Dezember 3, 2022
Von Die Plattform Trier
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Bildbeschreibung (Solibild): Etwa 30 Menschen, die Solidarität mit Rojava ausdrücken. Sie halten Transparente mit folgenden Aufschriften Schweigen tötet! – Erdogans Vernichtungskrieg stoppen!, Die Revolution verteidigen! Defend Kurdistan! und Antifa Enternasyonal. Viele haben ihre Fäuste in der Luft geballt.

Solidarität mit Rojava

Am Freitag, dem 02. Dezember 2022 gab es im Weltladen eine Lesung von Dr. Michael Wilk, der seit Jahren immer wieder die Gesundheitsinfrastruktur in Rojava (Nord-Ost-Syrien) unterstützt. Seine Erlebnisse und die Berichte weiterer Unterstützer*innen hat er im Buch „Erfahrung Rojava“ dokumentiert. Die Lesung in Kooperation mit der AG Frieden war mit knapp 40 Menschen gut besucht und Wilk konnte mit seiner kritischen Haltung einen differenzierten Einblick gewähren.

Zunächst hat er von den Entwicklungen der letzten Jahre in Nord-Ost-Syrien berichtet. Mit anschaulichen Landkarten zeigte er auf, wie ehemals von Daesh (der sogenannte „Islamische Staat“) besetzte Gebiete befreit wurden, wo sich die autonome Selbstverwaltung Nord-Ost-Syrien (Rojava) erstreckt und wo durch türkische Invasionen auf syrischem Boden Besatzungszonen entstanden sind.

Außerdem gab er uns einen Überblick zur humanitären Lage – der Krieg und besonders Daesh und die Türkei zerstören oft gezielt zivile Infrastruktur (Gemeinde- und Krankenhäuser, Elektrizitätswerke etc.) – und fokussierte die medizinische Versorgung und das Gesundheitssystem, welches hauptsächlich von der Selbstverwaltung und der NGO „Kurdischer Roter Halbmond“ (Heyva Sor a Kurd) getragen wird.

Hierbei wurde mit aller Grausamkeit deutlich, was Krieg und Terror für körperliche, aber auch seelische Verletzungen bedeutet und wie unterversorgt Länder im globalen Süden sind. Erst recht widerständige Gebiete, die gegen unterdrückerische Regime revoltieren. Es fehlen Medikamente, medizinische Geräte und Fachkräfte. Nicht zuletzt weil es eine andauernde Embargo-Situation gibt und die einzige unregelmäßig offene Grenze im Nord-Irak liegt. Aber auch weil westliche Staaten emanzipatorische Zusammenschlüsse nicht öffentlich unterstützen, um Handelspartner bzw. Partner in der abscheulichen Flüchtlingspolitik wie Erdogans Türkei nicht zu „provozieren“.

Besonders deutlich wurde die miserable Versorgungslage in den Berichten zur Corona-Pandemie. Es fehlten Beatmungsplätze (die Anzahl der Beatmungsplätze entsprach in ganz NordOstsyrien der eines großen Klinikums in Deutschland, also viel zu wenige für ca 4 Millionen Menschen.) und als Michael Wilk 2021 vor Ort war, war er schlicht der EINZIGE Geimpfte in der gesamten Region. Tief betroffen haben wir gehört, wie belastend die Pandemie auch für die medizinischen Fachkräfte war, da sie unter anderen Umständen viele der Toten nicht verloren hätten!

In seinem Vortrag beschrieb er die Entwicklungen des Syrien-Krieges seit 2011 und die Entstehung des Gesellschaftsprojektes Rojava. In Rojava bauen seit 2012 Menschen verschiedener Religionen und Ethnien eine alternative Gesellschafts- und Wirtschaftsform auf, die von Basisdemokratie, Ökologie- und Frauenbewegung gekennzeichnet ist. Rojava befindet sich zwar auf syrischem Staatsgebiet, aber die Region verwaltet sich selbst. Es waren im Übrigen auch die Selbstverteidigungseinheiten Rojavas (YPG und YPJ), die tausende Jesid*innen aus den Händen des Islamischen Staates befreien konnten und es geschafft haben, den IS in Syrien weitestgehend zu verdrängen.

Wilk berichtete auch von vergangenen und aktuellen Angriffen auf die autonomen Gebiete. NATO-Mitglied Erdogan bombadiert ganz aktuell zivile Infrastruktur in Rojava. Erdogan plant in den nächsten Wochen eine Bodeninvasion, dabei bedient er sich auch fundamental-islamistischer Söldnertruppen. Es besteht der hochgradige Verdacht auf den Einsatz von Giftgas, deshalb ist die Entsendung einer anerkannten Untersuchungskommission nötig. Außerdem greift er unter anderem gezielt das IS-Gefangenenlager Camp Al-Hol an und ermöglicht immer mehr fundamental-islamistischen Menschen Ausbrüche aus dem Lager, sodass eine Rückkehr des IS eine reale Bedrohung darstellt. Als Vorwand nutzt Erdogan nationalistische Propaganda von „kurdischem Terror“. Eigentlich geht es ihm aber um die Zerschlagung der emanzipatorischen Bewegung, die Spaltung der kurdischen Bevölkerung und den Ausbau seiner Macht und seines Herrschaftsgebiets in angrenzenden Ländern, wie die Invasionen und Bombardements in Syrien und im Nord-Irak zeigen. Rojava ist also ganz aktut bedroht!

Bildbeschreibung (Vortragsbild): Das Bild erfasst einen Ausschnitt vom Weltladen. Bücherregale und eine Leinwand mit einem Bild von einer Corona-Klinik in Rojava und Sauerstoff-Flaschen sind zu sehen. Davor sitzt Michael Wilk. Im Publikum sitzen zehn Personen und gucken zur Leinwand.

 

Wir rufen euch dazu auf, sich für Rojava zu organisieren. Wir brauchen jetzt den Druck auf die Bundesregierung. Deutschland ist starker Handelspartner der Türkei. Deutschland liefert Erdogan Waffen, mit denen er die Bevölkerung Rojavas bombardiert. Außerdem laufen schmutzige Deals mit Erdogan, der an der türkischen Grenze zur EU Flüchlingslager eingerichtet hat und die Menschen teils mit Waffengewalt daran hindert, ihre Flucht in die EU fortzusetzen. Deutschland und andere NATO-Partner gucken bei Erdogans Kriegsführung zu – im Gegenzug sorgt er dafür, dass weniger Menschen auf ihrer Flucht nach Deutschland kommen. Wir sagen „Refugees Welcome!“ und „Stoppt die Zusammenarbeit mit Faschist Erdogan!“

Informiert euch, schließt euch zusammen und plant Aktionen! Wir sehen uns auf den Straßen!

Verteidigt Rojava – Defend Rojava!

Weitere Informationen findet ihr unter anderem hier:

Kurdisches Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit e.V.

Kurdisches Frauenbüro für Frieden e.V.

Kurdisches Gesellschaftszentrum Saarbrücken e.V.

#RojavaIsUnderAttack #WeSeeYourCrimes




Quelle: Trier.dieplattform.org