Dezember 2, 2020
Von Anarchist Black Cross Berlin
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Ein Text der Soligruppe Berlin der GG/BO:

In nahezu allen KnĂ€sten in der BRD ist die medizinische Verosrgung miserabel, so auch in der JVA Tegel. Hier wird kein Hehl daraus gemacht, mit Medikamenten zu jonglieren, als wĂ€ren Gefangene in einem Supermarkt, in dem die LieblingssĂŒĂŸigkeiten ausverkauft sind und man sich deswegen einfach andere mitnimmt. Wenn Gefangene diesen Zustand nicht einfach widerstandslos hinnehmen wollen, ist der Knast Tegel schnell darin, mit der Repressionkeule um sich zu schwingen. Der folgende Bericht zeigt wieder einmal auf, dass selbst das kleinste Aufmucken von Gefangenen, welches nicht nur berechtigt, sondern absolut notwendig ist, vom Knast massiv erschlagen werden soll. Dass die massive UnterdrĂŒckung von Gefangenen System hat, erleben dabei auch Angehörige


WĂ€hrend der
Nachmittagsmedikation im „Behandlungsvollzug“ der Teilanstalts II 
wollte ein Gefangener seine Tabletten von der sogenannten
„ArztgeschĂ€ftsstelle“ abholen. Schon die Tatsache, dass die
Medikamentenausgabe in Tegel ein „GeschĂ€ft“ darstellt, dieser Ort also
auch besser „Drogendealerei mit Ă€rztlich anerkannten Stempel“ genannt
werden könnte, lĂ€sst erahnen, was sich hier an einer TĂŒr mit
Ausgabeklappe, hinter der Justizangestellte sitzen, abspielen muss.  In
diesem, wie auch vermutlich in vielen anderen FĂ€llen, erhielt der
Gefangene Tabletten, welche er sonst nicht an der Ausgabeklappe abholte.
Auf die Frage, warum er nicht seine gewohnten Medikamente erhalte,
bekam er keine konkrete Antwort. Nach dem Motto: ist halt so, leb oder
stirb damit. 
 
Weil der betroffene
Gefangene allerdings nicht bereit war, die Kontrolle ĂŒber seinen Körper
gÀnzlich abzugeben, verlangte er nach seinen gewohnten Medikamenten, da
er die Wirkung und Nebenwirkungen des neuen Medikaments nicht kannte.
Doch weder erhielt
er seine gewohnten Tabletten, noch wurde er ĂŒber die neuen Medikamente
aufgeklÀrt. Stattdessen wurde im laut und schroff klargemacht, dass er
die neuen Medikamente zu akzeptieren habe.
 
Daraufhin nahm der
Gefangene die neuen Mediakemente, jedoch nicht gÀnzlich ohne Protest.
Schimpfend, was fĂŒr eine Sauerei das wĂ€re, verließ er die
Drogendealerei. 
 
Medikamente werden
willkĂŒrlich ausgewĂ€hlt und damit die Gesundheit der Gefangenen bewusst
gefĂ€hrdet. Dass Gefangene diesen Zustand zu akzeptieren und bloß nicht
zu hinterfragen haben, zeigt sich schon allein in der Art und Weise, wie
Justizknechte reagieren, wenn Fragen bezĂŒglich neuer Medikamente
gestellt werden.  Es zeigt sich aber auch nochmal mehr mit dem Umstand,
dass der betroffene Gefangene nach seinem minimalen Protest (Erinnerung:
er nahm die neuen Medikamente an!), eine Disziplinarstrafe in
Form von drei Wochen Fernseherentzug, drei Wochen Freizeitsperre und
eine Strafanzeige wegen angeblicher Beleidigung erhielt. 

 
Menschen im Knast
sollen demnach schlucken, was ihnen vorgesetzt wird. Wenn sie diesen
Umstand nicht hinnehmen wollen und sich auf kleinste Weise erlauben,
ihre Meinung dazu zu Ă€ußern, kommen die Justizknechte gleich mit Strafen
und Strafanzeigen um die Ecke. In der JVA Tegel hat das laut Gefangenen
„mittlerweile Methode“. 
 
Ebenfalls methodisch scheint auch die
Abweisung von Besuch zu sein.  Ein Gefangener hatte vergangene Woche an
verschiedenen Tagen mehrere Besuche angemeldet. Alle wurden direkt am
Tor vor der JVA abgewiesen – angeblich wĂ€ren die Besucher*innen zu spĂ€t
gewesen.
Dabei handelt es sich nicht um einen
Einzellfall. Mehrere Angehörige von Gefangenen der JVA Tegel wurden zum
Beispiel am Montag, den 09.12.19, direkt am Knasttor mit ruppigem Ton
und Verhalten seitens der Justizknechte abgewiesen. In einer Situation
kam es dabei zu einem lautstarken Streit zwischen den Knechten und den
Besucher*innen, bei welcher eine TorhĂŒterin nicht davor scheute, den
betroffenen Besucher*innen zu drohen, sie wĂŒrden „hier nie wieder
reinkommen!“.
 
Und auch die massive Form von Repression gegen meinungsĂ€ußernde Gefangenen ist kein Einzelfall. Eingesperrte
sollen tÀglich zum Schweigen gebracht und kleinster Widerstand gegen
den Knast gebrochen werden. Dabei wird mit ihrer psychischen und
physischen Gesundheit gespielt, der Körper eines Gefangenen ist dem
Knast völlig ausgeliefert und den Justizknechten offensichtlich auch
absolut egal, was mit ihm passiert.
 
Dass sich in diesem Kontext vemehrt  Gefangene das Leben nehmen,
liegt unter anderem auch an diesen ZustÀnden. Knast macht die dort
einsitzenden Menschen durch die vielen verschiedenen
UnterdrĂŒckungsmethoden – sei es absoluter Zwang zur Anpassung und damit
Repression bei kleinstem Widerstand oder der totalen Isolation durch die
Abweisung des Besuchs-  kaputt. Dass Menschen unter anderem damit die
Willenskraft genommen wird, weiterzumachen,
weiterzuleben, liegt auf der Hand. Dementsprechend gibt es auch keine
selbstbestimmte Entscheidung zum sterben. 
 
Erniedrigungen, UnterdrĂŒckung, Isolation und Ermordungen durch Knast können nur beendet werden, wenn KnĂ€ste abgeschafft werden.
Wenn ihr
auch von Gefangenen wisst, die vom Knastsystem regelrecht kaputt gemacht
werden, schreibt uns! Meldet euch ebenfalls gerne, wenn ihr Angehörige
von Gefangenen seit.
Wir können uns diesem System
nur entgegensetzen, wenn wir uns zusammenschließen, damit die Isolation
brechen, uns gegenseitig stĂ€rken und gemeinsam gegen KnĂ€ste vorgehen. 




Quelle: Abc-berlin.net