wie mehr und mehr ĂŒber die „Neue Anarchie“ gesprochen wird. Wie lĂ€cherlich diese Anspruch ist, wird schon durch den Namen selbst gezeigt. Bereits seit dem letzten Jahrtausend wuchsen Anarchisten aus Spanien und Italien, aus Frankreich und Argentinien, von hier und dort
. mit dem immer selben Refrain der alten anarcho-syndikalistischen Militanten im Ohr auf, die so taten als ob die einzig wahren Anarchisten diejenigen sind, die Teil der FAI (FederaciĂłn Anarquista IbĂ©rica, Federazione Anarchica Italiana, FĂ©dĂ©ration Anarchiste Française, FORA in Argentina,
) sind. Außerhalb der FAI gibt es kein Heil, nur Zweideutigkeit. Außerhalb der reprĂ€sentativen Organisationen des Anarchismus gibt es nichts. Gut und heutzutage kommen Anarchisten aus jeder Ecke der Welt an um sich zu entsinnen, dass die wahren Anarchisten, die Anarchisten der Praxis, nur diejenigen sind, die zur
 FAI (Informal Anarchist Federation) gehören. Grenzwertig können sie diejenigen tolerieren, die sich der Schwarzen Internationalen (Black International) anhĂ€ngen oder diejenigen, die wie die CCF es formuliert „aus einem Ă€sthetischem Grund“ auf anonyme Art handeln. Die Neue Anarchie erscheint uns gar nicht so eine neue Sache zu sein, sie reproduziert nur die Alte: Föderationen, Programme, Bekennungen, Akronyme und geschwollene Parolen.

Verschiedene Texte und BeitrĂ€ge versuchten und versuchen immer noch eine Debatte ĂŒber die Angelegenheit der InformalitĂ€t zu eröffnen und auch der Brief an die anarchistische Galaxie fokussierte sich hierauf. Wir sind darĂŒber verwirrt wie jemand ernsthaft denkt uns eine feste revolutionĂ€re Organisation, ein permanentes und formelles Akronym, eine Methode des Handelns, die starr, immer die selbe und im Vorhinein festgelegt ist (mach eine Aktion, schreib ein Bekennerschreiben und schick es herum) als InformalitĂ€t verkaufen kann. Sogar im einfachsten Sinne des Wortes „informell“, welches nichtsdestotrotz auf die Abwesenheit jeglicher Formalisierung hinweist, scheint es schwierig zu verneinen, dass ein Akronym Formalisierung ist. Also sind die Informelle Anarchistische Föderation (Informal Anarchist Federation), die Internationale RevolutionĂ€re Front (International Revolutionary Front) oder was auch immer keine informellen Organisationen. Das Problem ist nicht ĂŒber die Vaterschaft des Wortes „informell“ zu kĂ€mpfen (wir sind nicht an dem Aufbau einer Partei mit ihren Dogmen, ihren a priori Definitionen, immer vom Kampf getrennt und daher bloß parasitisch interessiert) – das Problem ist die Verwirrung, welche eine wahre Debatte behindert. Wenn man fĂŒr die Bildung einer permanenten anarchistischen Kampforganisation ist, sollte man das einfach sagen und dann kann man von allen Anarchisten verstanden werden. Wenn man fĂŒr den syndikalistischen Ansatz des Kampfes ist, wĂ€hrend man die Logik des „Schritt fĂŒr Schritt“ akzeptiert und fordernde KĂ€mpfe um das Bestehende zu verbessern und auf diese Art das berĂŒhmte „proletarische Bewusstsein“ anwachsen zu lassen, hilft es ĂŒberhaupt nichts (außer Verwirrung zu verbreiten) diesen Ansatz als einen aufstĂ€ndischen zu prĂ€sentieren. InformalitĂ€t, zumindest wie wir sie immer verstanden haben, ist die Ablehnung aller fixen Strukturen, aller Programme, aller im Vorhinein eingerichteten Methoden, aller Stempel, jeglicher ReprĂ€sentation. InformalitĂ€t und informelle Organisation existiert deswegen nur in dem kontinuierlichen Experimentieren zwischen Kameraden, die ihre AffinitĂ€ten vertiefen und gegenseitig Projekte des Angriffs und des Kampfes vorschlagen. InformalitĂ€t hat keinen GrĂŒndungstext, noch hat sie ReprĂ€sentanten. Sie besteht nur als eine StĂŒtze fĂŒr den anarchistischen Kampf, fĂŒr die Anarchisten im Kampf, um uns zu befĂ€higen zu tun, was wir durchfĂŒhren wollen. In ihren BeitrĂ€gen sagen die Anarchisten der CCF, dass „Von Natur aus hat die FAI keine ExklusivitĂ€t. Deshalb ist unser Vorschlag nicht die quantitative Steigerung der FAI. [
] Unser Vorschlag ist bewaffnete Zellen und AffinitĂ€tsgruppen zu organisieren, die ein internationales Netzwerk der Anarchisten der Praxis bilden.“ Dann fragen wir uns selbst, wenn der Vorschlag die Multiplizierung von AffinitĂ€tsgruppen ist (wir werden nicht ins Detail ĂŒber die Benutzung eines Wortes wie „Zelle“ gehen, erinnernd an – zumindest historisch, aber vielleicht war das nun wieder die Alte Anarchie – Hierarchie und Parteiorganisation), warum die FAI? Als eine StĂŒtze fĂŒr diesen Vorschlag? Aber eine AffinitĂ€tsgruppe ist exakt das Zusammenkommen zwischen Individuen und der wahren Autonomie zu handeln, sie ist nicht das grundlegende Element eines großen Überbaus, und noch weniger eines vor Jahren eingerichteten Überbaus. Die Verbindung zwischen AffinitĂ€tsgruppen könnte die InformalitĂ€t sein, also der Austausch von Ideen und Perspektiven, die Entwicklung von gemeinsamen Projekten, eine Entwicklung, die nie beendet ist, immer in der Evolution, immer ohne jegliche Formalisierung. Der Vorschlag der FAI setzt nur ZĂ€une auf das ausgedehnte Terrain der InformalitĂ€t.

