Juni 20, 2021
Von Criminals For Freedom
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FĂŒr die Freiheit, fĂŒr das Leben!

– Call in english and other languages coming soon-

Am 23.07.20 wurde Ferhat Mayouf durch den Knast Moabit ermordet. Seine Zelle brannte, er schrie mehrere Minuten um Hilfe, doch die Schließer*innen öffneten die ZellentĂŒr nicht. Ferhat kam aus Algerien, war 36 Jahre alt und Person of Color. Die Justiz spricht von Suizid – aber wir wissen, das war Mord!

People of Color, Migrant*innen, migrantisierte und Schwarze Menschen werden tĂ€glich durch die Justiz und den Staat rassistisch schikaniert, unterdrĂŒckt, misshandelt, gefoltert oder ermordet. Sei es durch die Grenzpolitik, durch Bullen oder staatliche Institutionen wie KnĂ€ste. Auch Ferhat Mayouf war dieser Gewalt ausgeliefert. Festgenommen wurde er in Neukölln am 29.06.20 mithilfe eines Diebstahlvorwurfes. Er wurde in U-Haft verschleppt, weil er keine deutsche Staatsangehörigkeit hatte. Weil er Person of Color war, wurde er bei seiner Festnahme von den Bullen so sehr verprĂŒgelt, dass seine Rippen brachen.

Im Knast Moabit am 01.07.20 angekommen, bat er sofort um medizinische Hilfe. Er hatte Wunden, die er zeigte und beklagte sich ĂŒber Schmerzen durch die Gewalt der Cops. Er forderte ebenfalls psychologische Hilfe und betonte, dass es ihm nicht gut geht. Anstatt ihn in ein Krankenhaus zu fahren, anstatt ihn medizinisch zu versorgen, entschied sich der Knast, Ferhat die rassistische Gewalt des Staates weiterhin spĂŒren zu lassen. Er wurde in Isoaltionshaft gesteckt, Foltermethoden wie 24 Stunden durchgĂ€ngig Licht in der Zelle wurden eingesetzt. Er wurde von Schließer*innen verprĂŒgelt, anschließend wieder mit sich allein gelassen.

„Es gab einen Tag, da verĂ€nderte sich Ferhat vom Wesen her“, sagen Mitgefangene. „Es war der Tag, an dem die Schließer in seine Zelle gingen und raufhauten“.

Die „VerĂ€nderung des Wesens“ war der Justiz offensichtlich nicht genug. Es hat nicht gereicht, seinen Körper zu schĂ€nden, ihn zu misshandeln, seine Psyche zu zerschlagen. Als am 23.07 kurz nach 23 Uhr Ferhat Mayoufs Zelle brannte, standen die Schließer*innen „mehrere Minuten plaudernd vor der TĂŒr“. WĂ€hrend er immer wieder „Feuer Feuer, Hilfe Hilfe“ schrie, wĂ€hrend viele Gefangene riefen, dass es in einer Zelle brennt, wĂ€hrenddessen standen sie dort. Bis Ferhat an einer Rauchvergiftung starb.

WĂ€re Ferhat Mayouf weiß gewesen und hĂ€tte er eine deutsche Staatsangehörigkeit gehabt, wĂ€re er nicht in U-Haft gelandet. Er wĂ€re nicht von den Bullen verprĂŒgelt, nicht vom Knast misshandelt, gefoltert und ermordet worden. Seine ZellentĂŒr wĂ€re geöffnet, er aus den Flammen befreit worden. Aber Ferhat Mayouf war eben nicht weiß und hatte keine deutsche Staatsangehörigkeit – in diesem Staat unwertes Leben, das vernichtet werden kann. Oder muss.

Morde wie diese sind keine EinzelfĂ€lle. Sie sind das Resultat eines rassistischen Staates, der seine Gewalt und AutoritĂ€t auf der Straße, in den Gerichten und in (Abschiebe-) KnĂ€sten zeigt. Somit sind auch rassistische Polizeikontrollen und Festnahmen, Inhaftierungen, Abschiebungen, Misshandlungen und Morde keine tragischen PhĂ€nomene, welche durch eine humanere Politik oder Justiz verhindert werden können. Das Staatskonstrukt hat eine faschistische Tradition, welche die Logik der Herrschaft nicht nur in in sich trĂ€gt, sondern auch stetig mit repressiven Mitteln versucht, durchzusetzen.

Repression ist dabei sehr viel grĂ¶ĂŸer, als das, was Aktivist*innen zum Beispiel auf Demonstrationen erleben. Repression ist die permanente staatliche Gewalt, welche viele Menschen im Alltag erfahren mĂŒssen. Herrschenden Normen, welche niemals mit den Beherrschten frei vereinbart wurden, sollen aufgezwungen werden. Diese Normen haben kapitalistische, patriarchale und rassistische Komponenten.

Aus diesem Grund sind (Abschiebe)-KnĂ€ste auch nicht mit der Upper-Class gefĂŒllt. Sie sind seit ihrer Existenz dafĂŒr da, um diejenigen, welche nicht in die herrschende Logik passen oder sich dieser widersetzen, mundtot zu machen. Dementsprechend sind sie ein repressives Mittel des Staates, um den Kapitalismus und die weiße Vormachstellung innerhalb der Gesellschaft zu zementieren.

Durch Isolation, Abschottung von der Außenwelt und Ausbeutung sollen Menschen gebrochen und der AutoritĂ€t gegenĂŒber handzahm gemacht werden. Die Ausgrenzung aus der Gesellschaft ist vollkommen, wenn Gefangene einfach ermordet werden.

Diese Gewalt darf nicht unbeantwortet bleiben. Wenn sie uns zum schweigen bringen wollen, wenn sie misshandeln, foltern und morden, muss unsere Antwort laut und wĂŒtend sein! Lasst uns deswegen am 23.07.21 zu Ferhats Todestag gemeinsam auf die Straße gehen und Ferhat Mayouf gedenken, indem wir weiterhin kĂ€mpfen. Lasst uns mit selbstbestimmten und offensiven Mitteln zeigen, was wir von ihrer Herrschaft und ihren Regeln, von denen nur wenige profitieren, halten!

Wir werden zunĂ€chst um 20 Uhr eine Gedenkkundgebung am U-Bahnhof Turmstraße abhalten, um dann gegen 21 Uhr gemeinsam, entschlossen, wĂŒtend und offensiv zum Knast zu gehen. Dort werden wir so laut sein, wie wir nur können, um uns solidarisch mit den Gefangenen zu zeigen und unsere Wut auf die Straße zu tragen. Bringt also Sachen mit, die ordentlich Krach machen und an welchen im besten Fall auch die Gefangenen eine Freude haben.

Bereitet euch auf den Tag vor, seid kreativ, wartet nicht darauf, dass andere ihre Wut zum Ausdruck bringen, sondern geht selbst in die Offensive und bringt widerstĂ€ndige Ideen mit. Über Vorfeldaktionen freuen sich die Gefangenen sicherlich auch.

FĂŒr eine Gesellschaft ohne KnĂ€ste!

FĂŒr eine offensive Antwort auf ihre Gewalt!

Bis alle frei sind!

Route: Kleiner Tiergarten am U-Bahnhof Turmstraße – Turmstraße –  Stromstraße – Perleberger Straße – Birkenstraße – Rathenower Straße – Alt-Moabit – Alt-Moabit Höhe U-Bahnhof Turmstraße


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Quelle: Criminalsforfreedom.noblogs.org