Der Staat, die Parteien, die Vollversammlungen, die Organisationen
 alle diese Einheiten sind auf einem „kollektivem wir“ gegrĂŒndet: BĂŒrger oder Militante oder Aktivisten. Das Individuum, sie wissen nicht einmal, was das ist. Wir im Gegensatz, wir lieben das Individuum, mit seinen Gedanken und seinen einzigartigen und einmaligen Handlungen. Auch wenn sie einsam sind, auch wenn sie mehrere sind, da ihre Pfade diejenige von anderen Individuen kreuzten. Aus diesem Grund hassen wir den Staat und die Parteien (welche immer autoritĂ€r sind) und misstrauen wir den Vollversammlungen und den Organisationen (welche manchmal libertĂ€r sein können). Im Gegensatz zur CCF denken wir nicht, dass das „rebellische Ich“ ein zu Hause in dem „kollektiven wir“ finden kann. Im Gegensatz zu einigen Bekennerschreiben der FAI sind wir nicht daran interessiert Zertifikate von gutem oder schlechtem Verhalten an Anarchisten auszuhĂ€ndigen, die versuchen zu kĂ€mpfen, den einen als „einen Anarchisten der Praxis“ und den anderen als „einen Theoretiker, der ĂŒberhaupt nichts tut“ definierend. Es ist eine unverhohlene LĂŒge, die jeglichen Raum fĂŒr Debatten und Vertiefungen schließt um vorzugeben, dass die einzigen die Macht angreifenden Anarchisten diejenigen sein wĂŒrden, die den Vorschlag der FAI unterstĂŒtzen und diejenigen, die ihre MĂŒnder geschlossen halten, auch wenn sie nicht mit der ideologischen Vorherrschaft ĂŒbereinstimmen, die die FAI versucht dem informellen Anarchismus und der Praxis des Angriffs und der Sabotage aufzubĂŒrden (durch die Gewalt der Dinge oder anders). An Debatten und Diskussionen in der internationalen anarchistischen Bewegung mangelt es grausam und die vorgefertigten VorschlĂ€ge schließen mehr TĂŒren und RĂ€ume fĂŒr Subversion als sie öffnen. Dieses Anliegen ließ uns in dieser abgebrochenen Debatte teilnehmen und das selbe Anliegen wird uns weiterhin animieren.

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Quelle: Schwarzerpfeil.de